NASCAR-Rolle von Mark Martin: „Fühle, die Fans geben mir die Chance, ihr Sprachrohr zu sein“
NASCAR-Legende Mark Martin suchte nach seinem Karriereende in Charlotte lange nach seiner neuen Identität ohne den Sport – Er fand seine Bestimmung schließlich als fachkundiges Sprachrohr für die Fans
Mit der Rückkehr zum bewährten „Chase“-Format feiert auch Mark Martin eine Wiederauferstehung seiner NASCAR-Leidenschaft. Der 40-malige Cup-Series-Rennsieger war eine der treibenden Kräfte hinter der Rückbesinnung auf ein punktebasiertes Meisterschaftssystem und ist heute so tief im Sport verwurzelt wie seit Jahren nicht mehr.
Ob als fachkundiges Sprachrohr der Fans, in seinem neuen Podcast auf dem Kenny Wallace Media Channel oder als aktives Mitglied des NASCAR Alumni Network – Martin ist wieder eine feste Größe in der Öffentlichkeit. Während er aktuell an seinem Buch über seine Karriere schreibt, zeigt er deutlich: Er ist mehr als nur ein ehemaliger Fahrer, er ist die neue, authentische Stimme der NASCAR-Community.
Nach seinem Rücktritt im Jahr 2014 musste Martin jedoch erst einmal den Reset-Knopf drücken. In einem Interview im Rahmen eines NASCAR-Medientags gestand er, dass er Zeit brauchte, um seine Identität abseits des Cockpits zu finden.
„Es hat definitiv eine Weile gedauert, bis ich nach meinem Rücktritt wieder Boden unter den Füßen gefunden habe. Für mich war es wohl das Beste, erst einmal Abstand zu gewinnen. Letztendlich bin ich so zum Fan geworden – denn als ich mit dem Fahren aufhörte, wusste ich schlichtweg nicht, wer ich ohne diesen Sport eigentlich sein sollte.“
Vier Jahrzehnte lang war Martins Leben durch eng getaktete Rennprogramme und die ständige Einflussnahme auf die Technik bestimmt. „Mein entscheidender Vorteil war immer mein Wissen über die Strecke, die Reifen, das Auto und die Aerodynamik. All das habe ich schlagartig verloren, als 2014 in Charlotte der erste Test ohne mich stattfand.“
Nachdem der 2017 in die Hall of Fame berufene Martin seinen Platz als Beobachter gefunden hatte, begann für ihn ein Prozess der neuen Annäherung: „Das war dieser besagte Test ohne Mindest-Bodenfreiheit. Danach fühlte ich mich seltsam, weil ich die Autos, die Setups und das Regelwerk nicht mehr kannte.“
„Ich brauchte Zeit, um in die Rolle des Fans hineinzuwachsen. Heute habe ich das Gefühl, dass die Fans mir die Chance gegeben haben, ihr Sprachrohr zu sein. Das war der Impuls, der mich im letzten Jahr endgültig zurückgebracht hat.“
Ein Schlüsselerlebnis war für ihn der Besuch im Technikzentrum im vergangenen Januar. Dort verbrachte er Zeit mit John Probst, der ihm die aktuelle Fahrzeuggeneration bis ins kleinste Detail erklärte. „Wir hatten tiefgreifende Diskussionen über das ‚Warum‘ hinter vielen Entscheidungen“, so Martin.
„Ich habe dort Antworten erhalten, die den Fans bisher verwehrt blieben. Ich ging deutlich weniger frustriert nach Hause, als ich gekommen war. Jetzt verstehe ich, warum die Reifen so breit sein müssen oder warum das Heck – zumindest für mein Auge – so kurz wirkt. Auch die Zentralmutter ergibt Sinn; eine klassische Fünf-Loch-Stahlfelge wäre bei dieser Breite schlicht zu schwer.“
Trotz seiner neuen Rolle als Vermittler juckt es den „Vollblut-Techniker“ in Martin noch immer in den Fingern: „Ich wünschte, sie würden mich nur ein einziges Mal einen Test leiten lassen, bei dem ich bestimme, was am Auto gemacht wird. Gebt mir ein Fahrzeug und ein Team und lasst mich die Dinge ausprobieren, die ich für richtig halte. Ich habe da ganz eigene Ansichten – und ja, die basieren auf 40 Jahren Erfahrung, aber…“
Er hält kurz inne und fügt hinzu: „Ich weiß auch nicht. Momentan ist der Rennsport gut, und ich hätte fast Angst, etwas daran zu ändern. Aber ich würde trotzdem gerne meine Finger im Spiel haben, denn ich war nie nur ein Fahrer – ich war immer ein Techniker aus Leidenschaft.“
Schon vor seinem Aufstieg in die NASCAR-Elite galt Martin als Techniker. Dass er bereits bei seinem dritten Einsatz auf der Pole-Position stand, schreibt er seinem tiefen technischen Verständnis zu. „Ich war schon immer ein Aerodynamik-Fan. Und ich glaube fest daran, dass viele der alten Prinzipien auch in der hochmodernen Welt von heute noch immer ihre Gültigkeit haben.“
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





