Earnhardt Jr. ist sich sicher: Ohne NASCAR gäbe es ein Streckensterben

Earnhardt Jr. ist sich sicher: Ohne NASCAR gäbe es ein Streckensterben
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Im Rechtsstreit zwischen zwei Teams und NASCAR wurde auch das Monopol der Serie thematisiert, einen Großteil der Strecken zu besitzen – Dale Earnhardt Jr. glaubt jedoch, dass ohne NASCARs Engagement viele Ovalen verschwinden würden

„Niemand baut heute mehr Rennstrecken“, sagt Dale Earnhardt Jr. in seinem Podcast Dale Junior Download, in dem er zusammen mit seiner Schwester Kelley Earnhardt-Miller über den mittlerweile beigelegten Rechtsstreit zwischen NASCAR und 23XI Racing sowie Front Row Motorsports diskutierte. „Eine Rennstrecke zu bauen, ist finanziell kein Erfolg.“

Das Thema ist wichtig, da die beiden Teams NASCAR vorgeworfen hatten, ihr Monopol im Stockcar-Sport auszunutzen. Seit dem Merger von NASCAR und der International Speedway Corporation (ISC) im Jahr 2019 gehören dem Unternehmen viele der Ovale direkt: 

  • Daytona International Speedway (Florida)
  • Talladega Superspeedway (Alabama)
  • Martinsville Speedway (Virginia)
  • Darlington Raceway (South Carolina)
  • Chicagoland Speedway (Illinois)
  • Phoenix Raceway (Arizona)
  • Homestead-Miami Speedway (Florida)
  • Kansas Speedway (Kansas)
  • Richmond Raceway (Virginia)
  • Michigan International Speedway (Michigan)
  • Watkins Glen International (New York)
  • Iowa Speedway (Iowa)

Doch es ist kein reines Monopol, da es mit der Speedway Motorsports (SMI) einen zweiten großen Player gibt. Gegründet von Bruton Smith, wird das Unternehmen heute von Marcus Smith geleitet. Die SMI und NASCAR pflegen eine enge Partnerschaft, weshalb viele Rennen auf den Kursen des Unternehmens ausgetragen werden. Dazu gehören: 

  • Atlanta Motor Speedway (Georgia)
  • Bristol Motor Speedway (Tennessee)
  • Charlotte Motor Speedway (North Carolina)
  • Las Vegas Motor Speedway (Nevada)
  • Texas Motor Speedway (Texas)
  • Sonoma Raceway (Kalifornien)
  • New Hampshire Motor Speedway (New Hampshire)
  • Nashville Superspeedway (Tennessee)
  • Dover Motor Speedway (Delaware)
  • North Wilkesboro Speedway (North Carolina)

Warum NASCAR die Strecken besitzt

Weitere wichtige Strecken wie der Indianapolis Motor Speedway (Roger Penske), Pocono Raceway (The Mattioli Family), World Wide Technology Raceway (Curtis Francois) oder der Circuit of the Americas (LLC) weisen völlig andere Besitzerstrukturen auf, doch auch diese Strecken sind aufgrund ihres Status und der zahlreichen anderen Events auf den Kursen eine sichere Bank im NASCAR-Kalender. 

Doch was wäre, wenn diese Strecken nicht NASCAR gehören würden oder nicht so eng mit der Organisation verbunden wären? Earnhardt Jr. malt ein düsteres Szenario: „Eine Strecke zu betreiben, ist heutzutage kein lukratives Geschäft. Niemand reißt sich darum, da rauszugehen und irgendeine Art von Rennstrecke zu bauen, egal ob groß oder klein.“

Foto: NASCAR Media / Streeter Lecka/Getty Images

Earnhardt-Miller fügt hinzu: „Wir haben das mal versucht. Das haben wir. Wir haben versucht, eine Strecke in Alabama zu bauen.“ Junior ergänzt: „Wir waren da unten für Meetings und so weiter. Es ist verrückt. Aber niemand ist im Geschäft, um Rennstrecken zu besitzen. Niemand wird auf den Stufen stehen und darauf warten, dass diese Strecken an den Meistbietenden gehen. Niemand.“ 

„Und wenn NASCAR und Marcus [Smith / SMI] diese Strecken nicht besitzen, wer dann?“ Earnhardt-Miller sagt: „Wer dann? Sie werden zu Bauprojekten.“ Earnhardt Jr. pflichtet seiner Schwester bei: „Ja. Sie werden in Amazon-Zentren verwandelt.“ Das sieht auch seine Schwester so: „Ja. Es werden keine Rennstrecken mehr sein.“

Die dunkle Zukunft

Deshalb malt Earnhardt Jr. eine Dystopie für den NASCAR-Sport: „Und was passieren würde, ist: In zehn Jahren würden wir auf einem Haufen Straßenkursen und Rundkursen fahren. Deshalb muss jeder bei diesem Thema vorsichtig sein. So einzigartig es auch ist: Wir brauchen NASCAR, damit sie die Rennen auf den Strecken veranstalten, die sie besitzen, richtig? Denn es ist wirklich ein verlorenes oder sterbendes Geschäftsmodell.“

Auch Earnhardt-Miller hält NASCAR für den wichtigsten Player, um Ovale in den USA zu erhalten: „Zu deinem Punkt – um mal des Teufels Advokat zu spielen: Wenn es ein schlechtes Geschäftsmodell ist. Ich vergleiche das ein bisschen mit der Landwirtschaft. Jeder sagt, das ist kaum nachhaltig, außer man hat einen riesigen Betrieb. Die Leute sind verärgert, weil Ackerland verschwindet.“ 

„Jedes Mal, wenn wir uns umsehen, stehen da Hochhäuser, Eigentumswohnungen und Apartments“, sagt sie. „Das ist dasselbe, was du sagst: Das Land ist wertvoll. Es ist wertvoller als das Geschäftsmodell darauf. Ich höre es ungern, dass es ein ’schlechtes Geschäftsmodell‘ ist, aber so wie die Welt sich entwickelt, gibt es einfach wertvollere Dinge. Denk an das Geld, das Leute für Rechenzentren und all diese Dinge bieten, die anstelle einer Rennstrecke dort stehen könnten.“

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Junior sagt: „Das stimmt. Es ist wirklich eine wirtschaftliche Sache. Schau dir an, was mit Fontana passiert ist. Fontana, Chicagoland oder der Nashville Superspeedway – diese Strecke hat es gerade so zurück in den Kalender geschafft, aber wenn du dorthin gehst: Alles drumherum sind diese Logistikzentren.“

„Ja, sie haben Teile des Landes verkauft, weil das Land als etwas anderes einfach wertvoller ist“, so Earnhardt-Miller, während Junior hinzufügt: „Genau. Und wenn NASCAR – oder irgendwer – aus welchem Grund auch immer anfangen müsste, Rennstrecken eine nach der anderen zu verkaufen, dann werden sie verschwinden. Wir werden diese großen Ovale und Short-Tracks nicht mehr haben.“ 

„Wir würden auf eigens gebauten Stadtkursen fahren und all diesen anderen albernen Kram machen. Der Sport würde seine Identität ändern und sich unglaublich weit von dem entfernen, was wir kennen.

Der Fall Fontana

Der Auto Club Speedway in Fontana (Kalifornien) sollte ein Mahnmal sein. NASCAR hat die Strecke nach der Saison 2023 geschlossen und einen Großteil des Baugrunds an Investoren verkauft. Nur ein kleiner Teil blieb im Besitz von NASCAR. Große Teile des Ovals sind bereits abgerissen, nur die Start-Ziel-Gerade samt Tribüne ist noch da.

NASCAR verkaufte rund 175 Hektar Land und erhielt dafür sage und schreibe 559 Millionen US-Dollar (rund 480 Millionen Euro). Eigentlich sollte die Strecke nicht ganz verschwinden, denn NASCAR wollte aus dem Zwei-Meilen-Oval eigentlich einen Short-Track bauen, denn das Unternehmen hat immerhin rund 36 Hektar Land behalten, um einen Kurs wie in Bristol oder Martinsville zu bauen. Doch in Wahrheit passiert aktuell gar nichts. 

Credits: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Die wirtschaftliche Lage in den USA ist schwierig: Inflation und Bauvorschriften in Kalifornien machen ein solches Neubauunterfangen sehr teuer. NASCAR ist nie offiziell vom Plan abgewichen, eines Tages ein neues Oval in Fontana zu bauen, doch viele Fans glauben mittlerweile nicht mehr daran, dass das auch passieren wird. 

Ovale in den USA müssen schließen

Wie schwierig es ist, in den USA eine kleine Rennstrecke zu betreiben, zeigt das Grassroot-Racing: Kleine Ovale für Late-Model-, Legends-Cars- und Modified-Rennen mussten seit 2023 ihre Türen schließen. Dazu gehören sowohl Asphaltstrecken als auch Dirt-Tracks. 

Zu den Strecken gehören der Rockford Speedway, der Devil’s Bowl Speedway, der I-80 Speedway, der New River All American Speedway und der Irwindale Speedway. Das ist nur eine kleine Auswahl an Strecken, die in den vergangenen Jahren aus der Short-Track-Landschaft verschwunden sind. 

23XI Racing und Front Row Motorsports haben sich außergerichtlich mit NASCAR geeinigt, weshalb die Monopol-Stellung des Verbandes in Besitz der France-Familie nicht mehr vor Gericht verhandelt werden wird. Doch was wäre passiert, hätte ein Urteil die Besitzstrukturen der NASCAR-Ovale verändert? Laut den Earnhardts nichts Gutes.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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