In seiner neusten Kolumne für leadlap.de spricht Marcel Berndt über seinen Einsatz für das Team Fasttube aus Berlin in der Formula Student 2017.

Im Jahr 2017 startete zum 3. Mal in Folge für das Formula-Student-Team der TU Berlin. Nachdem Teamorganisation, Teamspirit und Ehrgeiz im vergangenen Jahr auf der Strecke blieben und teils orientierungslos geschraubt wurde, sollte es mit neuer Konstellation, neuer Teamleitung und vielen neuen Gesichtern im Team nun weiter nach vorne gehen.

Leider war es mir vor dem Auftaktwochenende auf dem Riccardo Paletti Circuit in Italien, nahe der Stadt Parma, nicht möglich, das neu konzipierte und konstruierte Fahrzeug mit Gitterrohrrahmenbasis mehr als 20 Minuten zu testen. Befeuert wird dieses Rahmengestell von einem 450ccm 1 Zylinder BMW Motorradmotor, der zusätzlich mit einem Ford EcoBoost Turbolader zwangsbeatmet wird.

An dieser Stelle sollte ich mich erst einmal, bevor ich die Events nacheinander aufrolle, bei allen Teammitgliedern bedanken. Die Jungs vom Motormodul haben da, denke ich, den größten Sprung geschafft, denn der Leistungszuwachs von 2016 zu 2017 war enorm. Dank Dominik funktionierte nun endlich auch die Schaltung einwandfrei. Zudem war das Fahrwerksmodul deutlich besser und das Vergnügen im Auto war schon bei den 1. Testminuten klar erkennbar. Nicht zu vergessen natürlich die noch einmal runderneuerte Aerodynamik, die das Gesamtpaket hierbei perfekt abrundete.

© Fasttube

Das Auftaktwochenende begann mit den statischen Disziplinen. Hier nahm das Team der TU Berlin schon einmal die 1. wichtigen Daten mit. Bei Skidpad und Acceleration strauchelten wir ein wenig. Mein Part begann Samstagvormittag mit dem Ablaufen der Sprint/AutoX-Strecke. Die Zeit reichte für 2 Runden. Wir haben die Streckenskizze mit dem zweiten Fahrer aufgemalt und inhaliert.

Zur Mittagszeit absolvierten wir dann unsere 4 Pflichtrunden (2 Runden pro Fahrer). Aufgrund extrem hoher Temperaturen (durchweg 42 Grad Celssius) kämpften wir mit untersteuern und leider brach auf meiner zweiten Hot Lap dann auch die Sitzaufnahme, sodass ich beim Manövrieren nun mit dem Sitz im Auto herum geschleudert wurde (natürlich alles andere als optimal).

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Dennoch ergatterten wir einen Top-5-Platz, welcher die Startreihenfolge für den sonntäglichen Endurance-Lauf vorgab. Auch am Sonntag gab es noch einmal einen Track-Walk, da die Streckenführung leicht verändert wurde. Der Endurance-Lauf sollte dann die Dramatik des Jahres 2017 darstellen.

Kurz nach dem Start brach die Heckflügelaufnahme, sodass der Flügel nach hinten über kippte. Nach kurzer technischer Kontrolle dann grünes Licht. Mit dem zweitbesten Einzelfahrzeug holte ich wieder etwas verlorene Zeit auf. Dann begannen die Probleme mit dem Benzindruck. In Linkskurven fiel der Benzindruck  weg, sodass oftmals kein Vortrieb mehr vorhanden war.

Mit ¾ Gas fuhr ich meinen Turn zu Ende und übergab das Auto an Alex. Bei ihm verschlechterten sich noch einmal die Benzindruckprobleme, sodass er stellenweise im Schritttempo über die Strecke rollte. Da dies scheinbar noch nicht genug war, stellte sich nun noch heraus, dass die frisch angeschafften Karbonfelgen undicht waren, was einen Plattfuß vorne rechts zur Folge hatte. Trotz des ganzen Pechs am 1. Saisonwochenende konnten wir mit einem Top-10-Platz dennoch sehr zufrieden sein.

Event 2 zog uns ins tschechische Most, meine Lieblingsstrecke im Formula-Student-Kalender. Mit dem Sieg in der Business-Plan-Wertung ließ das Team Fasttube hierbei schon einmal aufhorchen, dass mit uns zu rechnen war. Eine deutliche Steigerung im Skid Pad und im Acceleration war auch sichtbar.

Nun war ich an der Reihe: Ich war an diesem Tag so was von heiß auf den Autocross/Sprint-Sieg, da er zum Greifen nahe war. Die absolute Bestzeit eines Verbrenners war bis dato eine 1:02 Minuten. Mit 1:05 Minuten stellte uns Alex schon einmal auf Position 4. Meine erste Runde mit kalten Reifen war eine gefühlte Katastrophe, umso erstaunter war ich, als auf dem Lap Time Board eine Rundenzeit von 1:04 Minuten aufleuchtete.

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Die Reifen waren auf Temperatur und ich mit der Maschine im Einklang. Flat Out war das Motto. Circa 35 Prozent der Runde waren absolviert, als mir das Display -1,5 Sekunden anzeigte.

Das war der absolute Wahnsinn. Volle Konzentration, doch dann ein Geräusch. Was war das? Die Streckenposten sprangen auf die Strecke und stoppten ich. Heckflügel gebrochen: Ich war raus! Am liebsten hätte ich den Rest Heckflügel, welcher noch befestigt war, auf der Stelle abgetreten.

Weg war der Sieg in meiner Lieblingsdisziplin! Und auch der Endurance-Sonntag sollte nicht besser werden. Vorstart und warm laufen: Es lief alles gut. Motor aus, vor rollen zum Start, Motor an, doch es passierte nichts.

Wir verließen den Vorstart und machten uns auf die Fehlersuche. Nach einigen Minuten war das Problem gefunden. Eine Platine im Steuergerät war defekt. Schnell wurde das defekte Stück ausgetauscht und wir kamen zurück zum Vorstart. Der Motor lief! Wir bekamen grünes Licht und gaben mächtig Feuer. Doch sofort verabschiedete sich wieder der Motor aufgrund eines weiteren technischen Problems. Damit war das Wochenende für uns gelaufen.

Zweimal wurden wir unter Wert geschlagen! Nun ging es zum Weltfinale nach Hockenheim. Mit dem Award für die beste Karbon/Plastikverarbeitung, Platz 4 im Skid Pad und Platz 4 im Engineering Design machte das Team auf sich aufmerksam. Kein schlechter Start bei weit über 100 Fahrzeugen.

© Fasttube

Samstag 14 Uhr: Beginn der AutoX/Sprint Session. Dunkle Wolken zogen am Himmel auf und unser Wetterradar verriet uns Regen ab 14:30 Uhr. In der Regel warten wir so lange es geht, um eine saubere Strecke mit reichlich Grip vorzufinden. Nun aber entschieden wir uns, früh raus zu gehen, um eventuell den Vorteil der trockenen Strecke zu haben.

Die Zeiten waren auf der dreckigen Strecke sehenswert, dennoch verpokerten wir uns. Es begann im Laufe der Session nicht mehr zu regnen, sodass wir den Streckenputzer für die Topteams spielten.

© Fasttube

Dafür lief endlich einmal der Endurance-Sonntag souverän. Bei trockenen Verhältnissen funktionierte das Auto tadellos. Ich wählte diesmal eine ruhigere, rundere Fahrweise und an dieser Stelle muss ich sagen, so einen entspannten Endurance bin ich in 3 Jahren Formula Student nicht gefahren. Mit Platz 6 im sicherte sich das Team aus Berlin Gesamtrang 4 beim Weltfinale in Hockenheim. Seit Gründung des Rennstalls im Jahre 2005 war dies nun mit Abstand das beste Ergebnis in Hockenheim und das zweitbeste Ergebnis bei allen Events (3.Platz Tschechien 2015) seit jeher.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass der Team Spirit in diesem Jahr etwas ganz Besonderes war. Alle zogen an einem Strang und die Teamleitung war eine Klasse für sich. Leider wurden wir 2 Mal deutlich unter Wert geschlagen. Ob es für eine 2018 eine Fortsetzung gibt, ist aktuell noch unklar. Sollte es keine erneute Zusammenarbeit geben, wünsche ich den hochmotivierten Studenten der TU Berlin für die Saison 2018 alles erdenklich Gute und viel Erfolg.