„Ich mochte die Playoffs nicht“: Brad Keselowski feiert den neuen, alten Chase

„Ich mochte die Playoffs nicht“: Brad Keselowski feiert den neuen, alten Chase
Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

Brad Keselowski war nie ein Fan der Playoffs in der NASCAR Cup Series – Den Chase wiederum findet er genau richtig, um den Titel auszumachen

„Ich mochte die Playoffs nicht“, sagt Brad Keselowski bei Dale Jr. Download über den Wechsel von den Playoffs mit einem Finale hin zum alten, neuen Chase-Format mit zehn Rennen, die über den Titel entscheiden. Doch warum war der RFK-Pilot und -Mitbesitzer nie ein Freund der Elimination-Rennen und des Win-and-you’re-in-Systems?

Keselowski schaut jetzt dank des Chase-Formats endlich wieder auf die Gesamtwertung, da nur die Top 16 nach der regulären Saison in die Endrunde einziehen werden: „100 Prozent ja, weil es jetzt relevanter ist. Weißt du, früher hieß es einfach: ‚Na ja, es spielt keine Rolle, denn wenn du gewinnst, bist du dabei.‘ Ja, man hat einfach alles auf eine Karte gesetzt, man versucht, Homeruns zu schlagen.“

„Also, ich bin mit Ryan Blaney, Joey Logano, Clint Bowyer und DJ zurückgeflogen. Es war interessant, wie unterschiedlich die Perspektiven allein in unserer kleinen Gruppe auf das Punktesystem sind. Wahrscheinlich keine Überraschung: Joey Logano wünscht sich, wir wären beim alten System geblieben.“

„Und Clint und ich haben den Großteil von zwei verschiedenen Flügen nach Phoenix und zurück damit verbracht, mit Joey darüber zu streiten, warum wir dieses neue Format mögen. Ich bin ein glühender Verfechter des neuen Formats. Ich habe NASCAR gegenüber in verschiedenen Situationen, meist privat über die letzten wahrscheinlich sieben oder acht Jahre, deutlich gemacht, dass ich das Playoff-Format für einen Fehler hielt.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Ich erinnere mich an ein Treffen mit ihnen, ich traf mich mit Steve O’Donnell – Gott, das muss so 2018, 2019 gewesen sein – und ich sagte ihm: ‚Alter, das Playoff-Format macht den Sport kaputt.‘ […] Nun, ich hatte zwei oder drei Rennen früher im Jahr gewonnen und dachte mir: ‚Ich bin mitten in der Saison, ich fahre zur Rennstrecke und frage mich, was ich hier eigentlich mache?'“

Rennen wurden einfach „ausgelassen“

„Ich habe eine Trainingseinheit, in der ich auf Platz zehn oder 15 liege, und ich merke, dass ich kein echter Kandidat für den Sieg bin – wir haben es diese Woche aus irgendeinem Grund einfach nicht drauf. Ich sitze in Besprechungen und sie sagen: ‚Alles klar, Brad, du bekommst diese Woche nicht den guten Motor oder das gute Auto, weil jemand anderes im Team noch nicht für die Playoffs qualifiziert ist, also bekommen die diese Woche das beste Material.‘“

„Und du denkst dir: ‚Oh okay, das ergibt wohl irgendwie Sinn, aber keine Sorge, wenn du in den Playoffs bist, bekommst du das gute Zeug, weil du das erste Auto warst, das sich qualifiziert hat.‘ Man fand sich also mitten in der Saison wieder, tauchte zum Beispiel in Pocono auf und dachte: ‚Alles klar, ich habe also den Motor mit weniger Leistung, ich habe die Karosserie mit weniger Abtrieb, ich bin 15. im Training, ich werde heute wahrscheinlich Zehnter, wenn ich alles richtig mache.“

„Ich bin eh schon für die Playoffs gesetzt.‘ Es fühlte sich an: ‚Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?‘ Es ergab einfach keinen Sinn. Ich konnte dem Team nicht wirklich böse sein. Ich fühlte mich einfach vom Format gefangen. Mir als Rennfahrer gefiel es nicht, und mir gefiel es nicht, in die Playoffs zu kommen, besonders beim letzten Rennen – wenn wir da einen schlechten Boxenstopp hatten, war die ganze Saison gelaufen. Das fühlte sich für mich nicht richtig an.“

Alle Rennen zählen

Keselowski erklärt, was sich mit dem Chase geändert hat: „Es gibt kein Rennen mehr, bei dem das Team sagt: ‚Hey, du bekommst nicht den guten Motor, du bekommst nicht das gute Auto‘ bei diesem Format. Und das schätze ich sehr, weil ich nicht das Gefühl habe, dass wir Rennen quasi ‚auslassen‘. Bei diesem Format fühlt sich für mich alles richtig an. Ich liebe es, wie sie dem Sieger bei diesem Format mehr Punkte gegeben haben, weil ich denke, dass man immer noch gewinnen will.“

Foto: NASCAR Media / Jared C. Tilton/Getty Images

„Im Moment sind die Höhen höher und die Tiefen tiefer, und genau das will man doch: Man will wütende Fahrer und man will sie begeistert sehen“, schwärmt Keselowski über den Chase. „Weißt du, was ich als Fan des Sports will? Ich will wissen, dass es etwas bedeutet hat, wenn ich drei Stunden damit verbracht habe, ein Rennen in Kansas am Anfang der Saison zu schauen und gesehen habe, wie jemand gewonnen hat oder wie jemand gecrasht ist und als Letzter ins Ziel kam!“

„Ich will wissen, wenn ich mitten im Jahr zu einem Rennen gehe, dass die über drei Stunden, die ich investiert habe, etwas für die Meisterschaft bedeutet haben – und das tun sie jetzt. Mit dem Playoff-Format taten sie das nicht.“

Mehr Emotionen im Chase?

In den Playoffs war es völlig anders: „Wenn ich früher ein Rennen hatte, bei dem ich wusste: ‚Ich habe ein Auto für Platz 15‘, ich bin noch nicht mal in den Playoffs, es ist die Mitte der Saison, und jemand rammt mich durch eine dumme Aktion und ich werde 30., dann sagst du: ‚Egal, weiter zur nächsten Woche.‘ Ja, wenn das jetzt passiert, dann sind wir verdammt noch mal stinkwütend!“

„Wenn du mit Hocevar in einen Unfall gerätst und er etwas Dummes macht, im alten Format, da denkst du: ‚Egal, ich bin zwar sauer auf den Typen, aber ich kann ihn nicht wirklich ansehen und sagen, dass er meine Saison beeinflusst hat.‘“

Jetzt ist das anders, wenn Fahrer aneinandergeraten: „Ja, ich bin sauer, ich bin auf dem nächsten Level sauer. Und ich denke, das ist es, was dieses Format bringt: Es bringt eine Energie mit sich, dass das Rennen jede Woche mehr zählt, und das gefällt mir. So sollte es sein.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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