Jack Aitken: Der nächste Langstrecken-Pilot in der NASCAR?
Jack Aitken spricht exklusiv bei Leadlap.de über seine Begeisterung für die NASCAR Cup Series – Der DTM-Pilot interessiert sich für Oval-Racing und den Unterschieden zu Sportwagenrennen
Die NASCAR Cup Series ist seit der Einführung des GT-nahen Next-Gen-Autos bei Langstreckenpiloten sehr beliebt. Fahrer wie Jordan Taylor, Kamui Kobayashi und Le-Mans-Sieger Mike Rockenfeller haben bereits Gaststarts in der weltweit höchsten Stock-Car-Liga absolviert. Der nächste prominente Name in dieser Reihe könnte Jack Aitken werden.
Exklusiv gegenüber Leadlap.de verrät der Brite, dass ihn der beliebteste US-Motorsport begeistert: “Für mich wäre es ein Traum, das [NASCAR] eines Tages auszuprobieren. Ich schätze, ich würde mich anfangs schwer tun, aber es wäre trotzdem richtig interessant, zu sehen, wie diese komplett andere Art des Rennsports, das Oval-Racing, funktioniert. Es ist fast so, als würde jemand, der aus dem Rallyesport kommt, in ein GT3-Auto setzen“, scherzt Aitken. „Natürlich erwartet niemand, dass solche Fahrer im ersten Moment top sind, aber man lernt dazu.“
Tatsächlich stand Aitken schon einmal kurz, davor, in der NASCAR zu fahren, zumindest laut einem Artikel von The Athletic. Der Brite ist Teil von Action Express Racing in der IMSA-Serie und pilotiert dort den Cadillac mit der Startnummer 31. Das Team gehört niemand Geringerem als dem NASCAR-Chef Jim France.
Diese Konstellation hätte beinahe zu einem Debüt geführt. Ursprünglich war geplant, für Aitken in Kooperation mit Spire Motorsports ein Auto beim Rennen in den Weinbergen von Sonoma an den Start zu bringen. Das Vorhaben scheiterte jedoch an Bedenken einiger Teams bezüglich eines potenziellen Interessenkonflikts des Serienchefs.
Großes Interesse an NASCAR
Ein wichtiger Impuls für sein Interesse kam bereits vor Jahren von seinem Teamkollegen Earl Bamber, der ihm in dieser Hinsicht schon einen Schritt voraus ist. Der Neuseeländer startete 2020 für Richard Childress Racing auf dem Daytona Road Course in der Xfinity Series, der zweiten NASCAR-Liga, und sammelte dort erste Erfahrungen im Chevrolet Camaro. Allerdings beendete er das Rennen nur auf dem 33. Platz, nachdem er in der Bus-Stop-Schikane in die Reifenstapel fuhr.
Durch das geweckte Interesse besuchte Aitken im Rahmen seines IMSA-Engagements bereits das Great American Race: „Ich war beim Daytona 500, was möglich war, weil wir normalerweise zur gleichen Zeit Testfahrten in Sebring haben und die Fahrt dorthin nur zwei bis drei Stunden dauert. Deshalb war ich schon ein paar Mal dort.”
Für Aitken selbst bleibt der Gedanke an die US-Serie reizvoll, wie er zugibt: „Ich schaue NASCAR echt gerne, weil das ein ganz anderer Fahrstil ist, besonders auf den Ovalen. Aber wie die im Pulk fahren und welche Strategie dahintersteckt, das ist wirklich beeindruckend“
Einstiegsmöglichkeiten für Aitken
Die Liste der Quereinsteiger aus dem Sportwagen-Bereich ist lang und prominent. Michael McDowell, einst in der Grand-Am Rolex Sports Car Series aktiv, ist heute Daytona-500-Sieger. Mike Rockenfeller war nicht nur in Watkins Glen am Start, sondern auch Teil des Le-Mans-Projekts Garage 56, das mit einem modifizierten NASCAR-Boliden beim 24-Stunden-Klassiker antrat.
Initiativen wie das Project 91 von Trackhouse-Racing-Besitzer Justin Marks erleichtern zudem den Einstieg für internationale Stars. Durch dieses Programm durften sich bereits Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen und Supercars-Champion Shane van Gisbergen beweisen, wobei Letzterer inzwischen den Sprung zum Vollzeit-Piloten in der Cup Series geschafft hat.
Auch in Europa gäbe es Möglichkeiten für den Briten, NASCAR-Erfahrung zu sammeln. Sportwagen-Pilot Renger van der Zande fuhr bereits 2016 in der NASCAR Euro Series in Zolder mit Alex Caffi Motorsport. Obwohl der direkte Plan für Sonoma nicht funktionierte, macht gerade die Begeisterung die Ambitionen von Aitken realistisch. Es scheint weniger eine Frage des „ob“, sondern vielmehr des „wann“ zu sein.
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





