Der Überflieger der NASCAR-Saison 2026: Das ist Tyler Reddick
Tyler Reddick dominiert die NASCAR-Saison 2026 – Doch wo kommt das Talent von 23XI Racing eigentlich her?
Tyler Reddick ist der Shootingstar der NASCAR Cup Series 2026. Zusammen mit 23XI Racing gewann der Kalifornier vier der sechs Saisonrennen und steht damit unangefochten auf Platz eins der Gesamtwertung. Doch wo kommt der 1,65 Meter kleine Rennfahrer eigentlich her und was zeichnet ihn im Aufgebot des NASCAR-Oberhauses aus? Wir blicken auf eine Karriere mit vielen wichtigen Entscheidungen und einer Menge Ehrgeiz.
Geboren wurde Tyler Reddick am 11. Januar 1996 in Corning. Die Stadt in Kalifornien wird als sehr ländlich beschrieben, Ovalrennsport spielt in dieser Region keine große Rolle. Dennoch wurde Reddick früh vom Rennsportvirus infiziert, mit gerade einmal vier Jahren saß er bereits im Outlaw-Kart und machte die Dirt-Tracks unsicher. Um seine Karriere zu verfolgen, zog die Familie deshalb nach Du Quoin im Bundesstaat Illinois.
Auf losem Untergrund machte sich Reddick schnell einen Namen und gewann zahlreiche Rennen. Mit 15 Jahren krönte er sich in East Bay zum jüngsten Sieger in der Lucas Oil Late Model Series. Er wurde mit 16 Jahren zum jüngsten Polesetter beim Eldora Speedway World 100. Das Dirt-Track-Racing ist bis heute sein Fundament, um auch auf Asphaltstrecken zu glänzen.
Das Fundament: Dirt-Track-Racing
„Ich denke, als Dirt-Racer, der so aufgewachsen ist, musst du einfach immer darauf vorbereitet sein, dass die Dinge in eine Richtung laufen, die du nicht erwartest. Die Anpassungsfähigkeit eines Dirt-Racers kommt uns an vielen Orten zugute“, sagte er in der Pressekonferenz nach seinem Daytona-500-Sieg.
Reddick verbrachte in seiner Jugend also viel Zeit in Illinois, doch der NASCAR-Zirkus hat sein Epizentrum in Charlotte. Um sich dort zu etablieren, zog Reddick nach North Carolina, um „wirklich bei der Musik zu sein“ und mit den dort ansässigen Teams arbeiten zu können.

In der Bobby Bones Show sagte er: „Wenn du ein NASCAR-Stockcar-Fahrer sein willst, musst du dich im Raum Charlotte aufhalten. So gut wie alle großen Teams sind hier. Du musst an dem Ort sein, den all diese Leute im Sport ihr Zuhause nennen. Und so war es für mich genau das Gleiche.“
Wer ihn in diesen Tagen am meisten unterstützte und ihm half, war ein Freund namens Greg Stump. Reddick sagte: „Er hat Helme designt, vielleicht sogar schon seit mehr als 20 Jahren. Er und ich kennen uns noch aus meiner Zeit im Dirt-Racing. Wir parkten früher nebeneinander auf den Dirt-Tracks, und er arbeitete am Auto seines Freundes. Ich hatte ein paar Beziehungen, und Greg war derjenige, der mir half, in North Carolina Fuß zu fassen.“
Erste Schritte bei Schrader und Keselowski
Seine erste Chance, sich in den nationalen NASCAR-Serien zu beweisen, erhielt Reddick im Jahr 2013 bei Ken Schrader Racing beim Truck-Rennen in Rockingham. Zwar landete der Youngster damals nur auf Platz 30, dennoch bewies er sein Talent, das nicht unentdeckt blieb. Niemand anderes als Brad Keselowski nahm Reddick damals unter Vertrag, der sich in der NASCAR Truck Series sofort etablierte.
„Ich wusste, dass er viel Talent hatte und mit den richtigen Gelegenheiten weit kommen würde“, sagte Schrader, der in seiner Karriere vier Cup Series-Siege und 23 Poles verbuchte. „Man konnte es sehen. Es war offensichtlich.“

Seinen ersten Sieg holte Reddick damals in Daytona in der Saison 2015, es folgte ein weiterer erster Platz in Dover. Reddick beendete seine zweite Saison dank seiner Konstanz für Keselowski auf Rang zwei. Im dritten Jahr für den Rennstall gewann er das Truck-Rennen in Las Vegas und beendete die Saison auf Platz neun.
Den Durchbruch schaffte Reddick dann aber in der damaligen NASCAR Xfinity Series (heute O’Reilly Series) bei JR Motorsports. Nach einer Teilzeitsaison für Chip Ganassi Racing im Jahr 2017 nahm Dale Earnhardt Jr. den Kalifornier unter Vertrag und das sollte sich auszahlen: Reddick gewann in Daytona und das Finale in Homestead und krönte sich so zum Xfinity-Champion 2018.
Von RCR zu 23XI Racing
Ein Jahr später zog es ihn zu Richard Childress Racing (RCR) und es gelang Reddick, seine starke Form in der zweiten Liga zu bestätigen. Mit sechs Siegen schnappte er sich erneut den Titel und schaffte es erstmals in der Geschichte, mit zwei verschiedenen Teams zwei Xfinity-Titel in Folge zu holen.
2020 schaffte Reddick mit Childress dann den Sprung in die NASCAR Cup Series, in der er ebenfalls sofort zeigte, welches Talent in ihm schlummert. RCR gehört nicht zu den Topteams der Cup-Meisterschaft, dennoch fuhr Reddick in seinem ersten Jahr gleich dreimal in die Top 5. Seinen ersten Cup-Sieg feierte er 2022 auf Road America, gefolgt von weiteren ersten Plätzen in Indianapolis und Texas.

Das Jahr 2023 markierte eine wichtige Saison für Reddick, denn dieser verließ RCR, da Kyle Busch die Startnummer 8 übernahm, um bei 23XI Racing, dem Team von Denny Hamlin und NBA-Legende Michael Jordan, anzuheuern. Er gewann gleich zwei Rennen und beendete die Saison auf Rang sechs. 2024 schaffte er es sogar ins Meisterschaftsfinale, musste sich aber mit Platz vier in der Gesamtwertung zufriedengeben.
Gesundheitliche Komplikationen seines Sohnes
Die Saison 2025 wurde zu einer Zerreißprobe für Reddick, denn ein weiterer Sieg mit dem Toyota-Team blieb aus. Platz neun in der Gesamtwertung spiegelte nicht das wider, was sich Reddick von seiner dritten Saison bei 23XI Racing erhofft hatte. Zudem hatte der kleine Rennfahrer mit familiären Rückschlägen zu kämpfen.
Im Mai 2025 kam sein zweiter Sohn, Rookie George, zur Welt. Im September diagnostizierten Ärzte einen Tumor an der Niere, der die Arterien abklemmte und zu Herzversagen führte. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme stand der Motorsport nicht an erster Stelle.
„Mein Fokus lag überhaupt nicht auf dem Rennsport, aber ich hatte das Gefühl, dass wir trotzdem in der Lage waren, zu fahren und Leistung zu bringen“, so Reddick im Saisonrückblick von 23XI Racing damals. „In vielerlei Hinsicht ist es schwer zu sagen, wie es meine Leistung beeinflusst hat, weil Racing für lange Zeit das Letzte war, woran ich gedacht habe.“

Nach einer riskanten Operation, bei der eine Niere entfernt wurde, kämpfte sich der kleine Rookie zurück. Gute Nachrichten: Sowohl Reddick selbst als auch seine Frau Alexa verbreiteten die frohe Kunde, dass es dem Nachwuchs nach den Behandlungen und Operationen wieder besser geht. Dementsprechend konnte sich der Rennfahrer wieder auf seine Karriere in der NASCAR Cup Series konzentrieren.
Das Jahr 2026 markiert Reddicks endgültige Krönung. Er startete die Saison mit einem emotionalen Sieg beim Daytona 500. Doch er gab sich nicht zufrieden: Es folgten historische drei Siege in Folge zu Saisonbeginn in Daytona, Atlanta und auf dem COTA. Bis zum Frühjahr 2026 verbuchte er bereits vier Siege in den ersten sechs Rennen, darunter eine Machtdemonstration in Darlington, wo er trotz Problemen mit der Lichtmaschine und dem Kühlsystem dominierte.
Der Familienmensch
Reddick ist nicht nur ein schneller, talentierter und ehrgeiziger Rennfahrer, der in höchsten Tönen von Basketball-Legende Jordan gelobt wird, sondern auch ein Familienmensch. Zwei Kinder haben er und seine Ehefrau Alexa, die 2024 geheiratet haben. Beau wurde 2021 geboren, Rookie 2025. Interessant ist die Verbindung seiner Frau zum Profisport in den USA.
Gebürtig Alexa DeLeon, ist sie die Tochter des verstorbenen MLB-Pitchers Jose DeLeon. Dieser spielte einst bei den White Sox, zur selben Zeit, als Jordan nach seiner NBA-Karriere in der Organisation spielte, aber beim Farmteam Birmingham Barons. Jose DeLeon und Jordan kannten sich, es soll sogar ein Foto existieren, auf dem Jordan die kleine Alexa als Baby auf dem Arm hielt.
Die Unterstützung der Eltern
Reddick selbst hat eine enge Beziehung zu seinen Eltern, die in seiner Kindheit alles getan haben, um seine Rennkarriere zu unterstützen und zu fördern. Clarence Reddick, Tylers Vater, war nicht nur ein passiver Zuschauer an der Strecke; er war sein erster Mentor und Coach. Obwohl Tyler Reddicks familiärer Hintergrund fernab der Rennstrecke lag – sein Großvater, Benny Brown, gründete das Country-Musiklabel BBR Music Group – gaben seine Eltern Vollgas.

„Ich erinnere mich immer daran, dass mein Vater sagen musste: ‚Alles klar, du machst das gut, aber lass uns ein kleines bisschen zurückstecken.‘ Er musste mich nie bitten, schneller zu fahren, und ich war in fast allem, was ich tat, so“, so Reddick gegenüber The Athletic. „Es war immer wie: ‚Alles klar, das ist wirklich, wirklich aggressiv. Nimm es nur ein kleines bisschen zurück und du wirst ein wenig schneller sein.‘“ Seine Mutter Geri Reddick hielt sich zwar im Hintergrund, nahm aber auch jede Veränderung in Kauf, um ihren Sohn zu unterstützen.
Reddick ist mit vier Saisonsiegen aus sechs Rennen das Maß aller Dinge in der NASCAR Cup Series 2026. Er hat sich über die Dirt-Tracks an die Spitze des Sports gearbeitet und musste bereits schwierige persönliche Situationen überstehen, die seinen Charakter sicher geprägt haben. Wohin wird die Reise für den Kalifornier noch gehen? Hat er das Zeug, NASCAR-Champion zu werden?
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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