Connor Zilisch: Wer ist der Rookie, über den alle reden?

Connor Zilisch: Wer ist der Rookie, über den alle reden?
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Connor Zilisch startet 2026 das erste Mal beim Daytona 500 für Trackhouse in der Cup Series – Er gilt wegen seiner Rekorde in der zweiten NASCAR-Liga als eines der größten Nachwuchstalente

Umzingelt von Mikrofonen sitzt Connor Zilisch auf einem Hocker im Media Center des Daytona International Speedway und gibt eines seiner ersten Interviews als Vollzeitfahrer in der NASCAR Cup Series. Der 19-Jährige gilt als das Nachwuchstalent schlechthin und wird von den Medien sowie vielen namhaften Größen der Szene auch so behandelt.

2026 startet er zum ersten Mal beim Daytona 500, dem prestigeträchtigsten Rennen der gesamten NASCAR-Saison. Doch wer ist dieser Teenager mit den roten Haaren und warum reden alle über ihn?

Was viele Fans nicht wissen: Zilischs Weg in die NASCAR entspricht nicht dem typischen Werdegang eines Cup-Fahrers. Der junge Trackhouse-Pilot hat ursprünglich nie davon geträumt, eines Tages die Meisterschaft zu gewinnen und den Bill France Cup in die Höhe zu stemmen. Als Austin Cindric 2022 seinen Daytona-500-Sieg erzielte, saß Zilisch zum ersten Mal auf den gewaltigen Tribünen im „World Center of Racing“ – als ganz normaler Zuschauer mit einem ganz normalen Ticket.

Und trotzdem stellte er drei Jahre später in seiner ersten Saison einen Serienrekord von zehn Siegen in der zweiten NASCAR-Liga auf, auch wenn der Ursprung seiner Karriere in einer ganz anderen Art von Racing liegt. Eine Gemeinsamkeit mit vielen NASCAR-Piloten hat er jedoch: Die initiale Begeisterung ging von seinem Vater Jim aus.

Ein Anruf, der alles verändert

Jim Zilisch bezeichnet sich selbst als lebenslangen „Autonerd“. Für eine eigene Rennkarriere fehlten ihm jedoch die finanziellen Mittel. 1995 begann er mit Trackdays und arbeitete sich über die Jahre sogar zum Instruktor hoch. Die Leidenschaft für Autos blieb, auch nachdem er und seine Frau Jan ihren dritten Sohn Connor bekommen hatten. Seine Lebensgefährtin konnte jedoch nicht ewig die Kinder alleine versorgen, während er auf Rennstrecken unterwegs war, wie er Athletic erzählte.

Eines Tages, als Jim seinem Hobby auf dem Virginia International Raceway nachging, klingelte sein Handy. Am anderen Ende der Leitung war seine müde und frustrierte Frau. „Du kannst mich nicht mit all diesen Kindern alleinlassen“, sagte sie, während sie versuchte, einen Siebenjährigen, einen Vierjährigen und Baby Connor im Zaum zu halten.

Die Lösung? Der Familienvater verkaufte seinen Sportwagen und besorgte vier Karts – eines für sich und je eines für seine Söhne, damit sie ihn begleiten konnten. So fanden letztlich seine Söhne den Einstieg in den Rennsport.

Als Connor Zilisch das erste Mal alleine fuhr, wurde dessen Vater gefragt, wie lange sein Junior schon im Kart sitze. Ein Beobachter hatte bemerkt, mit welchem natürlichen Geschick der Junge die Scheitelpunkte traf. „Das ist das erste Mal“, antwortete Jim.

Technisch gesehen lag das Mindestalter für den Carolina Motorsports Park bei fünf Jahren. Doch als die Verantwortlichen sahen, wie gekonnt Connor Zilisch mit dem Kart umging, ließen sie ihn bereits im Alter von vier Jahren an Rennen teilnehmen.

Mit sieben Jahren nahm seine Karriere richtig an Fahrt auf. Die Familie begann, regelmäßig zu Rennwochenenden zu reisen. Dort wurde ihnen oft Schummelei vorgeworfen, schlichtweg weil Familie Zilisch immer gewann.

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Lehrjahre in Europa

Mit der Weiterentwicklung seiner Kartfähigkeiten wurde den Eltern des Ausnahmetalents klar, dass er die besten Chancen in Europa hätte. Da jedoch beide Vollzeitjobs hatten, ließen sie ihn alleine mit seinem Coach und Mechaniker Gary Willis über den „großen Teich“. Durch seine Reisen entwickelte er eine hohe Selbstständigkeit. Seine Eltern besuchten ihn zwar, doch er baute sich sein eigenes Leben auf.

„Er hat sich nie beschwert und rief selten an“, erzählt seine Mutter. „Er liebte es einfach, unterwegs zu sein und verschiedene Länder zu entdecken.“

2017 wurde zum Schlüsseljahr: Bei einem prestigeträchtigen Rennen in Italien trat er gegen die Kart-Elite der Welt an – darunter der heutige Formel-1-Pilot Kimi Antonelli – und gewann. Doch rohes Talent reichte nicht, um in die oberen Formelserien aufzusteigen.

Aufgrund fehlender finanzieller Mittel kehrte der blutjunge Zilisch nach Amerika zurück. Sein Vater, der sich auf seinen Ruhestand im Bankwesen vorbereitete, stellte ein Ultimatum: Er würde noch zwei Jahre Spec Miata – eine Einsteigerklasse im Sportwagenbereich – finanzieren, danach müsse er selbst zurechtkommen.

Glücklicherweise kam es nicht zum Ausnahmefall. Zilisch landete im selben Kart-Team wie Keelan Harvick, der Sohn des NASCAR-Veteranen Kevin Harvick. Diese Verbindung öffnete Türen. Schließlich schaffte er den Sprung in die Trans-Am-Serie, und sein verblüffend schneller Erfolg dort zog die Aufmerksamkeit der Stockcar-Welt auf sich.

Ab diesem Punkt fiel Zilisch auch in den großen Rennserien auf und tat, was er immer tat, wenn er ins Lenkrad griff: gewinnen. Dazu gehörten Klassensiege bei den 24 Stunden von Daytona und den 12 Stunden von Sebring 2024 sowie ein zweiter Platz in der Gesamtwertung der 24 Stunden von Daytona 2026 im Action Express Cadillac von NASCAR-Vorsitzenden Jim France.

„Ein Generationentalent“

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Diese Ergebnisse sorgten dafür, dass heute jeder im Fahrerlager weiß, wer der Teenager aus North Carolina ist – spätestens, nachdem er in der vergangenen Saison über mehrere Wochen hinweg nahezu jedes Rennen der Xfinity Series dominierte.

Entsprechend hoch wird er im NASCAR-Zirkus gehandelt. Trackhouse-Besitzer Justin Marks bezeichnet Zilisch als „Generationentalent“. AJ Allmendinger zieht sogar Vergleiche mit Jeff Gordon: „Offen gestanden, ich muss an Jeff Gordon denken. Es gab Joey Logano und dieses ganze ‚Sliced Bread‘-Ding, aber wenn es um echten Hype geht…? Connor ist der Wahnsinn und hat bereits abgeliefert. Er steigt überall ein und zeigt Leistung auf höchstem Niveau.“

Auch Mark Martin sieht in ihm den Newcomer schlechthin: „Connor ist einfach der Mann, er ist das nächste große Ding. Normalerweise tauchen solche Überflieger nicht so schnell hintereinander auf. Wir hatten Dale Earnhardt, dann Jeff Gordon, dann Jimmie Johnson und Kyle Larson. Mein Punkt ist: Normalerweise sieht die NASCAR keinen Connor Zilisch so kurz, nachdem wir eine Talent wie Kyle Larson haben. Dieser Junge ist unglaublich.“

Der 19-Jährige schafft es, überall Leistung zu bringen, und würde wohl auch zu einem Formel-1-Deal nicht nein sagen. „Davon habe ich als Kind geträumt. Wenn ich in den ersten Jahren in der NASCAR sehr erfolgreich bin, ist das nichts, was ich ausschließen würde. Ich liebe die Formel 1, aber ehrlich gesagt liebe ich auch das, was ich hier in der NASCAR tue. Es macht so viel Spaß, auf der größten Bühne Amerikas zu fahren.“ Er stellte jedoch klar, dass – auch wenn ein solches Angebot im Raum stünde – sein Fokus voll auf dem Stockcar-Racing liegt.

Fokus Daytona 500

Jetzt ruhen der Druck und die Erwartungen an Zilisch auf dem Daytona 500. Er selbst bleibt cool: „Es sind viele Leute da und es sind viele Augen auf dieses Rennen gerichtet. Es ist offensichtlich eine Stufe höher als alles, was ich jemals zuvor gemacht habe. Es ist cool, das alles einfach mal zu erleben.“

Gleichzeitig dämpft er die Zuversicht: „Ich gehe nicht raus und erwarte, mein erstes Rennen zu gewinnen. Natürlich kommen wir jede Woche mit dem Ziel an die Strecke, zu siegen. Aber ich setze das nicht als Erwartung an mich selbst voraus.“ Sein Ziel sei es, bis zum Ende durchzukommen. „Solange ich sagen kann, dass ich alles getan habe, was ich konnte, und die richtigen Entscheidungen getroffen habe – ich denke, damit wäre ich zufrieden.“

Wenn Zilisch nun mit dieser nüchternen Professionalität und dem gesunden Selbstbewusstsein in das Daytona 500 startet, blickt er vielleicht kurz auf die Tribünen, auf denen er vor vier Jahren noch selbst saß. Doch dieses Mal schauen die Fans auf ihn. Als einen Fahrer, der sich weder vom Hype noch von den Vergleichen mit Legenden wie Jeff Gordon aus der Ruhe bringen lässt. Und mutmaßlich ist es genau diese Reife, die den 19-Jährigen schon jetzt zu dem Ausnahmetalent macht, über das jeder redet.

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Redakteur | Zur Webseite |  + posts

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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