In seiner neusten Kolumne für leadlap.de spricht der Berliner Marcel Berndt über seinen Saisonauftakt in der European Late Model Serie (ELMS) im belgischen Warneton.

Wenn man als Rookie in einer neuen Rennserie teilnimmt, ist es immer schwierig, die Frage zu beantworten, welche Ziele man sich setzt. Da ich in den letzten Jahren sehr oft die Rennklasse gewechselt habe und regelmäßig in verschiedensten Cockpits mein Bestes gebe, kann ich mit meiner Rennerfahrung das mangelnde Tempo in den 1. Rennen oft weitestgehend wett machen.

Es hat sich jedoch heraus kristallisiert, dass mir das Pilotieren eines V8 recht gut liegt. Daher bin ich mit hohen Erwartungen an die ELMS-Saison 2017 gegangen. Nach dem Gaststart 2016 im Team Turboracing.be im belgischen Warneton war mir klar, dass wenn ich in eine komplette Saison gehen würde, dies nur mit diesem Team möglich wäre.

Mit nur einem Testtag (Ostersamstag) fiel die fahrerische Saisonvorbereitung recht mau aus. Dank eines erstklassig vorbereiteten Fahrzeugs (Dank an Wim Verloo und Gary Ellis) und einer neuen Karosserie war das Fahrzeug, sowohl optisch, als auch technisch, auf einem hervorragenden Stand, was mir meinen Job natürlich um einiges erleichtert hat.

Mit den fahrerischen Tipps und Tricks von Coach Gary aus dem Jahr 2016 und dem Ausprobieren verschiedener Linienkonzepte am Ostersamstag (dazu kam das Studieren der Linien meiner Kontrahenten) kam ich recht schnell in Schwung und erzielte schon am Tagesende wirklich solide Rundenzeiten. Die erstklassige Verpflegung und Betreuung innerhalb des Teams rundete den Testtag ab.

Das 1. Rennen, es fällt mir immer noch etwas schwer, das zu realisieren, beendete ich auf Platz 2. Dank einer Zeitstrafe des Laufsiegers Jean Vasseur traf ich jedoch voll ins Schwarze und gewann Lauf 1 als Rookie. Im 2. Rennen ging es im vorderen Mittelfeld heiß her. Es wurde wirklich eng gefahren. Diverse kleine Stupser und das Anlehnen am Gegner machte das Rennen unglaublich spannend.

Mit Platz 5 zeigte ich auch hier, dass ich mit dem neuen Fahrzeug gut zurecht komme. Im Finallauf startete ich von Rang 6, konnte mich schnell auf Rang 5 vorarbeiten und steckte dann im Hauptfeld etwas fest. Auf der Innenbahn, direkt hinter dem Südafrikaner Arnout Kok liegend, gab es dann eine kleine Schrecksekunde. Ausgangs Turn 2 verlor er kurzzeitig das Heck seines Monte Carlos. Als er das Auto wieder unter Kontrolle brachte, hatte ich jedoch Überschuss und wusste nicht, wohin. Ich fuhr ihm unsanft aufs Heck und dabei brach ein Teil des Hilfsrahmens, welcher am Chassis befestigt ist.

Dank des Trubels befand ich mich nun auf Gesamtrang 3, rund 2 Sekunden vor dem jungen Franzosen Arthur Lehouck liegend. Aufgrund des gebrochenen Rahmens lag jedoch das Fahrzeug vorn rechts auf dem Asphalt auf. Starker Funkenregen und ein plattfußähnliches Fahrverhalten waren die Folge. Da ich Rang 3 im Finale auf keinen Fall verlieren wollte, entschied ich mich, die Sache mit viel Risiko anzugehen. Ich überbremste das Auto mit allen Mitteln auf der Hinterachse, sodass das Heck quer kam. Damit war schon einmal das Problem mit dem Einlenken beseitigt.

Um nun aber auch wieder schnell aus der Kurve zu kommen, musste ich das Fahrzeug mit dem Gaspedal ab dem Kurvenscheitel lenken. Wenn man bedenkt, dass ich effektiv vielleicht 2 Stunden in diesem verbracht habe, keine einfache Aufgabe. Dennoch rettete ich mit all meiner Erfahrung Gesamtrang 3 vor Arthur und stand somit nach Renntag 1 auf Meisterschaftsplatz 3.

Wer konnte mit so einem ELMS-Auftakt rechnen? Ich denke, ich gab mit dieser Leistung ein klein wenig Glückseligkeit an das Team, welches wirklich hart am Fahrzeug gearbeitet hat, und meinen Spendern und Gönnern, zurück und war nun richtig heiß auf Renntag 2!

© TeufTeufTeam Race Pictures

Das nächste Rennen am Folgetag

Noch vollkommen überwältigt von Renntag 1 ging es dann mit schlechten Nachrichten von oben in den zweiten Renntag der aktuellen ELMS-Saison. Bis zum Mittag gab es immer wieder kleinere Regenschauer, was einen Start unmöglich machte. Pünktlich zum Mittag jedoch hörten die Schauer jedoch auf, die Sonne kam heraus und die Strecke trocknete in wenigen Minuten vollkommen ab, auch begünstigt durch die anderen Rennserien, welche an diesem Wochenende am Start standen (Bangers, MASCAR).

Im 1. Lauf des 2. Renntags kämpfte ich mich von Rang 8 auf Rang 5 vor, wobei ein ziemlich harter Kampf zwischen einem belgischen Mitstreiter und mir entfachte, bei dem wir über 10 bis 12 Runden Seite an Seite fuhren. Ich entschied diese Schlacht jedoch nach einigem Lackaustausch für mich und schloss 2 Runden vor Schluss sogar zum Duo aus dem britischen RCD Lager auf.

„Jede Runde hole ich mir einen“, das war nun meine Vorstellung. Jedoch ist das Ranfahren nicht gleich Vorbeifahren. Ich positionierte mich 2 Runden vor Schluss hinter dem Duo. Scheinbar waren die Jungs so mit sich selbst beschäftigt, dass sie mich zu dieser Zeit gar nicht wahrnahmen. In der vorletzten Runde schnappte ich mir den Briten und im Überholrausch eroberte ich in der letzten Runde sogar noch Platz 3. Sollte es nun so weiter gehen, wie es am Ostersonntag begonnen hat?

Der 5.Lauf war nun, denke ich, der unspektakulärste Lauf am gesamten Rennwochenende. Von Platz 5 gestartet war das Rennen von Drehern und kleineren Gelbphasen geprägt. Ich fuhr ein recht einsames Rennen, schonte das Fahrzeug und fuhr Platz 4 und somit wieder wichtige Punkte für die Gesamtwertung ein.

Lauf 6 sollte das Wochenendehighlight werden. Von Rang 4 ins Rennen gegangen übernahm ich nach nur 4 Runden die Führung und setzte mich prompt vom Verfolgerfeld ab. Da meine direkten Verfolger nun im Verkehr feststeckten und mehr mit sich selbst beschäftigt waren, als Jagd auf mich zu machen, baute ich meine Führung Stück für Stück aus. Dennoch musste ich die gesamten Führungsrunden ans absolute Limit gehen, da ich nicht wusste, wie groß der Abstand auf Position 2 genau war. Ich beendete das Rennen mit rund 7 Sekunden Vorsprung auf Platz 1 und schob mich somit auf Gesamtrang 2 der CAMSO V8 Wertung 2017 nach vorn.

Das nächste Rennen findet Mitte Mai statt. Auch hier hoffe ich wieder, wichtige Punkte sammeln zu können und mein Tempo, das ich beim Saisonstart hatte, ausbauen zu können, denn es gibt für mich noch viel zu lernen.

Dennoch muss ich mich bei allen Gönnern und Spendern bedanken, ohne sie wäre dieser Erfolg nicht möglich. Ein Riesendank geht auch nach Belgien an das Team Turboracing.be, welches mir einen erstklassig abgestimmten Toyota Camry hingestellt hat.

Gruß aus Berlin

Euer Marcel Berndt