Austin Hill unbesiegbar: Der Draft-King schlägt in Daytona wieder zu
Austin Hill gewann den Saisonauftakt der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series 2026 in Daytona vor Justin Allgaier – Der RCR-Pilot entschied das Duell mit 0,081 Sekunden Vorsprung für sich
Es war einmal mehr der „Draft-King“ Austin Hill, der das Eröffnungsrennen der neu benannten NASCAR O’Reilly Auto Parts Series in Daytona für sich entschied. Der 31-jährige Pilot von Richard Childress Racing (RCR) untermauerte seinen Ruf als Superspeedway-Spezialist eindrucksvoll: Er gewann beide Rennsegmente und setzte sich in einem Herzschlagfinale gegen Justin Allgaier durch. Am Ende entschied ein Wimpernschlag von 0,081 Sekunden das Duell zugunsten des Mannes aus Georgia. Damit holte er 75 Punkte für die Gesamtwertung.
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Dieser Triumph markiert Hills 15. Karriereerfolg, wobei er elf davon auf typischen Windschatten-Strecken wie Daytona, Talladega oder Atlanta erzielte. Es war zudem sein vierter Auftaktsieg in Daytona innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Hill dominierte den Lauf wie kein anderer und führte das Feld in 78 von 120 Runden an.
Bedenken trotz Dominanz
Und doch musste er in der Schlussphase Daytona-typisch um den Sieg zittern, nachdem das Rennen durch das vorangegangene Chaos völlig unberechenbar geworden war. Hill gab später offen zu, dass er zwischenzeitlich massive Zweifel gehegt hatte. Nach einem Boxenstopp war er kurzzeitig auf Platz zwölf zurückgefallen und befürchtete bereits das Schlimmste.
„Ich war mir ziemlich sicher, dass ich auf dem Abschleppwagen enden würde – unfähig, den engen Draft und die aggressiven Pushes zu handhaben, die das Finale hier so typisch machen“, gestand Hill. Doch frische Reifen und einige präzise Manöver brachten ihn zurück an die Spitze. „Es zeigt einfach, wie gut dieses Team ist. Wir hatten diesen einen Restart, niemand wollte die mittlere Spur nehmen, also dachte ich mir: ‚Klar, ich nehme sie.‘ Und ich bin einfach mitten hindurchgefahren.“
Love zahlt Lehrgeld
Hill war an der Spitze nicht allein. Sein Teamkollege und Meister von 2025 Jesse Love zeigte ebenfalls eine bärenstarke Leistung, führte 27 Runden und bildete mit Hill lange Zeit eine scheinbar unüberwindbare RCR-Doppelspitze. Doch in den hektischen Schlussrunden fiel Love dem Chaos zum Opfer, was ihn auf Platz neun zurückwarf.
„Am Ende tut es mir leid für meine Jungs“, resümierte ein geknickter Love. „Sie wollen da sein, wo die 21 [Hill] ist. Ich bin immer noch einen Schritt hinter Austin. Er ist so großartig in diesem Handwerk und einfach geduldiger als ich.“
Love räumte ein, dass er mit einem überhasteten Three-Wide-Manöver gegen Sammy Smith wohl die falsche Entscheidung getroffen hatte: „Ich werde daraus lernen und versuchen, diese Lektion nächste Woche nach Georgia mitzunehmen.“
Sieg auf dem Silbertablett serviert
Allgaier, der das Rennen als Zweiter beendete und beim Daytona 500 ebenfalls an den Start gehen wird, zollte dem Sieger Respekt, haderte aber auch mit der Strategie des Feldes. „Ich halte Austin für einen fantastischen Rennfahrer“, erklärte Allgaier bei Out of the Groove. „Aber wenn wir ehrlich sind: Heute Abend haben wir ihm den Sieg wahrscheinlich auf dem Silbertablett serviert.“
Allgaier führte weiter aus: „Ich hatte diesen massiven Run auf der Gegengeraden. Jordan [Anderson] und ich waren nebeneinander. Jordan wollte den Sieg, und ich war auch voll dabei. Glücklicherweise hat Ryan Sieg noch versucht, mir zu helfen, aber Austin ist einfach schwer zu schlagen. Am Ende hat es ganz knapp nicht gereicht.“
Hill selbst bestätigte diesen Eindruck und merkte an, dass die Gier der anderen Fahrer ihm oft in die Karten spiele: „Sie versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, und helfen mir dabei ungewollt.“
Das Podium komplettierte Ryan Sieg, dessen dritter Platz fast an ein Wunder grenzte. Sieg hatte sich von einem Reifenschaden mitten im Pulk und einem späteren Unfall erholt, durch den er fast eine Runde Rückstand gehabt hatte. Jordan Anderson sicherte sich Platz vier gefolgt von Allgaiers Teamkollegen Sammy Smith auf der Fünf.
Mit diesem Erfolg sendet Hill auch eine klare Botschaft für das kommende Heimrennen auf dem Atlanta Motor Speedway. Das Event findet am Samstag, den 21. Februar, um 23 Uhr deutscher Zeit statt.
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





