„Null Einsicht“: Ross Chastain rechnet mit Ex-Teamkollegen Daniel Suarez ab
Ross Chastain übt scharfe Kritik an der fehlenden Eigenverantwortung seines Kontrahenten – Das zerrüttete Verhältnis reicht in die Vergangenheit zurück
Ross Chastain und Daniel Suarez werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr – und das ist für den „Watermelon-Man“ auch völlig in Ordnung. Nach ihrem jüngsten handgreiflichen Aufeinandertreffen in der Boxengasse herrscht zwischen den ehemaligen Trackhouse-Teamkollegen Eiszeit, da beide Seiten auch Tage später keinen Millimeter von ihren Standpunkten abweichen.
Während Chastain seinem Ex-Partner eine chronische Allergie gegen Eigenverantwortung attestiert, brüstet sich Suarez damit, seinem Kontrahenten aus rein professionellem Kalkül nicht „den Hintern versohlt“ zu haben.
Chastain gab sich nach dem Vorfall zwar reumütig bezüglich seiner physischen Entgleisung, blieb in der Sache aber unnachgiebig.
„In diesem Moment war ich definitiv aufgepeitscht und wütend und würde Dinge anders machen, wenn ich Zeit zum Nachdenken gehabt hätte“, gab der Chevrolet-Pilot am Rande eines Medientermins zu Protokoll. Er räumte unumwunden ein, dass er rückblickend nicht in Suarez’ Auto geknallt wäre und auch auf den heftigen Schubser verzichtet hätte.
Dennoch platzte ihm der Kragen, weil er die ewig gleichen Argumente seines Gegenübers schlichtweg satt hatte. „Ich war mit dem Gespräch, das er führen wollte, einfach fertig, wollte, dass er geht, bat ihn zu gehen und wollte, dass er zurückweicht“, erklärte Chastain die Situation. Suarez sei ihm körperlich zu nahe gekommen, während er gleichzeitig keinerlei Einsicht für die vorangegangene Action auf der Strecke zeigte.
Im Kern der Streitigkeit steht für Chastain ein tiefgreifendes, charakterliches Problem mit seinem Kontrahenten, das weit über einen einzelnen Vorfall hinausgeht. „Was mir in der Boxengasse auffiel, ist, dass es dort nie irgendeine Rechenschaftspflicht gibt“, feuerte Chastain eine verbale Breitseite ab. Es gäbe auf Suarez‘ Seite eine „Null-Prozent-Quote“ beim Eingestehen von Fehlern – für den Mann mit der Nummer 1 ein rotes Tuch.
Suarez hingegen zeichnet ein völlig anderes Bild der Situation und rühmt sich seiner Beherrschung unter Druck.

„Ich war eigentlich sehr stolz auf mich, wie ich mit der Situation umgegangen bin, denn der Daniel von vor drei Jahren hätte ihm wahrscheinlich den Hintern versohlt“, tönte Suarez bei SiriusXM NASCAR Radio. Er nannte saftige Geldstrafen und den Ruf der Sponsoren als Gründe für seine Zurückhaltung, garniert mit der giftigen Spitze, dass ein echter Kampf gegen Chastain „keine fünf Sekunden dauern würde“.
Die Chemie zwischen den beiden scheint seit Jahren irreparabel beschädigt zu sein, was Chastain auch ganz offen anspricht.
„Das geht weiter zurück als bis zu diesem Wochenende“, verriet er über das zerrüttete Verhältnis, das bereits während ihrer gemeinsamen Zeit als Teamkollegen erste tiefe Risse bekam. Er finde es legitim, im harten NASCAR-Business nicht mit jedem gut auszukommen, da blinde Harmonie auf diesem Level oft fehl am Platz sei.
Chastain versuchte schließlich, die Wogen per Textnachricht zu glätten. „Es gibt immer einen Grund, warum es niemals sein Fehler ist“, lautete Chastains abschließendes Urteil über die festgefahrene Situation. Fun-Fact: Chastain sagte während der zu Suarez sogar: „Hau ab, du wurdest gefeuert.“ So spielte er auf das Aus des Mexikaners bei Trackhouse hin.
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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