Hohe Temperaturen in Phoenix: Wenn die Kühlausrüstung zur Hitzefalle wird

Hohe Temperaturen in Phoenix: Wenn die Kühlausrüstung zur Hitzefalle wird
Foto: NASCAR Media / Meg Oliphant/Getty Images

William Byron erklärt vor dem NASCAR-Rennen in Phoenix die Kühlausrüstung – Die Kleidung könnte bei einem technischen Defekt zur gefährlichen Hitzefalle werden

Beim kommenden NASCAR-Rennen in Phoenix, Arizona, kämpfen die Fahrer nicht nur gegen ihre Konkurrenten, sondern auch gegen ein gnadenloses Klima. Während für die Wüste Arizonas Außentemperaturen von rund 32 °C vorhergesagt sind, klettert das Thermometer in den Cockpits der Next-Gen-Autos auf ein Niveau, das an die Grenzen der physischen Belastbarkeit führt: 50 bis 60 °C.

Um die Fahrer vor dem Hitzekollaps zu schützen, setzt das Feld auf hochmoderne Kühltechnologien. Neben speziellen Belüftungssystemen, die frische Luft direkt in den Helm leiten, ist vor allem ein System zum Standard geworden: das „Cool-Shirt“. Diese etablierte Unterwäsche ist mit Kühlspiralen durchzogen, durch die permanent eine kalte Flüssigkeit gepumpt wird. Doch genau hier verbirgt sich ein gefährliches Potenzial.

Fällt das System aus, wird das rettende Shirt zur Gefahr. „Früher hatten wir einfache Gebläse im Auto, die uns Luft in den Rücken gepustet haben“, erinnert sich William Byron. „Heute diskutieren wir über Alternativen, denn das Shirt ist zwar effektiv, aber wenn es versagt, ist es, als würde man einen Wintermantel tragen.“

Wie real diese Gefahr ist, zeigte ein Zwischenfall am COTA: AJ Allmendinger brach nach dem Rennen zusammen, weil seine Kühlung versagt hatte. Er musste im Medical Center der Strecke untersucht werden. Das Problem ist die massive Isolierung der Shirts. 

Byron schildert die körperliche Belastung: „Ich trug das Shirt einmal bei einem Test in Martinsville und hatte das System den ganzen Tag fast nie eingeschaltet. Ich fühlte mich regelrecht krank, weil das Material die Körperwärme staut. Ohne aktive Kühlung bewirkt es genau das Gegenteil von dem, was es soll.“

Auch für Nachwuchsfahrer Connor Zilisch ist das Thema eine Gratwanderung zwischen Performance und Sicherheit: „Ich sage meinem Team immer wieder, dass ich lieber auf ein oder zwei Punkte Abtrieb verzichte, um sicherzugehen, dass ich nicht überhitze. Wenn das bedeutet, mehr Luft zur Kühlung abzuzweigen, dann ist das eben so.“ 

Auch für Veteranen wie Brad Keselowski ist die Technik ein zweischneidiges Schwert. „Kühlanzüge sind eine schwierige Angelegenheit, weil sie in unserer extremen Umgebung nicht auf Ausfallsicherheit ausgelegt sind“, erklärt er. „Ein Defekt ist für den Fahrer eine verheerende Erfahrung.“ 

Als Teambesitzer von RFK Racing lässt er seinen Fahrern jedoch die Wahl: „Wir lassen den Teams die Autonomie. Wenn ein Fahrer ein Kühl-Shirt tragen möchte, unterstützen wir das technisch so gut wie möglich, um Ausfälle zu verhindern.“

Trotz der Risiken gibt es derzeit keine „kugelsichere“ Alternative. „Es wird an Lösungen gearbeitet, die dem gesamten Feld helfen sollen, aber bisher ist nichts wirklich fehlerfrei“, so Keselowski weiter. 

Letztlich bleibt die Zuverlässigkeit der Kühlung eine Frage der Vorbereitung. Byron sieht hier klar die Rennställe in der Pflicht: „Ich denke, das liegt in der Verantwortung der Teams. NASCAR kann nur begrenzt eingreifen – sie hat versucht, uns mehr Belüftung zu ermöglichen, aber am Ende müssen die Teams sicherstellen, dass die Systeme auch unter diesen Extrembedingungen standhalten.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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