Endstation 2027: Denny Hamlin wird klar über Ende seiner NASCAR-Karriere
In Darlington sprach Denny Hamlin offen über sein geplantes Karriereende im Jahr 2027 – Der Gibbs-Pilot will einen leistungsstarken Abschied ohne große Tournee
„James Dennis ‚Denny‘ Hamlin Jr. (* 18. November 1980 in Tampa, Florida) ist ein US-amerikanischer NASCAR-Rennfahrer.“ So nüchtern beginnt der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über einen der erfolgreichsten Piloten der Gegenwart. Mittlerweile ist Hamlin 45 Jahre alt und damit der dienstälteste aktive Fahrer im Cup-Series-Feld. In Darlington sprach der Gibbs-Pilot nun erstmals deutlich über das nahende Ende seiner Karriere.
„Ich gehe weiterhin davon aus, dass Ende 2027 Schluss ist. Ich möchte mein letztes Jahr oder mein letztes halbes Jahr nicht mit dem Gefühl verbringen, es kaum abwarten zu können, endlich aufzuhören. Wenn ich meine Karriere mit einer Bilanz beenden könnte, wie wir sie aktuell zum Saisonbeginn erleben, dann wäre das für mich ein erfolgreiches letztes Jahr.“
Dabei überlässt Hamlin nichts dem Zufall: „Ich habe [Teambesitzer Joe] Gibbs früh genug Bescheid gegeben, damit sie bereits an den Plänen für die Zeit danach arbeiten können. Solange alles nach Plan läuft, bleibt es beim Abschied Ende 2027. Eine große Abschiedstournee brauche ich nicht, darauf kann ich verzichten.“

Trotz seines Alters ist Hamlin sportlich noch immer voll auf Kurs. 2026 sammelte er in Las Vegas bereits seinen ersten Saisonsieg. Mit diesem 61. Erfolg ist er nun alleiniger Zehnter der ewigen Bestenliste und zog an Kevin Harvick vorbei.
Nur Meisterschaft und Indianapolis fehlen
Eine Sache fehlt Hamlin jedoch noch zur endgültigen Krönung: der Meistertitel. Trotz seiner beeindruckenden Bilanz klafft in seiner Vitrine eine Lücke, wo eigentlich der Bill France Cup und eine ziegelsteinförmige Trophäe vom Sieg beim legendären Rennen auf dem Brickyard in Indianapolis stehen sollten. Mit allem anderen ist der 45-Jährige aus Virginia bereits im Reinen.
„Die Frage ist jetzt nur noch: Können wir uns am Ende des Jahres den großen Preis holen? Das ist das einzige Ziel, das mir noch bleibt – abgesehen vom Brickyard-Rennen, das für mich persönlich immer noch eine enorme Bedeutung hat.“

Seine eigenen Anforderungen schraubt er dabei kontinuierlich in die Höhe: „Ich denke, ich stehe an dem Punkt, an dem ich sein sollte, aber man weiß ja nie. Jeder Sieg summiert sich. Früher waren 50 Siege einmal das große Ziel; man verschiebt die Messlatte einfach immer so weit nach oben, wie man kann.“
Bis zum endgültigen Karriereende rechnet der Veteran damit, die Marke von 67 Siegen zu erreichen. In einer Pressekonferenz erklärte er, wie er auf diese Zahl kommt: „Das sind einfach Durchschnittswerte über die Jahre hinweg. Wenn man den Schnitt der letzten zehn Jahre nimmt, sind das etwa dreieinhalb Siege pro Jahr. Das bringt mich dann ziemlich genau auf diese Zahl.“
Angriff auf Kyle Busch
Mit 67 Erfolgen würde Hamlin seinen ehemaligen Teamkollegen Kyle Busch überholen, der aktuell bei 63 Siegen steht, und sich direkt unter NASCAR-Legende Dale Earnhardt Sr. einreiht. Zwei weitere Siege fehlen Hamlin noch in dieser Saison, um am zweimaligen Cup-Champion vorbeizuziehen. Dennoch wiegt er sich auf dem daraus resultierenden neunten Platz der ewigen Bestenliste nicht in Sicherheit:
„Angesichts der Zeit, die Kyle [Busch] noch vor sich hat, wird er vermutlich noch mehr Jahre fahren als ich. Er kann wahrscheinlich noch eine ganze Weile gewinnen, wenn ich schon längst weg bin. Ich denke, ich stehe jetzt dort, wo ich sein sollte und vermutlich auch bleiben werde – aber man weiß ja nie.“
Busch selbst ist mittlerweile 40 Jahre alt und steckt in einem tiefen Formtief. Der Pilot aus Las Vegas hielt bis 2023 die beeindruckende Statistik von 19 Saisons in Folge mit mindestens einem Sieg. Seit diesem Einbruch gelang es dem jetzigen Fahrer von Richard Childress Racing jedoch nicht mehr, in die Victory Lane zurückzukehren.
Hamlin hingegen war in den vergangenen Jahren Stammgast im Kampf um den Titel. Erst 2025 in Phoenix entglitt ihm die Meisterschaft nur knapp, als sich Kyle Larson nach einer späten Gelbphase durchsetzte.

Nun gilt es, in dieser Saison erneut anzugreifen – auch wenn der wohlverdiente Ruhestand und die tiefergehenden Verpflichtungen als Mitbesitzer von 23XI Racing bereits am Horizont warten. Solange sein Körper mitspielt, ist Hamlin felsenfest entschlossen, an der Spitze mitzumischen.
„Das setzt voraus, dass ich im Jahr 2027 nicht plötzlich aufwache und feststellen muss, dass meine Fähigkeiten nachlassen. Genau deshalb ist es weiterhin ein Ziel – es ist keine reine Träumerei, aber es wird immer noch eine Menge harter Arbeit erfordern.“
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






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