Ram vergibt NASCAR-Cockpit via Reality-Show: Ist das der richtige Weg?

Ram vergibt NASCAR-Cockpit via Reality-Show: Ist das der richtige Weg?
Grafik: Kaulig Racing / RAM

RAM hat mit Race for the Seat ein Vollzeit-Cockpit für die NASCAR-Truck-Saison 2026 in einer Reality-TV-Show vergeben – Ist das der moderne Ansatz, den es braucht?

Liebe NASCAR-Fans,

tagelang klebte ich förmlich am TV-Bildschirm, denn ich wollte unbedingt wissen, wer sich das Cockpit von Kaulig Racing für die NASCAR Craftsman Truck Series 2026 ergattert. RAM hat diesen Platz in seiner Reality-Show Race for the Seat vergeben und einen Wettbewerb aufgebaut, der Unterhaltungswert und Fairness bot, aber auch die Vielseitigkeit des Rennsports zeigte. Ist solch ein Projekt ein guter Weg, neue Fans zu generieren? Ich mache es kurz und sage: Ja! Warum? Das erkläre ich euch jetzt.

Erst einmal zum Konzept der Show: 15 Fahrer werden in ein Haus gesperrt, die Zuschauer sind auf Schritt und Tritt dabei. Die Piloten grillen zusammen, unterhalten sich, zoffen sich. Ähnlich wie bei Germany’s Next Top Model geht es dabei also darum, die Charaktere vorzustellen das Zwischenmenschliche einzufangen, aber auch durch den Wettbewerb Drama zu generieren. Doch der Fokus lag glücklicherweise auf den Challenges, die die Fahrer bestehen mussten, und nicht auf Streitereien. 

Und hier kommt für mich der große Pluspunkt, denn diese Herausforderungen wirken authentisch, echt, nah an der Realität. Die 15 Fahrer wurden in drei Gruppen aufgeteilt: R, A, M – RAM eben. Mit Siegen und Niederlagen konnten die Piloten innerhalb dieser 5er-Gruppen auf- und absteigen. Punkte gab es in jeder Gruppe aber gleich viele. Zudem mussten die Sieger am Ende der Challenges in einem Finale um 5.000 US-Dollar Cash kämpfen. Doch wie mussten die Fahrer ihr Können unter Beweis stellen?

Foto: NASCAR Media

Hier hat RAM in meinen Augen einen tiefen Einblick in das wahre Motorsportgeschäft gewährt, denn es geht nicht nur darum, schnell zu sein. Klar, das Herzstück der Challenges waren Rennen – in Legends Cars, Late-Models, aber auch Go-Karts. Die Fahrer mussten auf den Short-Track-Ovalen zeigen, was sie drauf haben, jedoch auch Rundkurs-Rennen bestreiten. Dafür besuchte RAM den Virginia International Raceway, aber auch den South Boston Speedway und weitere kleine Ovale.

Doch nur schnell zu sein, reicht im Rennsport einfach nicht. Um ein Cockpit langfristig zu sichern, braucht es mehr. Die Fahrer mussten unter massivem Zeitdruck Werbespots für RAM einspielen und Pressekonferenzen, die mit bekannten Journalisten der US-Medien besetzt waren, über sich ergehen lassen. Wer kein Geld hereinholt oder seine Rolle als Botschafter nicht wahrnimmt sowie nicht mit den Medien umgehen kann, wird es im Motorsport-Zirkus schwer haben.

Zwei weitere Komponenten wurden getestet: Können die Fahrer im Simulator den Grundstein für ein erfolgreiches Rennwochenende legen und den Ingenieuren das nötige Feedback geben? Dafür saßen sie in einer gigantischen Maschine, die sie in die virtuelle Welt brachte. Zudem wurde ihre physische Verfassung getestet, denn auch Sport spielt eine wichtige Rolle. Ein Fahrer, der nicht fit ist, kann keine Top-Leistungen erzielen.

Über acht Folgen durften die Fans hautnah dabei sein, wie 15 Fahrer, darunter ARCA- und Modified-Größen wie Tanner Reif und Austin Beers, all ihre Fähigkeiten zeigten, um das heiß ersehnte Cockpit zu gewinnen. Jeder Fahrer wurde den Fans auch vorgestellt: Woher kommen sie, was ist ihre Motorsportgeschichte? Was treiben sie abseits vom Rennzirkus?

Foto: NASCAR Media

Wichtig: Die Kandidaten waren alles andere als Amateure! Und das ist auch gut so! Jeder dieser Piloten hat in seiner Karriere schon gezeigt, was er drauf hat – egal ob auf Rundkursen, kurzen Ovalen oder sogar im NASCAR-Universum. Am Ende konnte aber nur einer gewinnen und der Sieger wurde so objektiv wie möglich über die Punkte gefunden.

Matt Kaulig und sein Team sowie die RAM-Vertreter schauten auf die Punkte, die die Fahrer in den Rennen und Challenges erzielt hatten. Es gab keine Wildcards, keine Sympathien, keine künstlichen Elemente. Es wirkte, wie ich bereits gesagt habe, alles sehr authentisch! Mini Tyrell hat es am Ende geschafft, die Show zu gewinnen. Er wird 2026 für Kaulig die komplette Truck-Saison bestreiten.

21 Jahre jung ist der Kerl aus Manassas, Virginia. Er wurde 2004 geboren und gab 2018 sein Debüt in der CARS Tour, einer der renommiertesten Late-Model-Serien in den USA. In Daytona wird er außerdem versuchen, sich für sein erstes ARCA-Rennen zu qualifizieren. Gleichzeitig wird er aber auch dank seines Sieges vor den TV-Kameras in der Truck-Series starten.

Mini heißt eigentlich Timothy Tyrell und hat in den Challenges überzeugt. Hat er die Show dominiert? Nein! Dennoch war er konstant und hat sowohl auf, als auch abseits der Strecke gezeigt, dass er das Zeug hat, auf der großen NASCAR-Bühne durchzustarten. Obwohl er vor der Sendung vielleicht nicht der bekannteste Rennfahrer war, sammelte er schon als Teenager mit seiner Charity-Organisation Mini’s Mission Geld für Familien in Not.

Dieses Gesamtpaket hat ihn zu einem nationalen NASCAR-Fahrer gemacht und wenn er sich bei Kaulig gut schlägt, könnte es für den Youngster weit hinauf gehen. Immerhin ist Kaulig auch in der O’Reilly Serie und Cup Series vertreten. Der Stellantis-Konzern hinter RAM erwägt, ab 2027 sogar in der Cup Series zu starten – auch, wenn das ein sehr ehrgeiziges Ziel ist.

Tyrell hat es geschafft. Dank einer Reality-TV-Show. Und das finde ich gut! Die Formel 1 hat dank Drive to Survive viele neue Fans gewonnen. Motorsport wurde so wieder salonfähig. Sponsoren und Investoren sehen neue Möglichkeiten, im Rennsport aktiv zu werden. Das ist genau das, was der Sport braucht. Jedoch finde ich, dass NASCAR selbst, aber auch eine Marke wie RAM im Vergleich zu Drive to Survive eines noch besser macht.

Foto: NASCAR Media

Es geht immer um Authentizität. NASCAR ist ein Sport, getrieben von den Persönlichkeiten der Fahrer. Selbst ein Fan, der die Königsklasse nur sporadisch verfolgt, merkt bei Drive to Survive, dass die Sendung hier und da die Realität mächtig verbogen hat, um eine dramatische Geschichte zu erzählen. Das läuft bei NASCAR anders.

Full Speed auf Netflix kommt ohne diese Spannungsbögen aus, ohne jedoch an Spannung zu verlieren. Auch RAMs Race for the Seat überzeugte mit seiner Authentizität. Für mich ist das genau der richtige Weg, um in dieser Medienlandschaft mitzuspielen und gleichzeitig neues Interesse für NASCAR zu generieren, in, aber auch außerhalb der USA.

Mir hat die Sendung sehr gut gefallen und ich freue mich darauf, Tyrell in der NASCAR Craftsman Truck Series zu sehen. Schauen könnt ihr RAM: Race for the Seat auf YouTube. Die Show besteht aus acht Folgen mit einer Länge von jeweils rund 45 Minuten. Von mir gibt es dafür ganz klar einen Daumen nach oben!

Euer

André Wiegold

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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