Defekter Schlagschrauber: Warum Mick Schumacher im Oval zurückfiel
Mick Schumacher sorgte mit Rang vier in der Qualifikation für das IndyCar-Rennen in Phoenix für eine kleine Sensation – Im Rennen warf ihn ein verpatzter Boxenstopp zurück
Aus der zweiten Startreihe ging Mick Schumacher in sein erstes Ovalrennen in der IndyCar-Saison 2026 für Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL Racing) auf dem Phoenix Raceway. Der Deutsche zeigte eine gute Pace und setzte sich am Rand der Top 10 fest, obwohl er über keine Ovalrennsport-Erfahrung verfügte. Dann fiel er jedoch wegen eines Problems bei einem Boxenstopp weit zurück.
„Das hat uns im Grunde eine Runde gekostet“, so Schumacher nach dem Rennen. Ein defekter Schlagschrauber verzögerte den Reifenwechsel an der Vorderachse, weshalb er aus der Führungsrunde fiel und damit keine Chance mehr hatte, anzugreifen. Zur Erinnerung: Anders als in der NASCAR gibt es in der IndyCar keinen „Lucky Dog“, der sich bei einer Gelbphase als bester überrundeter Fahrer zurückrunden darf.
Dennoch hat Mick das Rennen auf Platz 18 beendet und zusätzlich wichtige Erfahrung am Steuer seines Honda-angetriebenen Boliden gemacht. Ovalrennsport mit Rundenzeiten von rund 20 Sekunden? Das war für den 26-Jährigen eine völlig neue Welt im Rennsport.
„Ich war überrascht, wie hektisch es da draußen zugeht“, sagt er nach seinem Ovaldebüt in der Wüste von Arizona. „Die Autos kommen verdammt schnell an, und wenn einer kommt, ziehen die Jungs direkt mit durch.“ Doch nicht nur das Racing, sondern auch das Handwerk, vier Linkskurven zu meistern, hat dem Deutschen alles abverlangt.
Über das Reifenmanagement, das auf den Ovalen über Sieg und Niederlage entscheiden kann, sagt er: „Es war ein gutes Verständnis für die gesamte Situation. Man muss verstehen, in welche Richtung der Verschleiß geht. Zu einem gewissen Zeitpunkt waren die Vorderreifen schwächer, manchmal das Heck.“
Anders als auf den traditionellen Rennstrecken und Stadtkursen gibt es in der IndyCar auf den Ovalen nur eine Reifenmischung – also keine Primaries und Alternates. Außerdem gibt es kein Push-to-Pass, wenn nur Linkskurven gefahren werden, der Hybrid bleibt jedoch aktiv und kann bei Überholvorgängen massiv helfen.
Auf die Frage, ob ihm sein erstes Ovalrennen Freude bereitet habe, antwortet er: „Spaß bedeutet, vorne mitzufahren und überholen zu können. Das habe ich diesmal nicht so sehr gespürt, weil sich das Auto etwas unruhig anfühlte.“ Schumacher hat schon eine Woche nach Phoenix die nächste Chance, sich zu beweisen. Dann steht der neue Stadtkurs in Arlington auf dem Programm.
Schumacher hat nach seinem unverschuldeten Ausfall beim Auftakt in St. Petersburg und dem Boxenstopp-Drama in Phoenix die rote Laterne in der Gesamtwertung inne. Die Pace in Phoenix war jedoch vielversprechend und deutete darauf hin, dass er selbst in einer neuen Disziplin wie Ovalracing in die Top 15 fahren könnte. Daher ist klar: Sein wahres Potenzial hat Schumacher bisher noch nicht zeigen können.
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Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





