NASCAR in Darlington: Tyler Reddick bezwingt die „Lady in Black“ trotz Technik-Drama
Tyler Reddick gewann das NASCAR-Rennen auf dem Darlington Raceway – Dabei stürmte er nach Technikproblemen an die Spitze zurück und sicherte sich Saisonsieg vier
Tyler Reddick hat am Sonntag auf dem legendären Darlington Raceway ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt und das NASCAR-Cup-Rennen gewonnen. Der Pilot von 23XI Racing setzte sich in einem ereignisreichen Rennen gegen Brad Keselowski durch, obwohl er über die gesamte Distanz mit massiven technischen Problemen an seinem Toyota Camry mit der Startnummer 45 zu kämpfen hatte.
Mit seinem vierten Sieg im sechsten Saisonlauf festigt Reddick seine Ausnahmestellung in der Saison 2026 und wandelt auf den Spuren absoluter Legenden des Sports.
Dieser vierte Triumph katapultiert den 30-Jährigen aus Corning, Kalifornien, in einen exklusiven Club, dem zuvor nur Dale Earnhardt (1987) und Bill Elliott (1992) angehörten. Nur diese drei schaffte es, vier der ersten sechs Saisonrennen zu gewinnen.
Es war ein hartes Stück Arbeit auf dem Kurs, der nicht umsonst als „Too Tough to Tame“ bekannt ist. Schon in der ersten Runde streikte die Lichtmaschine an Reddicks Boliden, was das Team zu drastischen Maßnahmen zwang.
Um Strom zu sparen und die Batterie zu schonen, musste Reddick auf sämtliche elektrischen Verbraucher verzichten. Das bedeutete auch den Verzicht auf das Kühlsystem seines Rennanzugs bei den warmen Temperaturen in den Sandhills von South Carolina.
Ein Batteriewechsel warf ihn zudem ans Ende des Feldes zurück, während ein verpatzter Boxenstopp mit Problemen am rechten Vorderreifen weitere Zeit kostete.
Als wäre das nicht genug, kollidierte Reddick in der Schlussphase auch noch mit Chris Buescher, der sehr spät den Weg in die Boxengasse einschlug. Trotz eines Rückstands von sieben Sekunden auf den Führenden Brad Keselowski gab Reddick nicht auf und blies zur Attacke. In Runde 266 übernahm er schließlich die Führung und fuhr einen souveränen Vorsprung von über fünf Sekunden heraus.
23XI-Mitbesitzer Michael Jordan zeigte sich nach dem Rennen sichtlich beeindruckt von der mentalen Stärke seines Schützlings. „Ich bin mir sicher, dass es für ihn frustrierend war, weil er ein unglaubliches Auto hatte“, erklärte die Basketball-Legende. „In Darlington weiß man nie, was passiert, aber der Schlüssel zum Sieg war, dass er einen kühlen Kopf bewahrt hat.“
Jordan lobte zudem die Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Crew-Chief Billy Scott, die Reddick in der hektischen Phase beruhigten. „Wir wussten, dass wir ein schnelles Auto haben, sowohl auf Longruns als auch auf kurzen Sprints“, so Jordan weiter. „Er hat die Ruhe bewahrt und einen unglaublichen Job gemacht.“
Reddick selbst empfand die Strapazen fast schon als passend für seinen ersten Sieg auf der traditionsreichen Strecke. „Ich weiß, dass man niemals aufgeben darf“, sagte der Kalifornier nach seinem zwölften Karrieresieg. „Es ist sehr passend, dass uns die Lady in Black bei unserem ersten Sieg hier so prüft, nachdem wir schon so oft nah dran waren.“
Der Verzicht auf die Kühlung hinterließ jedoch Spuren beim Sieger, der sichtlich erschöpft aus seinem Toyota kletterte. „Den ganzen Tag über liefen keine Lüfter, ich habe mir den Hintern abgeschwitzt“, scherzte Reddick. „Es war sehr physisch und ich bin wirklich erschöpft, aber anscheinend brauche ich gar nicht so viel von diesem Kühlzeug wie sonst.“
Brad Keselowski, der das Rennen über 142 Runden anführte, musste sich am Ende mit dem zweiten Platz begnügen. Sein RFK-Ford trug ein spezielles Design zu Ehren des im Dezember verstorbenen Greg Biffle.
„Wir hatten heute nicht das beste Auto, zumindest nicht im Vergleich zu Tyler“, gab Keselowski unumwunden zu. „Tyler ist ein verdammt starkes Rennen gefahren, er sitzt in einer Rakete und nutzt das momentan gnadenlos aus.“
Trotz der Niederlage zeigte sich Keselowski zufrieden mit der Performance seines Teams und den gesammelten Stage-Punkten. Er erwähnte mit einem Schmunzeln den typischen „Darlington Stripe“ an der Mauer seines Wagens. „Ich glaube, das hätte Greg stolz gemacht. Wer ihn kannte, wird wissen, was ich meine“, fügte er mit Blick auf den verstorbenen Biffle hinzu. RFK Racing war stark unterwegs, zu einem Zeitpunkt führten alle drei Fords des Teams sogar das Rennen an.
Hinter dem Spitzenduo sicherte sich Ryan Blaney den dritten Rang, obwohl er zwischenzeitlich eine Strafe für das Festziehen seines Rads in der Box von Austin Cindric kassierte. Eine starke Aufholjagd zeigte auch Carson Hocevar, der nach einer unzulässigen Reparatur vor dem Start von ganz hinten bis auf Platz vier vorfuhr. Die Top 5 komplettierte Cindric vor Ty Gibbs und Daniel Suarez.
Für den NASCAR-Tross geht es nun weiter nach Martinsville, wo am 29. März das nächste Short-Track-Spektakel auf dem Programm steht. Reddick reist nach seiner Machtdemonstration in Darlington zweifellos als der Gejagte zum „Paperclip“.
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





