Zane Smith nach Daytona-Erfolg: Atlanta ist ein „ganz anderes Kaliber“

Zane Smith nach Daytona-Erfolg: Atlanta ist ein „ganz anderes Kaliber“
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Zane Smith reiste dank seines sechsten Platzes und eines Stage-Sieges als Vierter aus Daytona ab – In Atlanta erwartet er eine völlig andere Dynamik – Doch warum?

„Das ist ein ganz anderes Kaliber“, sagt Zane Smith über den EchoPark Speedway in Atlanta, den die NASCAR Cup Series als zweites Saisonrennen ansteuern wird. Der Front-Row-Pilot reiste auf Platz vier der Gesamtwertung aus Florida ab, nachdem er beim legendären Daytona 500 seinen ersten Cup-Stage-Sieg geholt und das Rennen auf Platz sechs beendet hatte. Jetzt will der Ford-Fahrer auf diesem Erfolg aufbauen.

„Die Runs werden zehnmal so groß sein, wir müssen etwas daraus machen“, erklärt Smith den Unterschied zwischen Daytona und Atlanta. Zur Erklärung: Daytona ist ein typischer 2,5-Meilen-Superspeedway, auf dem Windschattenschlachten mit Hilfe der Team- und Markenkollegen zum Standard gehören. Atlanta wurde für die Saison 2022 umgebaut und bietet trotz der Länge von nur 1,5 Meilen „Superspeedway-Racing light“, sodass die Fahrer es deutlich mehr in der Hand haben, wo sie landen.

Was Atlanta von Daytona unterscheidet

„Wir können zwar Teamwork zeigen, vor allem in den Stages, aber es wird ziemlich knifflig“, so der Front-Row-Pilot weiter. „Und manchmal wollen wir nicht zu viel machen, sonst bringen wir uns selbst, unsere Teamkollegen und alle anderen Fords in eine schlechte Situation, nur weil wir versuchen, es für alle perfekt zu machen. Ich denke, es gibt definitiv ein paar gute Teamwork-Strategien für die Stages zu besprechen, um hoffentlich Stage-Punkte unter uns zu sammeln.“

Doch zum Ende eines Meisterschaftslaufes, gerade in Atlanta, schauen die Fahrer alle nur auf sich selbst: „Aber am Ende des Rennens in Atlanta ist es wegen der vielen Runs, die wir bekommen, einfach immer verrückt – es gibt ständig Quertreiber, und wir müssen etwas mit unseren Runs anfangen, sonst werden wir überholt. Ich weiß also nicht, wie wir das über ein ganzes Rennen kontrollieren können, ohne zu verunfallen oder in eine schlechte Lage zu geraten. Vielleicht werde ich eines Besseren belehrt, aber bis dahin werde ich definitiv etwas aus meinen Runs machen.“

2026 markiert Smiths dritte Vollzeitsaison auf Cup-Ebene, seine zweite mit Front Row Motorsports. Bisher hat der 26-Jährige noch kein Rennen gewonnen; der sechste Platz in Daytona war sein zehntes Top-10-Ergebnis. Darauf will der Kalifornier aufbauen, um in der Saison 2026 mit Front Row die Chance zu bekommen, erstmals in die Victory-Lane abzubiegen. Mit neun Siegen in der Truck-Serie und einem Titel weiß er definitiv, was es braucht.

So erlebte Smith das Daytona-Finale

„Für mich fühlte es sich so an, als wären wir den ganzen Tag und das ganze Rennen über in einer großartigen Position gewesen und fanden uns dann schließlich hinter der Startnummer 9 wieder, nachdem sich dieser Crash da unten in den Kurven 1 und 2 ereignet hatte“, fasst Smith sein Daytona 500 zusammen. „Und ich habe das Gefühl, dass die NASCAR einen guten Job macht, uns bis zur Ziellinie fahren zu lassen, wenn es sicher ist.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Ich erinnere mich nur, wie ich kurz in den Rückspiegel geschaut habe und einfach viel Abstand zwischen den Autos sah. Ich dachte ehrlich gesagt, es wäre eine Gruppe von etwa fünf Autos, die sich abgesetzt hatte und irgendwie unorganisiert war. Ich war zuerst hauptsächlich auf die 9 konzentriert und dann haben wir, glaube ich, versucht, an der 45 vorbeizukommen.“

„Mein Ziel war es dann einfach, uns beide abzusetzen. Von meinem Sitz aus sah es so aus, als wäre alles ziemlich unorganisiert. Mein Plan war also, ihn anzuschieben, um ihn in eine Position zu bringen, in der er keinen Schwung mehr hat und quasi wie eine ‚Sitting-Duck‘ dasteht. Dann hoffte ich auf einen Momentum-Umschwung zu meinen Gunsten und wollte mich irgendwie zurückfallen lassen, um Hilfe für die Gegengerade zu bekommen. Und darauf war er offensichtlich sehr gut vorbereitet.“

Die letzen Meter bis ins Ziel

„Zu dem Zeitpunkt habe ich dann nur gehofft. Ich weiß gar nicht mehr, welche Fords noch übrig waren, ich glaube die 22 und die 6, und gehofft, dass sie mich vielleicht pushen. Aber sie kamen mit einer Menge Schwung an. Und dann geht einem so ein Block gegen die 45 durch den Kopf, aber er kam viel schneller an. Und dann dachte ich mir, schiebe ich die 9 weiter an? Von meinem Sitz aus war es wirklich schwer, dranzubleiben, als ich in den Kurven 3 und 4 ankam.“

Smith hatte mit Untersteuern zu kämpfen, weshalb eine größere Lücke entstand. Platz eins war damit nicht mehr möglich, aber immerhin Rang sechs. „Glücklicherweise bin ich nicht so gepolt, jemanden einfach über die Ziellinie zu schieben und nicht selbst auf den Sieg beim Daytona 500 zu gehen. Also ja, wenn ich gewusst hätte, dass die 45 und die 35 so eng zusammenhingen, weiß ich nicht – ich hätte wohl versucht, die 9 weiter zu schieben oder so nah wie möglich auf der Geraden dranzubleiben, in der Hoffnung, dass die beiden wirklich eng zusammen sind und ein oder zwei schlechte Blocks geworfen werden, sodass ich vielleicht nach unten hätte ziehen können.“

„Ich war aber den ganzen Tag über sehr stolz auf mein Team. Es war wirklich cool, einen Stage-Sieg zu holen und am Ende mit einem tollen Ergebnis und vielen Punkten nach Hause zu fahren. Einfach ein großartiges Auto und ja, vieles, auf das man stolz sein kann. Das macht mich umso hungriger auf die vielen Superspeedways in diesem Jahr und offensichtlich auch auf das Rennen am kommenden Wochenende. Aber ja, ich werde nächstes Jahr sehr hungrig auf das Daytona 500 sein. Hoffentlich können wir diesen Schwung über das Jahr mitnehmen und vielleicht ein oder zwei Siege einfahren.“

Ein guter Starts ins Jahr 2026

Smith hat mächtig Selbstvertrauen aufgebaut und will das positive Ergebnis jetzt in Schwung umwandeln, um in Atlanta erneut anzugreifen. „Es ist wirklich wichtig, einen guten Start zu erwischen, besonders mit diesem neuen Punktesystem. Ich habe 41 Punkte geholt, was ein großartiger Tag für uns war. Unsere Saison beginnt zwar mit einem Superspeedway und etwas, das einem Superspeedway ähnelt, aber worauf ich hinauswill, ist, dass in diesen beiden Rennen viel schiefgehen kann, je nachdem, wie man startet.“

„Und danach kommt ein Rundkurs. Ein starker Start ist also enorm wichtig, um diese wertvollen Punkte zu sammeln und das hoffentlich auf die eher normalen Rennstrecken mitzunehmen, die jetzt anstehen, wie Phoenix und Las Vegas. Wenn man dort das positive Momentum mitnimmt, hilft das sehr. Und ja, das dann über das Jahr beizubehalten – es ist noch ein weiter Weg, aber ich habe definitiv das Gefühl, dass das ein Vertrauensschub für das ganze Team und die Qualität des Teams ist.“

Schafft Smith mit Front Row Motorsports in seinem zweiten Jahr den Durchbruch? Immerhin konnten sich das Team und der Fahrer in der Cup-Series 2025 gut einschießen. Für den Rennstall war Smith im Vorjahr aber kein Unbekannter, immerhin hat der 26-Jährige mit Front Row bereits sechs Siege auf Truck-Ebene errungen. Außerdem bestritt er mit dem Rennstall bereits im Jahr 2023 Cup-Rennen, ehe er für ein Jahr zu Spire Motorsports wechselte.

Wenn die Chemie stimmt

„Das Offensichtlichste für mich ist einfach die Chemie, die wir über ein Jahr lang aufbauen konnten“, erklärt er. „Ich habe darüber viel an unseren Medientagen gesprochen – es ist mein zweites Jahr mit diesem Team, und das ist in unserer Branche, in unserem Sport, eine sehr wertvolle Sache. Seit der Truck-Serie hatte ich das nicht mehr wirklich.“

„Und wenn wir uns die Jungs ansehen, die sonntags jede Woche Erfolg haben – wenn wir uns deren gesamte Teams anschauen, sind das oft dieselben Leute. Ich habe das Gefühl, dass durch diese Chemie bei der Zusammenarbeit der Speed ganz natürlich kommt. Alles am Rennwochenende läuft ein bisschen reibungsloser ab, und ich denke, das ist ein Ergebnis davon.“

„Und ja, ich arbeite dieses Jahr das zweite Jahr mit meinem Spotter zusammen, und ich finde, wir haben super kommuniziert“, so Smith weiter. „Es ist eine Kombination aus vielen Dingen, aber die einfache Antwort ist: Wir haben ein Jahr gemeinsame Erfahrung gesammelt, und wir haben einen starken Start hingelegt.“

Smith will den ersten Sieg

Umso heißer ist Smith jetzt darauf, den großen Schritt an die Spitze zu machen: „Für mich zählt ein Sieg – ich will meinen ersten Sieg, klar oder? Ich bin also so hungrig wie eh und je und werde so aggressiv wie immer sein, um das zu erreichen. Aber gleichzeitig – ich klinge wie eine kaputte Schallplatte, wenn ich es sage – wird Konstanz dieses Jahr alles sein.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Ich glaube, die Zeiten, in denen Jungs jede Woche massig Speed hatten, dann gecrasht sind und denen es egal war, weil sie es sich leisten konnten, sind vorbei. Ich versuche, das auszunutzen, indem ich einfach ein bisschen konstanter bin als andere und vielleicht klüger agiere“, so Smith, der sich auf das neue Chase-Format bezieht.

„Dass meine schlechten Tage nicht ganz so schlecht sind und meine guten Tage eben richtig gut, so wie wir Stage-Punkte geholt haben und uns in die Entscheidung gebracht haben. Ich denke, das ist alles, was ich tun kann, und ich wäre liebend gerne ein Name in diesem Chase, aber gleichzeitig nehmen wir uns eine Woche nach der anderen vor und versuchen, den Schwung mitzunehmen.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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