Logano und Elliott siegen, eine Disqualifikation: Die wilden Entscheidungen der Daytona-Duels
Joey Logano und Chase Elliott sicherten sich souverän die Siege in den beiden Duels – Casey Mears und BJ McLeod erkämpften sich ihre Startplätze für das Daytona 500 nach einem dramatischen Crash in der letzten Runde und einer nachträglichen technischen Disqualifikation
Für die 36 Charter-Teams sind die Duels lediglich ein Abend, um sich auf das „Daytona 500“ einzuschießen, die Startaufstellung auszufahren und Punkte im Wert einer Stage zu holen. Für die Open-Teams – dieses Jahr neun an der Zahl – deren Startplatz im „Great American Race“ noch nicht sicher war, ging es im Flutlicht von Florida 2026 zum ersten Mal um alles.
Die erste Startreihe, bestehend aus Kyle Busch und Chase Briscoe, wurde bereits über das Einzelzeitfahren ermittelt. Auch der NASCAR-Truck-Series-Meister von 2025, Corey Heim, sowie JR-Motorsports-Pilot Justin Allgaier sicherten sich im Qualifying vorzeitig zwei der vier freien Startplätze für das Sonntagsrennen.
In den beiden Duellen waren somit noch zwei offene Tickets zu vergeben, mit der Ausnahme von Jimmie Johnson. Der siebenmalige Meister hatte seinen Startplatz dank der „Open Exemption Provisional“ für prominente Fahrer bereits sicher und komplettiert das Feld als 41. Pilot.
Duell 1: Drama um LaJoie, Mears profitiert
Im ersten Duell demonstrierte RFK Racing lange Zeit seine Vormacht und dominierte das Geschehen über die ersten 40 Runden nach Belieben. Es waren stets die drei Vollzeit-Fords der Mannschaft rund um Brad Keselowski und Jack Roush an der Spitze, die dem eigenen Open-Fahrer Corey LaJoie Begleitschutz gaben.
Eine Gelbphase während der Spritstopps, ausgelöst durch Casey Mears, schob das Feld noch einmal zusammen. Der NASCAR-Veteran schien sein Ticket für das Daytona 500 zu diesem Zeitpunkt durch einen Verbremser bereits verspielt zu haben.
Doch eine weitere Caution, verursacht durch einen Unfall von Bubba Wallace, drehte das Rennen komplett auf den Kopf. In der daraus resultierenden Verlängerung kam alles anders, als geplant: Auf der Innenbahn stauchte sich das Feld in der letzten Runde zusammen, wodurch LaJoie in die Mauer gedreht wurde und das Rennen vorzeitig beenden musste.
Dieser Moment der Enttäuschung bedeutete das Aus für LaJoie, der sichtlich niedergeschlagen aus dem medizinischen Zentrum der Strecke kam: „145,5 Meilen lang sah es gut aus. Ich dachte, wir hätten das Rennen so gut kontrolliert, wie man es nur kontrollieren kann“, ließ er den entscheidenten Moment Revue passieren.
„Dann wurde die untere Linie langsamer. Ich bekam einen Schub, genau als ich die Nummer 6 [Keselowski] vor mir hatte, und es drehte mich einfach nach rechts weg. Die Jungs haben unglaublich hart an diesem Auto gearbeitet. Ich freue mich ehrlich für Casey Mears und Carl Long – es ist cool, dass sie es geschafft haben – aber ich bin am Boden zerstört. Dafür arbeitet man, und ich habe danach keine weitere Chance mehr.“
Während für LaJoie der Traum platzte, profitierte ausgerechnet Mears vom Chaos. Dieser zog am drehenden Ford von LaJoie vorbei, krachte zwar „kontrolliert“ in das Heck von Daniel Suarez, brachte das Auto aber ins Ziel.
„Ich kann allen gar nicht genug danken, dass wir überhaupt hier sind“, so Mears. „Wir hatten Probleme in der Boxengasse, aber ich bekam außen einen Lauf. Ich entschied mich, einfach auf dem Gas zu bleiben, egal was passiert. Als ich sah, wie sie sich drehten und ich den ersten Wagen [LaJoie] verfehlte, dachte ich nur: ‚Okay, gut.‘“
„Und dann traf ich die Nummer 7“, schilderte er die entscheidenden Sekunden. „Ich habe ihn voll erwischt. Da ich wusste, dass ich ihn flach getroffen hatte, das Auto nicht zu stark beschädigt war und ich es ins Ziel retten konnte, fuhr ich weiter. Aber ich wusste immer noch nicht, wer vor mir war oder ob wir es geschafft hatten – bis alle am Funk völlig ausrasteten.“
Damit sicherte er sich das Ticket für das Daytona 500. Joey Logano gewann derweil das erste Duel und beanspruchte die ersten Punkte der Saison 2026.
Duel 2: Elliott fährt souverän ins Ziel

Die Reihenfolge auf der zweiten Bahn wurde deutlich ruhiger bestimmt. Nach klassischem Superspeedway-Racing und einer heißen Phase in der Mitte des Rennens, geprägt von mehreren Three-Wide-Situationen, sicherte sich Chase Elliott souverän den Sieg und einen Platz in der zweiten Startreihe sowie zehn Meisterschaftspunkte.
„Das hat für einen Donnerstagabend definitiv den Puls hochgetrieben“, sagte Elliott nach dem Rennen. „Seit wir nach dem Boxenstopp-Zyklus wieder auf die Strecke kamen, war ordentlich was los. Mann, wir haben echt Druck gemacht. Es hat riesigen Spaß gemacht.“
Er fügte hinzu: „Ich hatte da draußen großartige Unterstützung. Carson hat einen tollen Job gemacht, mir zu helfen, die Spuren zu kontrollieren und das ‚Team Chevy‘ heute Abend in die Victory Lane zu bringen. Ihm gebührt definitiv Dank dafür, dass er drangeblieben ist und mich so gut angeschoben hat. Es passiert schnell, dass die Leute außer Kontrolle geraten, also weiß ich das zu schätzen.“
„Es ist schön, dem NAPA-Chevy einen Sieg zu holen. Zwar nicht das 500 – ich war schon mal in dieser Position und habe das andere dann nicht gewonnen, also muss man es Tag für Tag nehmen – aber es ist ein großartiger Start in die Speedweek für unser Team. Ich bin wirklich stolz auf den Einsatz von allen bei Hendrick Motorsports; der Wille zu gewinnen ist beim Boss und jedem einzelnen hier verdammt hoch. Ich freue mich auf Sonntag.“
Anthony Alfredo war auf der Strecke zwar der schnellste der drei verbliebenen Open-Kandidaten, wurde jedoch nach der technischen Inspektion disqualifiziert. Dadurch erbte BJ McLeod das letzte Ticket. Brad Moran, Geschäftsführer der NASCAR Cup Series, erklärte die harte Entscheidung.
„Während der Inspektion bemerkten wir diesen Schlauch – einen Getriebekühlschlauch –, der auf der rechten Seite vom Fenster abgeht. Er sollte eigentlich in den Getriebekühler führen und muss luftdicht befestigt sein“, so Moran. „Wir haben viele Regeln, die besagen, dass keine Teile vom Auto abfallen dürfen, aus offensichtlichen Gründen.“
„Wir unterstellen keine Absicht, aber diese Teile müssen ordnungsgemäß befestigt sein, und leider war dieses eine Teil auf der rechten Seite nicht korrekt montiert. Zudem war ein weiterer Schlauch für die Fahrerkühlung getrennt, was den Luftstrom beeinflusst. Auf einem Superspeedway wissen wir alle um die Wichtigkeit solcher Details. Es ist unglücklich.“
Damit steht das Feld für das Great American Race fest. Der Startschuss zum 68. Daytona 500 fällt am Sonntag, den 15. Februar 2026. Die Übertragung auf Sportdigital 1+ beginnt um 19:30 Uhr MEZ, der Rennstart erfolgt voraussichtlich gegen 20:30 Uhr.
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






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