In seiner neusten Kolumne für leadlap.de Berichtet Marcel Berndt über seinen Start in der australischen Legend Car Series und seinem Auftritt in der Formula Student

Liebe Motorsport-Fans,

Meine erste interkontinentale Saison stand vor der Tür, die Dirt Oval Track Series der Legend Cars in Australien. Genau genommen fand das Bahnmeisterschaft- und Titel-Wochenende auf dem zentral in Sydney gelegenen Valvoline Speedway im Ortsteil Paramatta statt.

Schon in den sieben Meisterschaftsläufen in nur rund drei Monaten habe ich unglaublich viel gelernt: Ich wurde schneller und schneller. Zu meiner eigenen Überraschung qualifizierte ich mich schon im zweiten Rennwochenende über das B-Finale für das A-Finale, an einen Podestplatz war natürlich nicht zu denken.

Rund 50 Stunden investierten wir zwischen jedem Rennwochenende in die Vorbereitung. Onboardanalysen, Datenauswertung, fahrerische Unterschiede und Defizite zu erkennen, war das Ziel. Dann setzte ich das gelernte im Simulator, bevor es wieder auf die 30-stündige Anreise über London und Dubai ging. Ausgenommen von dieser mentalen Vorbereitung ist hierbei natürlich die körperliche Vorbereitung, die mit rund 50 Stunden noch zugezählt werden muss.

Der Fleiß zahlte sich bahnbrechende schnell aus. Schon am fünften Renntag machten wir mit Platz zwei im zweiten Vorlauf auf uns aufmerksam. Die deutsche Flagge war bereit, in den australischen Boden gerammt zu werden. Das Highlight war das Titel-Wochenende im Mai. Mit Rang 25 in der Bahnmeisterschaft und Rang 12 im INEX World Ranking in der Wertung Semi Pro Dirt warf ich mich für einen heiß ersehnten Startplatz mit 219 anderen Fahrern ins Getümmel.

Nach einem Motorschaden im ersten Training und einem mehrfachen Überschlag im zweiten Training ging es nicht gut für uns los. Dies sollte sich jedoch drastisch ändern. Über die zahlreichen Ausscheidungsläufe qualifizierte ich mich Stück für Stück in Richtung Finals. Dank konstanter, aber passiver Fahrweise, mussten wir das B-Finale als Zuschauer genießen, da wir uns, zu unserer eigenen Überraschung, direkt für das A-Finale qualifizierten. Welch eine Sensation! Die 20 besten Fahrer Australiens, darunter ich, der einzige Fahrer, der nicht aus Australien stand!

Von Startplatz 16 ging es für uns ins A-Finale. Bewusst wählten wir eine passive Fahrweise zu Rennbeginn. 75 Runden sind lang, jeder Einzelne fuhr mit dem Messer zwischen den Zähnen. Schon in Runde vier gab es den ersten Big One mit sechs zerstörten Autos – dabei war sogar ein mehrfacher Überschlag, zum Glück ohne Verletzte.

Ich wartete ganz einfach auf die Lücke. Vielleicht war das die richtige Lösung. In Runde 28 wurde ich dann leider unsanft umgedreht, nach der Caution durfte ich jedoch wieder von meinem Platz 13 in die letzen Runden gehen. Ab Runde 55 ließ ich dann den bekannten Hammer fallen und fuhr um mein Leben. Nach extrem hart geführten Zweikämpfen und rundenlangen Side-by-side-Racing holte ich Platz 7 in der Gesamtwertung und einen atemberaubenden dritten Platz in der Wertung Semi Pro.

Für die erste Saison außerhalb Europas und für das erste Mal auf dem Dirt-Oval konnten wir uns mehr nicht wünschen. Überglücklich und es etwas traurig ging es zurück nach Deutschland. Platz drei in der Semi Pro Wertung ist ein außergewöhnliches Ergebnis, das wir uns so nie als Ziel gesteckt haben. Ich bin überglücklich, denn das war ein wichtiger Grundstein für meine interkontinentale Laufbahn in den kommenden Jahren.

Berndt startet wieder in der Formula Student

Mit erstmalig eigenen hohen Erwartungen ging es in die Saison 2018. Events in den Niederlanden, Ungarn, Tschechien und das World Final in Hockenheim standen auf der Agenda. Mit wiederholt zu wenig Trainingszeit für mich ging es in mein erstes Wochenende. Das Auftaktevent in Assen musste ich leider auslassen, da dies unter der Woche stattfand.

Die Reise nach Budapest und die daraufhin  zweistündige Autofahrt zum Austragungsort waren der Start. Schaltungsprobleme und ein Getriebeschaden und Pech beim Wetterpoker ließen uns im World Ranking weit nach hinten rutschen.

Das Event in Tschechien wurde auf dem Autodromo Most ausgetragen. Mit einem gut funktionierenden Auto und Gesamtrang eins im Cost Report ging es hochmotiviert in die finalen Tage. Als erstes Team gingen wir auf Slicks bei abtrocknender Strecke volles Risiko und wurden vorerst belohnt. Zehn Sekunden mit dem Messer zwischen den Zähnen nahmen wir dem dahin schnellsten Team auf einer Runde ab.

Leider bot die Strecke immer mehr Grip, sodass wir durchgereicht wurden. Der zweite Fahrer konnte das Potential des Autos leider nicht voll ausschöpfen und so blieb ein enttäuschendes Ergebnis übrig. Das World Final in Hockenheim war wie immer ein grandioses Spektakel. Leider beendete ein kapitaler Motorschaden – ein Kolbenklemmer – das Wochenende.

Bedanken möchte ich mich bei jedem Einzelnen im Team, dass ich wieder einmal das komplette Vertrauen erhalten habe. Die Leistungsentfaltung in Hockenheim war atemberaubend. Die Aerodynamik war eine Finesse und gekoppelt mit dem Fahrwerk war es das bisher beste Auto in vier Jahren Formula Student. Unermüdlich wurde die ganze Saison geschraubt und geschuftet, um uns beiden Fahrern ein Auto bereit zu stellen, was einem das Grinsen ins Gesicht zauberte. Leider hing uns dies Jahr der Dreck an den Hacken. Das gesamte Team hat Großes geleistet und darauf bin ich unendlich stolz.

Euer Marcel Berndt