Wahnsinns-Restart in Austin bringt Shane van Gisbergen den Sieg

Wahnsinns-Restart in Austin bringt Shane van Gisbergen den Sieg
Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Shane van Gisbergen triumphierte am Circuit of the Americas im Rennen der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series – Der Neuseeländer stürmte beim finalen Restart von Rang sechs an die Spitze des Feldes

Shane van Gisbergen kann einen weiteren Rundkurs auf seiner NASCAR-Liste abhaken. Der 36-jährige Neuseeländer sicherte sich auf dem Circuit of the Americas (COTA) den Sieg im Rennen der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series. Damit schraubt der viermalige Supercars-Champion seine Statistik auf insgesamt elf Rundstrecken-Siege hoch, verteilt auf die beiden Top-Ligen der NASCAR.

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In den entscheidenden Schlusssprint startete der Fahrer der Startnummer 9 von Rang sechs aus, nachdem eine durch den liegengebliebenen Sage Karam ausgelöste Gelbphase das Feld noch einmal zusammengeschoben hatte. SVG fächerte beim Restart aus der dritten Reihe mutig aus. Das Feld schoss schließlich zu viert nebeneinander in die erste Kurve, wobei van Gisbergen auf der Innenbahn die Führung übernahm.

„Ich war mir anfangs etwas unsicher, da ich von Platz sechs auf der Außenbahn startete“, gab van Gisbergen später zu Protokoll. „Ich schaffte es aber nach innen, was gut war, und setzte mich neben die #41 [Sam Mayer]. Er reagierte, und als er das tat, dachte ich mir: Den bremst er niemals rechtzeitig an. Er drückte alle weit nach außen, was für uns perfekt funktionierte und den Weg frei machte.“

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Hill respektiert SVG-Sieg

Nach diesem brachialen Restart konnte van Gisbergen seinen Verfolger Austin Hill auf Distanz halten und überquerte die Ziellinie mit einem Vorsprung von 0,780 Sekunden. Währenddessen herrschte im hinteren Feld zwar noch Chaos, das jedoch nicht mehr zu einer weiteren Gelbphase führte.

„Ich war hier schon immer schnell, aber für den Sieg hat es nie gereicht“, freute sich van Gisbergen. „Ich bin total begeistert, dass es endlich geklappt hat – ein nahezu fehlerfreier Tag.“

Auch der Zweitplatzierte Austin Hill, der die Punktetabelle nach drei Rennen weiterhin anführt, zeigte sich als fairer Zweiter: „Ich habe heute viele Fehler gemacht, aber das passiert auf diesen Rundkursen nun mal. In Segment 2 hatte ich zu kämpfen und musste erst herausfinden, was ich benötige, um schneller zu sein.“

„Beim letzten Restart habe ich mich gut nach links orientiert. Als sie in die Kurve schossen, wusste ich, dass es sie nach oben wegtragen würde. So konnte ich mich auf Platz zwei einreihen und SVG jagen. Er ist in den ersten drei Runden des Stints einfach so verdammt gut und kann sich sofort absetzen. Da hatte ich Probleme mit dem Einlenkverhalten an der Vorderachse. Hut ab vor den Jungs – heute hat uns schlicht ein Besserer geschlagen.“

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Zilisch in Problemen

Weniger nach Plan verlief der Nachmittag für Connor Zilisch. Der 19-Jährige, der von Startplatz zwei ins Rennen ging, galt als die größte Gefahr für den Neuseeländer und führte nach van Gisbergen die zweitmeisten Runden an. Eine defekte Bremsscheibe hinten links warf ihn jedoch frühzeitig zurück.

Zwar kämpfte sich das junge Rundstrecken-Talent nach diesem Rückschlag zurück, doch am Ende reichte es nur für Platz 21. In der Endphase des Rennens drehte sich Zilisch nach einer Kollision mit Corey Day aus den Top 5 heraus. Bereits am Funk machte Zilisch seinem Ärger über Day klar, nach dem Rennen wurde er noch deutlicher:

„Es ist einfach unglücklich, einen Tag so zu beenden, wenn man sich wieder in die Top 5 vorgearbeitet hat und einem alles so weggenommen wird. Wenn er reden will, kann er zu mir kommen, aber ich werde ihn nicht suchen, um ihm zu sagen, dass er ein Idiot ist – ich glaube, das weiß er selbst. Er ist einfach noch sehr unerfahren im Asphalt-Rennsport.“

„Er wurde ins kalte Wasser geworfen, das ist viel auf einmal, das verstehe ich. Aber wenn du auf diesem hohen Niveau fährst, musst du sauberer agieren und dann darf so etwas irgendwann nicht mehr vorkommen. Er wird das lernen, er ist talentiert, aber er hat jetzt mehrere Wochen in Folge Dinge getan, über die sich die Leute zu Recht aufregen.“

Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Day schilderte den Vorfall aus seiner Sicht: „Die Bodenplatte hatte sich gelöst oder am Splitter vorne stimmte etwas nicht. Ich war in der Kurve ohnehin schon extrem untersteuernd unterwegs. Er war außen und ich wollte ihm Platz lassen, also bin ich voll über die Kerbs rauscht.“

„Das hat das Auto noch unruhiger gemacht. Sobald er in die Nähe meines Luftstroms kam, habe ich jeglichen Grip an der Vorderachse verloren. Und dann bin ich eben in ihn reingefahren. Das wollte ich absolut nicht; eigentlich wäre ich ihm gerne ein paar Runden gefolgt, um vielleicht etwas von ihm zu lernen.“

Im Gegensatz zu Zilisch verlief der Tag für den Neueinsteiger Brent Crews deutlich reibungsloser. Das junge Nachwuchstalent aus der ARCA Series erzielte bei seinem Debüt in der O’Reilly direkt ein Top-10-Ergebnis und zeigte sich sichtlich zufrieden.

„Ich habe das Gefühl, heute war ein reiner Lerntag. Es war mein erster Start und mein Hauptziel war es, das Rennen zu beenden und das Auto heil nach Hause zu bringen. Das haben wir geschafft. Dennoch gibt es Dinge, die ich hätte besser machen können“, erklärte Crews gegenüber Frontstretch.

Nach dem packenden Schlagabtausch im sonnigen Texas zieht die O’Reilly nun weiter: Vom COTA geht es direkt in die Wüstensonne von Phoenix, wo das nächste Rennen auf die Nachwuchsfahrer wartet.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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