Auch ohne Sieg: So nimmt Hamlin die meisten Punkte aus Martinsville mit

Auch ohne Sieg: So nimmt Hamlin die meisten Punkte aus Martinsville mit
Foto: NASCAR Media / Jacob Kupferman/Getty Images

Denny Hamlin sammelte dank seiner Stage-Siege, Platz zwei und der schnellsten Runde 56 Punkte – Das ist einer mehr als Rennsieger Chase Elliott

Denny Hamlin hat am Sonntag auf dem Martinsville Speedway ein nahezu perfektes Rennen abgeliefert, am Ende jedoch den sicher geglaubten Sieg beim Cook Out 400 aus der Hand geben müssen. Trotz einer dominanten Vorstellung mit 292 Führungsrunden und Siegen in beiden Rennsegmenten reichte es für den Piloten von Joe Gibbs Racing nur für den zweiten Platz hinter Chase Elliott.

Zwei ungünstig getimte Gelbphasen und eine mutige Boxenstrategie der Hendrick-Mannschaft kosteten Hamlin den prestigeträchtigen Ridgeway-Grandfather-Clock-Pokal.

Hier gibt es die Highlights des Rennens auf Deutsch von Sportdigital1+

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache für die Überlegenheit der Startnummer 11 über weite Strecken des Rennens. Hamlin sicherte sich nicht nur die beiden Stage-Siege, sondern auch den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde. In der Ära des aktuellen Playoff-Systems, in dem Konstanz und Punkte wieder massiv an Bedeutung gewonnen haben, war er der große Gewinner des Tages, auch wenn die Trophäe in andere Hände wanderte.

Damit sammelte Hamlin insgesamt 56 Punkte, einen mehr als Rennsieger Elliott, der keine Stage-Punkte einfuhr und deshalb für den Sieg nur 55 Zähler bekam.

Gegen Ende des Rennens mischten sich jedoch mechanische Sorgen in die fahrerische Dominanz. Hamlin meldete rund 44 Runden vor Schluss Vibrationen am Heck seines Toyota Camry, wollte dies nach dem Rennen jedoch nicht als Entschuldigung für die Niederlage gelten lassen. „Es fühlte sich in diesem Stint hinten einfach anders an, wir werden das untersuchen“, gab Hamlin zu Protokoll. „Das sind keine Ausreden, wir wurden einfach geschlagen.“

Die technische Inspektion nach dem Rennen gab dem Gespür des Routiniers recht. Crew-Chief Chris Gayle bestätigte gegenüber NASCAR, dass das linke Hinterrad nicht korrekt saß. „Es sieht so aus, als hätten wir ein Problem mit einem minimal losen Rad gehabt – locker genug, dass er es wahrscheinlich spüren konnte“, erklärte Gayle. „Es gibt einige Abschürfungen an den Bolzen und Verschleißerscheinungen, es war also definitiv lose.“

Zusätzlich zum technischen Handicap erschwerte die abkühlende Strecke und die zunehmende Dunkelheit das Überholen. Während Hamlin zu Beginn des Rennens noch mühelos an William Byron vorbeiziehen konnte, biss er sich an Chase Elliott im entscheidenden Moment die Zähne aus. Die „Dirty-Air“, also die verwirbelte Luft hinter dem Führenden, sorgte dafür, dass Hamlins Reifen schneller überhitzten als in der Phase, in der er das Feld selbst anführte.

Sobald ein Fahrer längere Zeit im Windschatten fährt, baut das Auto und der Reifen typischerweise ab. Elliott nutzte diesen Vorteil konsequent aus, während Hamlin zusehen musste, wie seine Siegchancen schwanden.

Auch die Streckenbeschaffenheit veränderte sich im Verlauf des Abends zum Nachteil des Gibbs-Teams. Laut Gayle wurde das Auto unhandlicher, je mehr Gummi auf den Asphalt gelegt wurde. „Wir hatten gegen Ende etwas zu viel Üntersteuern, als sich der Abrieb festsetzte“, so der Crew-Chief. Es sei für das Team schwieriger gewesen, sich unter diesen Bedingungen wieder nach vorne zu arbeiten, während es zum Start des Rennens das Setup noch perfekt getroffen hatte.

Trotz der Enttäuschung über den verpassten Sieg blickt das Team positiv auf die Punkteausbeute. Während ein zweiter Platz im alten Format schmerzhafter gewesen wäre, zählt in der aktuellen Meisterschaft jeder Zähler, und niemand sammelte in Martinsville mehr als Hamlin. Gayle bezeichnete das Ergebnis dennoch als „Schlag in die Magengrube“, betonte aber, dass Hamlin bei dieser Konstanz zwangsläufig irgendwann wieder in der Victory-Lane landen werde.

Selbstkritisch blickte die Mannschaft zudem auf die Restarts. Hamlin berichtete von Schwierigkeiten beim Beschleunigen, die möglicherweise auf eine spezifische Motoreneinstellung zurückzuführen waren. „Ich denke, das war eine Entscheidung bei den Motoren-Mappings, die Probleme verursacht und es schwieriger gemacht haben könnte“, gab Gayle offen zu. Hier hätte das Team sich selbst das Leben leichter machen können, um die Führung gegen die Konkurrenz von Hendrick Motorsports besser zu verteidigen.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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