NASCAR-Traum: Wie Nathalie Neumann den V8-Boliden in nur einem Tag zähmte
Nathalie Neumann aus Luxemburg testete erstmals einen EuroNASCAR-Boliden in Frankreich – Jetzt will es die 29-Jährige ins Grid schaffen
Nathalie Neumann aus Luxemburg hat im Januar 2026 einen wichtigen Schritt in Richtung ihrer NASCAR-Karriere gemacht: Die 29-Jährige nahm am Recruitment-Programm der NASCAR Euro Series teil und überzeugte dabei mit einer schnellen Anpassung an die 400 PS starken V8-Boliden.
Unterstützt von ihrem Landsmann Gil Linster, hat die Sozialarbeiterin nun ein klares Ziel vor Augen: Sie will sich einen Platz im Grid für die Saison 2026 sichern und den Sprung vom Prototypen-Sport in die Welt des Stock-Car-Racings schaffen.
Neumanns motorsportliche Wurzeln liegen eigentlich auf losem Untergrund. Bereits 2012 begann sie im Autocross, wo sie mehrere Titel einfuhr – eine Disziplin, die für Aggressivität und schnelle Reflexe bekannt ist.
Über das Racing-Women-Programm schaffte sie 2022 den Wechsel auf die Rundstrecke und landete schließlich im Radical Cup UK. Der Umstieg in das schwere NASCAR-Fahrzeug ohne elektronische Fahrhilfen war jedoch ein radikaler Szenenwechsel.
„Das Auto war eine komplett neue Erfahrung für mich, ich hatte noch nie zuvor in einem NASCAR-Fahrzeug gesessen“, gibt Neumann nach dem Test in Frankreich zu. Die Datenanalyse zeigte jedoch, dass sie die Umstellung auf das sequentielle Getriebe und dem mechanische Grip schnell meisterte.
„Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Von Session zu Session habe ich mehr Vertrauen in die Maschine gewonnen“, so Neumann weiter. „Meine Rundenzeiten sind bis zum letzten Run stetig gefallen. Ich konnte spüren, wie das Auto arbeitet, und lernte mit jeder Runde, es besser zu kontrollieren.“
Die Verbindung zur EuroNASCAR kam nicht zufällig zustande, sondern ist das Ergebnis der engen Luxemburger Motorsport-Community. Gil Linster, etablierter Titelkandidat in der Serie und ARCA-Pilot, fungierte als Mentor. Er legte Neumann die Bewerbung für das Recruitment-Programm nahe und coachte sie während ihres Debüts.
„Der Test kam durch eine Kombination aus gezielten Gesprächen mit Gil und meinem Traum zustande, mich in einer der größten Rennserien der Welt zu beweisen“, erklärt Neumann die Hintergründe. Das intensive Coaching zahlte sich aus: „Ich habe an nur einem Tag unglaublich viel gelernt, größtenteils dank der Unterstützung von Gil. Diese Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.“
Neben der reinen Performance auf der Strecke beeindruckte Neumann vor allem die Atmosphäre im Fahrerlager. Die NASCAR Euro Series ist bekannt für ihre Offenheit und den direkten Zugang.
„Was NASCAR für mich besonders macht, ist, dass es sich wie eine echte Rennserie anfühlt“, betont die Luxemburgerin. „Die Leute waren ehrlich, transparent und hilfsbereit. Ich habe mich sofort willkommen und zu Hause gefühlt.“
Nach dem erfolgreichen Test liegt der Fokus nun auf der Logistik für die anstehende Saison. Der Auftakt 2026 rückt näher und die Arbeit abseits der Strecke beginnt erst richtig.
„Meine klaren Pläne für 2026 sind, das richtige Team zu finden und um einen permanenten Startplatz zu kämpfen“, stellt Neumann klar. Sollte ihr das gelingen, würde sie den Weg vom Autocross-Dirt in die V8-Arena endgültig vollenden.
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





