NASCAR Whelen Euro Series

NWES-Sonntag in Zolder: Doubek feiert Doppelsieg, erster Saisonsieg für Day

Michael Großgarten

Martin Doubek und Alon Day siegten am vergangenen Sonntag auf dem Circuit Zolder – Die NASCAR Whelen Euro Series hieß wieder 200 Zuschauer an der Strecke willkommen

Die zweite Runde der NASCAR Whelen Euro Series (NWES) am Circuit Zolder ist in den Büchern. Während Alon Day (PK Carsport) am Sonntag in der EuroNASCAR-PRO-Meisterschaft siegreich war, sicherte sich Martin Doubek (Hendriks Motorsport) in der EuroNASCAR-2-Serie seinen zweiten Saisonsieg in Folge. Die Rennen fanden wie am Samstag vor rund 200 Zuschauern statt.

EuroNASCAR-Pro-Wertung

Credtis: Michael Großgarten

“What a Day”: Der Israeli Day holte im Sonntagsrennen der EuroNASCAR-PRO-Meisterschaft nicht nur seinen ersten Saisonsieg, sondern auch den ersten Sieg für sein neues Team PK Carsport. Es war sein 21. Karriereerfolg in der NWES und damit ist er nur noch einen Sieg von Ander Vilarinos Rekord entfernt.

Das zweite EuroNASCAR-PRO-Rennen war das einzige, das an diesem Wochenende auf trockener Strecke gefahren wurden. Day musste sich zunächst dem Lokalmatador Stienes Longin (PK Carsport) geschlagen geben, ließ sich aber nicht von seinem Teamkollegen abschütteln. 

Auf Rang drei hielt Luigi Ferrara (Shadow Racing Cars bei 42 Racing) dem Druck seiner Hinterleute stand. Gianmarco Ercoli (CAAL Racing)  war der Erste, der seinen Landsmann überholte und so kam es im ersten Renndrittel zu einer Pärchenbildung: Vorne Longin und Day, die einen kleinen Vorsprung auf Ercoli und Ferrara herausgefahren hatten, doch Ercoli kam schnell näher. Nachdem Day an Longin vorbeigezogen war, fuhr er einem ungefährdeten Sieg entgegen. 

“Es war ein toller Sieg”, so Day, der Zolder als Gesamtführender der EuroNASCAR-PRO-Wertung verlassen hat. “Es ist lange her, dass ich neben meinem Teamkollegen gestartet bin. Ich danke Stienes für das tolle Rennen. Wir hatten in der Vergangenheit viele Duelle und es nicht selbstverständlich, dass es immer so sauber über die Bühne geht, wenn man so viele Jahre gegeneinander fährt. Ich schätze das sehr! Das Team hat einen tollen Job gemacht und mir einen unglaublich schnellen Monster-Energy-Chevrolet-Camaro gegeben.”

Nach einem Verbremser von Longin übernahm Ercoli die zweite Position und gab diese bis zur Zieldurchfahrt nicht mehr ab. Das bedeutete für den Italiener gleichzeitig auch den Sieg in der Junior-Trophy. Auch der erfahrene Marc Goossens (CAAL Racing) zog an Longin vorbei und komplettierte damit das Podium. 

Jacques Villeneuve (Feed Vict Racing) musste sein Fahrzeug mit einem technischen Defekt gegen Rennhalbzeit abstellen. Seinen Teamkollegen Patrick Lemarie ereilte kurze Zeit später das gleiche Schicksal. Auch Giorgio Maggi (Hendriks Motorsport) konnte das Rennen nicht beenden. Noch größeres Pech hatte Nicolo Rocca (DF1 Racing) der bereits in der Einführungsrunde mit Problemen ausrollte. 

Vortagessieger und amtierender EuroNASCAR-2-Champion Lasse Sörensen (DF1 Racing) musste von der letzten Startposition aus ins Rennen gehen, da die Reparaturarbeiten an seinem Auto nach dem Crash seines Landsmannes Andreas Jochimsen im EuroNASCAR-2-Rennen länger dauerten als vorgesehen. Doch der Däne legte eine sehenswerte Aufholjagd hin und überquerte die Ziellinie als Neunter. 

Loris Hezemans (Hendriks Motorsport) war noch immer von einer Verletzung am rechten Handgelenk gehandicapt, die er sich am Samstagmorgen beim Qualifying zugezogen hatte. Er biss aber die Zähne zusammen und landete auf Rang fünf, einen Platz hinter Longin. 

Hinter Hezemans fuhr Thomas Ferrando (CAAL Racing) auf den zweiten Platz in der Junior-Trophy, nachdem er sich ein spektakuläres Duell mit Lucas Lasserre (Mishumotors) geliefert hatte. Das Podium der Junior-Trophy komplettierte Martin Doubek, der damit ein für ihn sehr erfolgreiches Wochenende abrundete. 

Den Sieg in der Challenger-Wertung sicherte sich Davide Dallara (Not Only Motorsport) vor Dario Caso (Feed Vict Racing) und Mauro Trione (CAAL Racing).

EuroNASCAR-2-Wertung

Credits: Michael Großgarten

Doubek hieß am Ende der strahlende Sieger eines Rennens, dass von etlichen Zwischenfällen und langen Gelbphasen gekennzeichnet war. Damit feierte der Tscheche ein eindrucksvolles Comeback nach seiner COVID-19-Infektion. Er hatte bereits am Vortag das erste Rennen für sich entschieden. 

Bereits in der zweiten Kurve kam es zum ersten Zwischenfall. Doubek ging vor Guilleaume Dumarey (PK Carsport) in die erste Kurve, doch von hinten stürmte Julia Landauer (PK Carsport) heran, die mit Alessandro Brigatti (Feed Vict Racing) kollidierte und zunächst im Kiesbett stecken blieb. Brigatti fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück. Am Ausgang der Bolderberg-Kurve rumpelte es dann im Hinterfeld und das Safety-Car musste auf die Strecke gehen. 

Landauers Auto wurde von den Streckenposten zwar aus dem Kiesbett befreit, aber ein Boxenstop war unvermeidlich und eine Topplatzierung wurde unmöglich. 

Wieder war es Doubek, der den Restart für sich entschied, aber da er auf Regenreifen gestartet war, geriet er schnell unter Druck von Dylan Derdaele (CAAL Racing), der auf Slick-Reifen einen großen Vorteil auf der schnell abtrocknenden Strecke hatte und auch zügig am nahezu wehrlosen Doubek vorbeizog. 

Eine weitere Safety-Car-Phase unmittelbar nach diesem Überholmanöver spülte Doubek jedoch an die Spitze zurück, denn ausschlaggebend ist die Reihenfolge der letzten Zieldurchfahrt vor der Gelbphase. 

Nach dem Restart wurde es dramatisch: Doubek blieb vorne, Derdeale übte großen Druck auf ihn aus, wurde aber vier Runden vor Schluss in eine Kollision mit Nicholas Risitano (Solaris Motorsport) verwickelt, die ihn auf den sechsten Platz zurückwarf. Auch Andreas Jochimsen (DF1 Racing), der bis dahin auf aussichtsreicher Position lag,  wurde in eine Kollision verwickelt Abermals musste das Safety-Car auf die Strecke gehen und das Rennen wurde unter gelber Flagge beendet. 

“Ja, ich habe es wieder geschafft! Ich bin so glücklich, nach meinem ersten NWES-Sieg gestern wieder in der Victory Lane zu stehen”, zeigte sich Doubek nach dem Rennen überglücklich. “Es war ein hartes Rennen, aber ich habe es geschafft, vorne zu bleiben. Es war nicht einfach mit den Regenreifen, weil die Strecke abtrocknete und die Nr. 98 mächtig Druck machte. Er wurde dann aber in einen Unfall verwickelt, weshalb ich vorne war, als das Rennen hinter dem Safety-Car endete. Ich danke dem Team für das großartige Auto an diesem Wochenende.”

Als Zweiter wurde sein Hendriks-Teamkollege Vittorio Ghirelli abgewunken, der sich zwischenzeitlich nach vorne gearbeitet hatte und von der Kollision vor ihm profitierte. Dritter wurde Francesco Garisto (Shadow Racing Cars by 42 Racing), der somit gleichzeitig die Rookie-Trophy gewann. 

Die größte Aufholjagd des Rennens legte Andre Castro in Diensten von DF1 Racing hin. Da er das Samstagsrennen krankheitsbedingt auslassen musste, startete er von Platz 20, kämpfte sich aber bis auf den vierten Rang nach vorne. 

Grund zum Feiern hatte auch Arianna Casoli (CAAL Racing): Die Italienerin verbuchte mit dem fünften Rang ihr bisher bestes Resultat in der NWES – und wurde mit dieser Leistung gleichzeitig sowohl Siegerin in der Lady Trophy als auch in der Legend Trophy. 

Trotz Unfall wurde Derdaele am Ende noch Sechster vor seinem Landsmann, dem Feed-Vict-Racing-Piloten Simon Pilate. Die beiden komplettierten damit das Podium der Rookie Trophy. 

In der Legend Trophy kamen Yevgen Sokolovskyi (Marko Stipp Motorsport) und Eric Quintal (Mishumotors) auf die Plätze zwei und drei. 

Pech für Brigatti: Er schleppte seinen heftig ondulierten Chevrolet Camaro zwar zunächst auf Rang fünf ins Ziel, wurde nach dem Rennen aber mit einer Strafe wegen Verursachung einer Kollision belegt, die ihn auf den elften Rang zurückspülte. 

Somit fahren Vittorio Ghirelli als Tabellenführer in der EuroNASCAR-2-Wertung und Alon Day in der EuroNASCAR-PRO-Wertung ins tschechische Most, wo am 14. und 15. November die nächsten Rennen ausgetragen werden.

Der Autor / Die Autoren

Frank Reipen
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