Veteranen-Gipfel in St. Petersburg: Franchitti und Braun stürmen die Truck Series

Veteranen-Gipfel in St. Petersburg: Franchitti und Braun stürmen die Truck Series
Foto: Penske Entertainment: Chris Jones

Dario Franchitti und Colin Braun kehren in St. Petersburg in die NASCAR Truck Series zurück – Die Routiniers fordern auf dem Stadtkurs den NASCAR-Nachwuchs heraus

Beim mit Spannung erwarteten Debüt der NASCAR Truck Series auf dem Stadtkurs von St. Petersburg weht ein Hauch von Nostalgie durch das Fahrerlager. Neben James Hinchcliffe kehren zwei echte Schwergewichte des Motorsports in die dritte Stockcar-Liga zurück: Der viermalige IndyCar-Champion Dario Franchitti und der Langstrecken-Profi Colin Braun.

Besonders die Personalie Dario Franchitti sorgt für Aufsehen. Mit 52 Jahren ist der Schotte der erfolgreichste Pilot auf der gesamten Nennliste: Vier Titel in der IndyCar-Serie und drei Siege beim legendären Indy 500. Auch in St. Petersburg stand er bereits ganz oben auf dem Treppchen, als er hier 2011 ein IndyCar-Rennen für sich entschied.

In der Truck Series ist Franchitti hingegen ein seltener Gast; sein einziger Start fand 2007 in Martinsville statt. Für seinen Einsatz in der Startnummer 1 von TRICON Garage hat er sich zudem prominente Unterstützung gesichert: Niemand Geringeres als der siebenmalige NASCAR-Champion Jimmie Johnson fungiert als sein Crew-Chief.

„Wenn man einen Champion wie Jimmie an seiner Seite hat, der einem diese Tipps gibt, wünschte ich mir, er wäre schon 2008 in diesem Job dabei gewesen“, scherzt Franchitti mit Blick auf seine frühen NASCAR-Versuche. „Es hätte damals definitiv geholfen.“

Auch Colin Braun kehrt nach anderthalb Jahrzehnten zu seinen Wurzeln zurück. Im wöchentlich wechselnden RAM will der 24h-von-Daytona-Sieger beweisen, dass er das Handwerk im Truck nicht verlernt hat. Braun galt einst als das aufstrebende NASCAR-Wunderkind bei Roush, bevor er eine beeindruckende Karriere im Langstreckensport einschlug, die ihn unter anderem zum Klassensieg in Le Mans und drei IMSA-Titeln führte.

Rückkehr nach anderthalb Jahrzehnten

„Es ist fünfzehn Jahre her, seit ich das letzte Mal in einem Truck saß. Ich dachte erst, das kann unmöglich wahr sein – aber anscheinend ist es so“, stellt Braun kopfschüttelnd fest. Der Altersunterschied zum restlichen Feld ist auch Franchitti nicht entgangen. Im Gespräch mit Scott Dixon witzelte er: „Wenn man nachrechnet, sind da vermutlich Kids dabei, die jung genug wären, um meine Enkel zu sein.“

Trotz der lockeren Sprüche herrscht Respekt vor der Aufgabe. Der enge Betonkanal von St. Petersburg verzeiht keine Fehler. Während Franchitti auf seine enorme Streckenerfahrung setzt – „Ich kenne den Asphalt und die Details hier sehr genau“ – warnt Braun vor der Aggressivität in der Serie.

„Die größte Herausforderung wird es sein, sauber zu bleiben und sich aus Ärger herauszuhalten“, so der dreimalige IMSA-Champion. „Das ist eines dieser unberechenbaren Rennen. Fehler rächen sich sofort und beenden deinen Tag. Man muss zusehen, dass man den Truck bis zum Ende in einem Stück lässt.“

Franchitti hingegen spricht über den Unterschied zu seinen aktiven Zeiten bei Ganassi: „Heute Morgen fühlte es sich anders an als bei meinem Job bei Ganassi, wo ich den Jungs nur sagen muss, was sie falsch machen. Jetzt muss ich es selbst richtig machen.“

Ob die Routine der Altmeister gegen den jugendlichen Übermut der regulären Starter triumphiert, wird sich zeigen. Eines ist jedoch sicher: Mit Franchitti und Braun kehrt eine Menge Klasse zurück auf die Nascar-Bühne.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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