Sekunden vor dem Ziel: Wie der Traum von Chase Elliott plötzlich platzte
Jeff Gordon konnte es nicht fassen – Chase Elliott verlor den Sieg beim Daytona 500 nur Zentimeter vor der Linie – Tyler Reddick und Michael Jordan jubelten
Jeff Gordon stand auf dem Kommandostand, wild gestikulierend, um seinen Hendrick-Motorsports-Fahrer auf den letzten Metern des Daytona 500 2026 in Florida irgendwie zur Ziellinie zu brüllen. Nur Bruchteile einer Sekunde vor dem Schwenken der Zielflagge veränderte sich plötzlich die Mimik des viermaligen NASCAR-Champions, der mittlerweile der starke Mann des Top-Teams von Rick Hendrick ist. „Nein, nein“, sagte er, dann schüttelte er den Kopf: Chase Elliott hatte seinen ersten Daytona-500-Sieg nur knapp verpasst.
Am Ende jubelte nicht Gordon, nicht Hendrick, nicht Chevrolet, sondern Toyota und Tyler Reddick. Der 23XI-Racing-Pilot kämpfte sich nur wenige hundert Meter vor dem Ziel an Elliott vorbei, der sogar noch in einen Unfall verwickelt wurde. Während Reddick gemeinsam mit den Teambesitzern, Denny Hamlin und Michael Jordan, feierte, trauerte Elliott einer großen Chance hinterher, das Great American Race zu gewinnen – wie einst sein Vater Bill Elliott in den Jahren 1985 und 1987.
„Ich bin mir nicht ganz sicher, was bei dem ersten Unfall passiert ist“, sagt der Fahrer der Startnummer 9. „Das war ein Stück weiter hinten. Aber letztendlich wurde uns die Führung quasi geschenkt, und die Nummer 38 [Todd Gilliland] und ich waren auf der Gegengeraden plötzlich allein unterwegs.“
„Er gab mir einen ordentlichen Schubs in Richtung Kurve 3, und dann waren es im Grunde nur noch er und ich. In diesem Moment spürte ich, wie sich das Momentum verschob – mir war klar, dass von hinten irgendwann noch ein Schwung ankommen würde.“

„Leider hat sich das bewahrheitet, und ab diesem Zeitpunkt war ich nur noch in der Defensive. Mann, das ist ehrlich gesagt eine verdammt schwierige Position. Natürlich geht man das im Kopf hinterher tausendmal durch und fragt sich, ob man etwas hätte anders machen sollen.“
„Ich habe das Gefühl, wenn ich einen doppelten Block gegen die #45 [Tyler Reddick] gesetzt hätte, hätte uns das wahrscheinlich in diesem Moment einfach beide aus dem Rennen geworfen.“ Reddick schoss förmlich am Chevrolet von Elliott vorbei, auch dank der Hilfe seines 23XI-Teamkollegen Riley Herbst, der selbst eine Chance auf den Sieg opferte, um Reddick und damit Toyota auf Platz eins zu schieben.
„Ich hatte das Gefühl, man muss sich seine Kämpfe aussuchen“, meinte Elliott. „Ich dachte, wenn mich vielleicht jemand auf der Außenbahn mitnimmt, hätte man noch einen letzten Run bis zur Ziellinie, aber leider wurde ich stattdessen umgedreht.“
„Natürlich bin ich unzufrieden – es ist wirklich Mist, so nah dran zu sein, aus Kurve 4 mit der Führung zu kommen und es dann nicht nach Hause zu bringen. Aber das ist eben Teil dieses Events, und leider waren wir heute am kürzeren Ende.“ Elliott wurde am Ende Vierter und nahm im Kampf um den Einzug in die Endrunde erste wichtige Punkte mit, aber eben nicht die Harley J. Earl Trophy.
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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