Daytona-500-Sieg: So erlebt Hamlin den Triumph als Teamchef

Daytona-500-Sieg: So erlebt Hamlin den Triumph als Teamchef
Foto: NASCAR Media / Patrick McDermott/Getty Images

Dreimal hat Denny Hamlin als Fahrer das Daytona 500 gewonnen, seit 2026 gehört er auch als Teamchef zu den Siegern – Doch warum fühlt sich das anders an?

„Es ist anders, aber es ist fantastisch“, sagt Denny Hamlin als frischgebackener Sieger des Daytona 500. Dreimal hat der 45-Jährige das Great American Race als Fahrer bereits gewonnen, doch im Jahr 2026 stand er selbst nicht in der Victory-Lane, sondern sein Schützling Tyler Reddick. Der kleine Kalifornier startet für das Team von Hamlin und Michael Jordan und hat 23XI Racing den bisher größten Erfolg in der Geschichte des Rennstalls beschert.

Hamlin weiß, wie sich Reddick fühlen muss, doch er selbst muss sich erst einmal daran gewöhnen, gewonnen zu haben, ohne das Auto in Daytona selbst auf Platz eins ins Ziel gebracht zu haben. Hamlin startete für Joe Gibbs Racing beim Super Bowl der NASCAR, kam am Ende aber nur auf Platz 31 ins Ziel.

„Ich weiß natürlich, dass die Chancen hier zu gewinnen, sehr, sehr gering sind“, so der Teamchef über die Superspeedway-Lotterie. „Aber ich wusste auch, dass dies mit fünf Autos – mir selbst und den vier 23XI-Wagen – meine größte Chance war. Es ist sehr erfüllend. Es ist sogar befriedigender als andere Siege, die ich hatte – das Brickyard 400 war nah dran, aber das 500er ist als Besitzer einfach etwas anderes.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Hamlin ist gemeinsam mit Jordan der stolze Teamchef, der Mann, der einem jungen Fahrer die Möglichkeit gegeben hat, NASCAR-Geschichte zu schreiben. Reddick weiß, wie es ist, zu gewinnen, aber das Daytona 500 mit 30 Jahren von der eigenen Bucketlist streichen zu dürfen, ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Doch der Erfolg des Kaliforniers kommt laut Hamlin nicht von ungefähr.

„Wir haben vor ein paar Wochen ein Meeting mit der gesamten Wettbewerbsabteilung abgehalten“, erzählt der 23XI-Chef. „Ich habe mich umgesehen und Tyler war der Einzige, der sich Notizen gemacht hat; er war wirklich voll bei der Sache. Ein Sieg wie dieser so früh in der Saison wird viel von dem Druck nehmen, den Tyler sich selbst auferlegt. Ich hoffe, er kann diese Saison jetzt so locker fahren, wie er es schon immer getan hat. Das ist es, was wir von Anfang an an ihm geliebt haben: Der Typ fährt befreit auf.“

Das Daytona 500 2026 war spannend, nicht nur wegen des Herzschlagfinals, das Reddick auf Platz eins brachte, sondern auch wegen der unterschiedlichen Strategien – und des drohenden Wetters. Der Regen setzte letztlich kurz nach Rennschluss ein. Doch ein Thema wird aktuell heiß im Fahrerlager diskutiert: das Spritsparen. Ryan Blaney kritisiert das Halbgas-Fahren und fordert eine Lösung.

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Dem pflichtet Hamlin bei: „Es gibt einen Weg [das Spritsparen zu stoppen], aber wir müssten die Geschwindigkeiten massiv erhöhen. Man muss es so machen, dass das Handling wieder eine Rolle spielt. Das würde das Feld auseinanderziehen und es würde wieder mehr wie das Racing der Vergangenheit aussehen.“

„Aber solange die Versicherungsgesellschaften damit einverstanden sind … wir müssen die Autos schneller machen. Im Moment kleben wir so auf der Strecke, dass wir einfach in diesem extrem engen Pulk fahren können.“

Hamlin kennt das Gefühl, in Daytona gekrönt zu werden, für Reddick war es neu, aber er war nicht der Einzige. Für 23XI-Mitbesitzer Michael Jordan war es ebenfalls der erste Daytona-500-Sieg als Teamchef. Die NBA-Legende freut sich riesig über den Erfolg und feierte mit Reddick in der Victory-Lane.

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

„Er liebt diesen Sport“, so Hamlin über Jordan. „Ich habe das Team bei einem Meeting daran erinnert: ‚Versteht ihr eigentlich, welche Verantwortung ihr tragt? Ihr habt die Macht, Michael Jordan Freude zu bereiten.‘ Niemand sonst kann das. Es gibt nichts anderes, was ihm diese Freude bringen kann, als sein Team gewinnen zu sehen. Das haben sie sich heute zu Herzen genommen.“

Hamlin feiert und zeigt sich stolz auf die Leistung seines Teams. Doch der Teamchef ist und bleibt selbst ein Racer – mit Ehrgeiz und unbändigem Willen. Am liebsten würde er selbst noch einmal das Daytona 500 gewinnen, um auf vier Trophäen zu kommen.

„Ich hoffe, das war nicht mein letztes Daytona 500, denn ich bin immer noch ein Wettkämpfer“, sagt er. „Egal wie sehr ich mich freue: Ich wäre noch glücklicher, wenn ich nicht selbst im Rennen gewesen wäre. Wenn sie gewinnen, bedeutet das, dass ich verloren habe. Ich wünschte, ich könnte diesen kleinen Wettbewerbs-Virus in mir loswerden, der sagt: ‚Ja, aber dein Tag war Mist‘.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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