Sieg mit „Totalschaden“: Tyler Reddick und das Wunder von Atlanta

Sieg mit „Totalschaden“: Tyler Reddick und das Wunder von Atlanta
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Tyler Reddick schrieb NASCAR-Geschichte – Trotz Massencrash und zerstörtem Kotflügel feierte der 23XI-Pilot in Atlanta den zweiten Sieg in Folge

Tyler Reddick hat am Sonntagabend auf dem EchoPark Speedway in Atlanta ein Ausrufezeichen gesetzt, indem er nur eine Woche nach seinem Sieg beim Daytona 500 auch das zweite Saisonrennen für sich entschied. In einem dramatischen zweiten Verlängerung setzte sich der 23XI-Pilot trotz massiver Schäden am vorderen Kotflügel seines Toyotas gegen die Konkurrenz durch und feierte damit den zweiten Sieg in Folge. Seit Matt Kenseth im Jahr 2009 ist es keinem Fahrer mehr gelungen, die ersten beiden Rennen einer Cup-Saison zu gewinnen.

Der Weg in die Victory-Lane glich für Reddick einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Rund 40 Runden vor dem geplanten Ende war der Kalifornier in einen Massencrash mit neun Fahrzeugen verwickelt, der den rechten vorderen Kotflügel seines Camry komplett zerstörte. Davon unbeeindruckt pflügte Reddick in der Schlussphase durch das Feld und nutzte in der letzten Runde eine Lücke auf der Innenbahn, um an Teamkollege Bubba Wallace und Chase Briscoe vorbeizuziehen.

Nach dem Überqueren der Ziellinie mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,164 Sekunden begutachtete Reddick ungläubig die Trümmer an seinem Wagen. Er gab offen zu, dass er selbst nicht genau wisse, wie er diesen Sieg mit einem derart ramponierten Auto nach Hause gebracht habe. „Entschlossenheit schlägt Handling“, rief ein euphorischer Reddick den Fans auf den vollbesetzten Tribünen entgegen.

Mitbesitzer Michael Jordan zeigte sich sichtlich stolz auf die Leistung seines Schützlings, der das gesamte Rennen über zu den Schnellsten gehörte und 53 Runden anführte. Die NBA-Legende lobte den unbändigen Kampfgeist des Teams, das den Wagen unter extrem kalten Bedingungen bei Temperaturen um die fünf Grad Celsius notdürftig mit Klebeband zusammengeflickt hatte. Jordan betonte, dass dieser Doppelerfolg zu Saisonbeginn die harte Arbeit widerspiegele, die die Mannschaft über den gesamten Sommer investiert habe.

Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Crew-Chief Billy Scott verriet nach dem Rennen, dass die Kälte die Reparaturarbeiten massiv erschwert habe, da das Material kaum formbar gewesen sei. Denny Hamlin, Mitbesitzer von 23XI Racing, beschrieb den Zustand des Siegerautos kurz nach dem Unfall schlichtweg als Totalschaden-Szenario. Dennoch hielt die Konstruktion den starken Winden im Draft des 1,5-Meilen-Ovals stand.

Hinter Reddick sicherte sich Briscoe den zweiten Platz, gefolgt von den Chevrolet-Piloten Carson Hocevar, Ross Chastain und Daniel Suarez. Hocevar sorgte in der Schlussphase für Furore, als er in der letzten Runde der regulären Distanz mit einem gewagten Manöver drei Konkurrenten gleichzeitig überholte. Ein Kontakt mit Christopher Bell in der ersten Verlängerung verhinderte jedoch eine noch bessere Platzierung des Youngsters.

Eine bemerkenswerte Aufholjagd lieferte auch Shane van Gisbergen ab, der trotz der Verwicklung in drei Gelbphasen den sechsten Platz belegte. Für den Neuseeländer war es das beste Ergebnis seiner Karriere auf einem Ovalkurs in der Cup-Serie. Das extrem enge Racing in Texas, das mittlerweile stark an die Superspeedways von Daytona und Talladega erinnert, spiegelte sich darin wider, dass die Top 12 innerhalb einer Sekunde ins Ziel kamen.

In der Meisterschaftstabelle hat Reddick durch seinen erneuten Triumph die Führung weiter ausgebaut und liegt nun 40 Punkte vor seinem Teamkollegen Bubba Wallace. Dahinter folgen Chase Elliott (-44), Hocevar (-51) und Zane Smith (-54). Die Top 16 trennen nach zwei Rennen insgesamt 80 Punkte.

Die Serie zieht nun weiter nach Austin, wo auf dem Circuit of the Americas das erste Rundstreckenrennen des Jahres auf dem Programm steht.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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