Carson Hocevar in Darlington: Zwischen Retro-Kult und der Suche nach der eigenen Identität
Carson Hocevar fährt in Darlington eine Wrangler-Hommage an Dale Earnhardt Sr. – Der Cup-Youngster distanzierte sich dabei jedoch deutlich von den sportlichen Vergleichen mit dem legendären Intimidator
In den vergangenen Jahren war Darlington der Inbegriff von Nostalgie im NASCAR-Kalender. Befeuert wurde dieser Kult durch das Throwback-Weekend, an dem zahlreiche Teams historische Lackierungen neu aufleben ließen. Doch die Beteiligung der Teams nahm zuletzt immer mehr ab, weshalb es mittlerweile kein offizielles Rahmen-Event dieser Art mehr gibt. Dennoch lässt es sich Carson Hocevar nicht nehmen, in dieser Woche mit einem ganz besonderen Design auf der legendären „Lady in Black“ anzutreten.
„Ich wollte unbedingt ein Throwback-Design machen. Die Idee stand bereits fest, noch bevor der offizielle Fokus auf das Throwback-Weekend nachließ“, erklärt Hocevar in einem Interview mit Eric Estepp für Out of the Groove. „Bei so einem großen Unternehmen wird nichts in letzter Sekunde geplant, da alles vorab genehmigt werden muss.“
Die Wurzeln eines NASCAR-Nerds
Der Sponsor Chili’s hatte den Stein bereits im Vorjahr ins Rollen gebracht und Hocevar nach seinen Vorlieben gefragt. „Meine erste Eingebung war sofort die ‚Bud Eight‘, denn das ist mein absolutes Lieblingsdesign“, so der Spire-Pilot weiter.
Dass seine Begeisterung für die Familie Earnhardt tief verwurzelt ist, liegt in seiner Kindheit: „Ich habe mir jede DVD-Dokumentation angesehen – die ‚Back in the Day‘-Serie von Dale Jr. oder die Porträts über Dale Sr., Tony Stewart und Kasey Kahne. Als Kind habe ich kaum Cartoons geschaut, sondern stattdessen NASCAR-Dokus auf meinem kleinen Player verfolgt.“
Doch am Ende wurde es nicht das berühmte Design von Dale Earnhardt Jr., sondern die gelb-blaue Wrangler-Lackierung mit Hommage an dessen Vater Dale Earnhardt Sr. – eine Wahl, die für Gesprächsstoff sorgt. Hocevar wird aufgrund seiner aggressiven Fahrweise ohnehin oft mit dem „Intimidator” verglichen. Auch wenn er diese Vergleiche eigentlich scheut, befeuert er sie mit dieser Lackierung nun indirekt.

„Ich möchte einfach ich selbst sein“
„Ich mag diese Vergleiche nicht und die daraus entstehenden Erwartungen auch nicht, weil sie erstens unrealistisch sind“, stellt Hocevar klar. „Zweitens möchte ich einfach nur ich selbst sein. Jedenfalls versuche ich nicht, jemand anderes zu sein.“
„Ich wäre froh, wenn ich auch nur ein Prozent des Erfolgs hätte, den Dale hatte“, fügt der 23-Jährige hinzu. „Das betone ich in jedem Interview. Ich möchte einfach ich selbst sein, das ist viel einfacher. Ich liebe das Retro-Design und das ganze Drumherum, aber am Ende des Tages bin ich einfach ich.“

Der geschäftliche Spagat
Im Rahmen der Kampagne entstand sogar ein Foto, das ein ikonisches Porträt von Earnhardt Sr. nachstellt – nur eben mit Hocevar vor seinem Auto. Ein Schritt, der dem Piloten nicht ganz leicht fiel: „Ich will da ganz transparent sein: Ich war kein großer Fan davon, das Foto nachzustellen, weil es im Widerspruch zu dem steht, was ich sonst sage, um Ablenkungen zu vermeiden. Aber am Ende gehört das eben zum geschäftlichen Teil dazu.“
Trotz der optischen Nähe betont er seine Eigenständigkeit: „Nur weil ich ab und zu mal mit jemandem aneinandergerate und hier und da ein dunkles Auto fahre, sehe ich den Vergleich einfach nicht wirklich.“
Der Segen von Junior
Einen versöhnlichen Abschluss fand die Design-Debatte jedoch durch ein Gespräch mit Earnhardt Jr. persönlich. Hocevar, der ursprünglich dessen Design fahren wollte, erhielt quasi den Segen: „Was wirklich cool war: Dale Jr. liebte das Design und meinte, es sei eines seiner Lieblingsdesigns seines Vaters. Das gab mir ein gutes Gefühl, denn ich war als Kind sein größter Fan. Sein Segen für dieses Projekt ist eigentlich alles, was man sich wünschen kann.“
Mit einem Schmunzeln fügt Hocevar hinzu: „Ich musste irgendwie lachen. Ich dachte mir: Cool, ich darf zumindest so etwas wie ein ‚Junior-Design‘ fahren, weil er genau dieses Auto damals beim Busch-Rennen in Daytona pilotiert hat.“
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.