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Silly-Season: Wechselt Keselowski zu seiner ersten Liebe Hendrick Motorsports?

Brian Lawdermilk/Getty Images

Jimmie Johnson fährt im Jahr 2020 womöglich seine letzte NASCAR-Vollzeit-Saison – Brad Keselowski ist ein heißer Kandidat für das Cockpit bei Hendrick Motorsports 

Jimmie Johnson hat angekündigt, die NASCAR-Bühne nach der Saison 2020 als Vollzeit-Fahrer zu verlassen. Der siebenmalige Champion hinterlässt damit eine große Lücke beim Chevrolet-Team Hendrick Motorsports, die dringend mit einem fähigen Fahrer geschlossen werden muss. Brad Keselowski ist aufgrund seiner Vergangenheit ein heißer Kandidat für das Cockpit, sofern er nicht beim Team Penske verlängert.

Es gibt bereits einige Anzeichen dafür, dass Keselowski wirklich zum engeren Kreis der potenziellen Johnson-Nachfolger gehört. Der Champion des Jahres 2012 hat bei Penske noch keinen neuen Vertrag unterschrieben, weshalb das Arbeitspapier aktuell Ende 2020 auslaufen wird. Außerdem gab es eine massive personelle Umstrukturierung im Team: Sein langjähriger Crew-Chief Paul Wolfe ist jetzt für seinen Teamkollegen Joey Logano tätig. 

In seiner frühen Karriere war Keselowski bereits eng mit Hendrick Motorsports verstrickt. In der Saison 2008 ging der heute 36-jährige Rennfahrer aus Michigan in der NASCAR Xfinity Series für JR Motorsports, dem Team von Dale Earnhardt Jr., an den Start. Am Nashville Superspeedway sicherte sich Keselowski damals seinen ersten Sieg in der zweiten NASCAR-Liga. Natürlich war der Plan, das Talent eines Tages mit Hendrick Motorsports in die Cup Series aufsteigen zu lassen. 

Credits: Todd Warshaw/Getty Images

Im selben Jahr debütierte Keselowski für Hendrick Motorsports in der Cup Series am Texas Motor Speedway. Im Hendrick-Chevrolet mit der Startnummer 25 wurde der Rennfahrer aus Rochester Hills auf Platz 19 gewertet. Sein zweites Cup-Rennen fuhr Keselowski für das Chevrolet-Team am Homestead-Miami Speedway, wo er auf Platz 23 landete. In der Saison 2009 folgte ein weiteres Vollzeit-Programm in der NASCAR Xfinity Series und ein Teilzeit-Programm im NASCAR-Oberhaus – mit Rennen für Hendrick Motorsports und Phoenix Racing von James Finch. 

In seinem zweiten Jahr als Teilzeit-Fahrer in der Cup Series holte Keselowski im Phoenix-Chevrolet seinen ersten Sieg, der wegen des heftigen Abflugs von Carl Edwards in die NASCAR-Geschichte eingegangen ist. Edwards wurde damals in den Fangzaun des Talladega Superspeedway geschleudert. Er verließ unverletzt sein havariertes Auto, nur um über die Ziellinie zu joggen – eine Szene die heute noch zu den absoluten NASCAR-Highlights gehört. Die entscheidende Runde, die Keselowski den Sieg brachte, war übrigens seine erste Führungsrunde auf Cup-Ebene.

Credits: Sam Greenwood/Getty Images for NASCAR

Von Hendrick zu Penske

Zurück zu Keselowski, der mit seinem ersten Cup-Sieg eine ordentliche Bewerbung Richtung Rick Hendrick geschickt hat. James Finch, der Chef von Phoenix Racing, sorgte dafür, dass das junge Talent noch mehr Zeit in der Cup Series verbringen durfte. Eigentlich war alles perfekt, denn Hendrick Motorsports hätte in der kommenden Saison ein Cockpit für Keselowski gehabt, hätte sich NASCAR-Legende Mark Martin an seine Rücktrittsentscheidung gehalten.

Martin gewann in der Startnummer 8 im Jahr 2009 aber plötzlich das Rennen am Phoenix Raceway. Das war eine Woche vor dem ersten Sieg von Keselowski in Talladega im Hendrick-Kunden-Chevrolet und daraufhin meldete Martin aus dem Nichts Interesse an, die Saison 2010 doch als Vollzeit-Pilot bestreiten zu wollen. Damit gab es keinen Platz mehr für Keselowski im Chevrolet-Top-Team von Rick Hendrick. 

Dann ging alles ganz schnell: Roger Penske und Keselowski einigten sich und gewannen im Jahr 2010 gemeinsam den Titel in der NASCAR Xfinity Series. Im Jahr 2012 folgte der Meisterschaftssieg in der NASCAR Cup Series. Penske und Keselowski, das scheint sehr gut zu funktionieren, doch dennoch könnte Keselowski in der Saison 2021 im Hendrick-Chevrolet sitzen. Ein wichtiger Fakt: Penske hatte sich bereits 2008 um Keselowski bemüht, der verhielt sich gegenüber Hendrick aber loyal und lehnte Vertragsgespräche ab. 

Credits: Todd Warshaw/Getty Images

Jetzt drängt sich die große Frage auf, ob die Personalentscheidungen bei Penske und andauernden Verhandlungen mit Keselowski bereits ein Zeichen für einen Abgang des 36-Jährigen sind. Sollte kein neuer Vertrag zwischen Keselowski und Penske geschlossen werden, – eine Vertragsverlängerung ist jederzeit möglich – ist ein Wechsel zu Hendrick Motorsports zumindest naheliegend. 

Den Motorsport in die Wiege gelegt bekommen

Doch wer ist Keselowski eigentlich, der sich mit seiner harten Fahrweise und bisher 32-Cup-Siegen an der NASCAR-Spitze etabliert hat? Geboren wurde er am 12. Februar 1984 in Rochester Hills in Michigan. Er ist das fünfte Kind der Familie Keselowski, die bereits damals tief im Motorsport verankert war. 

Sein Vater Bob Keselowski bestritt in seiner Karriere ein Cup-Rennen und 86 Truck-Rennen. Brads Onkel Ron Keselowski fuhr in den 1970er-Jahren insgesamt 86 Cup-Rennen. Sein älterer Bruder Brian Keselowski war bis 2016 ebenfalls im NASCAR-Zirkus aktiv. Dem jüngeren Bruder wurde die Leidenschaft für den Stockcar-Sport also bereits in die Wiege gelegt.

Credits: Doug Benc/Getty Images

Nachdem Brad Keselowski in den lokalen Ligen Erfahrung gesammelt hatte, betrat er im Jahr 2004 erstmals die große NASCAR-Bühne. Damals startete er sowohl in zwei Rennen der ARCA Series und acht Rennen der NASCAR Gander & RV Outdoors Truck Series für das Familienteam K-Automotive Racing. Der Durchbruch gelang ihm im Jahr 2007 zusammen mit JR Motorsports in der Xfinity Series. 

Im Jahr 2018 hat Keselowski das Unternehmen Keselowski Advanced Manufacturing gegründet. Das Technologie-Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Stücken mit CNC-Maschinen, 3D-Druckern und weiteren Anwendungen spezialisiert. 

Außerdem hat Keselowski im Jahr 2007 ein eigenes Rennteam gegründet, das in der Truck-Series Fahrzeuge eingesetzt hat. Mit Tyler Reddick am Steuer holte der Rennstall im Jahr 2015 den zweiten Platz in der Meisterschaft. Insgesamt feierte Keselowski Racing in sieben Saisons elf Rennsiege. Ende 2017 wurden die Operationen des Teams eingestellt. Der Rennstall setzte auch Autos in Late-Model-Serien und der ARCA Series ein. 

Credits: Stacy Revere/Getty Images

Keselowski selbst gehört zu den Top-Piloten in der NASCAR Cup Series. Mit aktuell 392 Rennstarts, einem Titel, 32 Rennsiegen und 197 Top-10-Ergebnissen ist der Rennfahrer aus Michigan nicht mehr aus der Cup Series wegzudenken. Welches Auto der 36-Jährige in der kommenden Saison steuern wird, steht noch in den Sternen. 

Mit Informationen von Pete Fink (Facebook)

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