„Frauenthema kümmert mich nicht“: Junge Pilotin begeistert Earnhardt Jr. und Tony Stewart

„Frauenthema kümmert mich nicht“: Junge Pilotin begeistert Earnhardt Jr. und Tony Stewart
Foto: Adam Glanzman/NASCAR

Jade Avedisian ist eine der vielversprechendsten Nachwuchsfahrerinnen von Toyota für die NASCAR – Im Exklusivinterview mit Leadlap.de spricht sie über ihre einzigartige Art, mit Hass umzugehen und was ihre Ziele abseits der Rennstrecke sind

Es gibt nur wenige Frauen im Motorsport. Während viele von ihnen in der F1 Academy oder anderen europäischen Rennserien unterwegs sind, sorgen in den Vereinigten Staaten gelegentlich auch Rennfahrerinnen für Aufsehen. In den obersten Ligen gibt es nur wenige aktive und erfolgreiche Frauen. Dale Earnhardt Jr. und Tony Stewart sehen in Jade Avedisian eines der nächsten großen Talente, das dies ändern könnte.

Avedisian ist eine 19-jährige Nachwuchsfahrerin für Toyota und stammt aus Clovis, Kalifornien. Die junge Pilotin mit den braunen Haaren und einem Muttermal auf der rechten Wange hat bereits den ein oder anderen Konkurrenten im Staub stehen lassen und visiert fest an, eines Tages in der NASCAR Cup Series zu fahren.

Auf dem Weg in die oberste Liga hat sie bereits mehrere Stationen gemeistert, hat aber auch noch einen weiten Weg vor sich, bis sie am Sonntag vor vollen Tribünen gegen die weltbesten Stock-Car-Fahrer antreten kann. Begonnen hat ihre Reise auf einem großen Betonparkplatz mit einem Quarter-Midget.

Als ihr Vater ihr den ersten „Überrollkäfig mit Rasenmähermotor“ kaufte, stieß er jedoch zunächst auf taube Ohren. Die damals Vierjährige war noch nicht überzeugt. Erst zwei Jahre später sprang der Funke endgültig über und entfachte ihre Begeisterung für den Motorsport.

Von da an arbeitete sich die Kalifornierin über die Dirt-Szene nach oben. Dabei schrieb sie Geschichte, indem sie 2023 als erste Frau die Xtreme Outlaw Midget Series gewann. Nun steht sie als Fahrerin im Toyota-Nachwuchsprogramm vor einer Teilzeit-Saison mit Nitro Motorsports – einem der Top-Teams der ARCA Series, die als wichtiges Sprungbrett für die NASCAR Truck Series gilt.

Eines, was sie dabei gar nicht interessiert, ist, dass sie als Frau im Feld wahrgenommen wird. Gegenüber Leadlap.de stellt sie klar: „Das ganze ‚Frauenthema‘ kümmert mich ehrlich gesagt nicht wirklich. Ich will einfach nur gewinnen. Mein Fokus liegt darauf, abseits der Rennstrecke ein gutes Vorbild zu sein – alles andere ist zweitrangig.“

Trotz dieses rennfahrerischen Charakterzuges bleibt Kritik nicht aus. Doch statt sich von negativen Kommentaren im Internet bremsen zu lassen, nutzt die Kalifornierin sie als Treibstoff.

„Ehrlich gesagt, liebe ich den Hass“, erzählt sie lachend. „Es wird immer jemanden geben, der negative Kommentare schreibt. Aber das motiviert mich nur, besser zu werden. Es treibt mich an, es allen zu beweisen und sie zu widerlegen. Meistens lache ich einfach darüber.“

Ihren Kritikern hat sie mit dem Vertrag bei einem Top-Team bereits die erste Antwort auf der Strecke gegeben. Trotz der großen Namen, die sie unterstützen, bleibt Avedisian realistisch, was ihre Zukunft angeht. Sie kennt die simple Formel des Motorsports.

„Natürlich ist es mein Ziel, sonntags in der Cup Series zu fahren. Aber ich weiß auch: Wenn ich gewinne – egal ob im Late Model oder im ARCA-Auto – komme ich schneller dort an. Ich stresse mich nicht mit einem genauen Zeitplan. Ich konzentriere mich darauf, gut zu sein und zu siegen. Das beschleunigt den Prozess von ganz allein.“

Mit dieser Einstellung will Avedisian nun in die nächste Saison starten und hofft, auf der Strecke alles zusammenzubekommen, um für Nitro Motorsports gute Leistungen abzuliefern und den eigenen Drang zum Gewinnen zu stillen.

Hier geht es zum Interview in voller Länge.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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