So bezwang Tyler Reddick den Rundkurs-König Shane van Gisbergen auf dem COTA

So bezwang Tyler Reddick den Rundkurs-König Shane van Gisbergen auf dem COTA
Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Tyler Reddick gewann auf dem Circuit of the Americas das Duell gegen Shane van Gisbergen – Der 23XI-Pilot verteidigte seine Führung durch eine fehlerfreie Fahrt im Sonnenuntergang von Texas

Mit seinem Rekordsieg auf dem Circuit of the Americas (COTA) schaffte Tyler Reddick etwas, das im Jahr 2025 nur Christopher Bell gelungen war: Er bezwang Shane van Gisbergen auf einem Rundkurs. Dennoch sah es in der Schlussphase des Rennens lange so aus, als würde der viermalige australische Supercars-Meister – in Fankreisen nur SVG genannt – erneut zuschlagen. Der Pilot der Startnummer 45 von 23XI Racing musste bis zur letzten Sekunde zittern.

„Zu Beginn des Rennens hat er uns völlig alt aussehen lassen, aber der letzte Restart verlief perfekt für ihn, sodass er sich direkt auf den zweiten Platz schieben konnte. Ich dachte mir nur: ‚Natürlich ist er genau da; jetzt muss ich einen Weg finden, ihn hinter mir zu halten‘“, schilderte Reddick die entscheidende Phase im Sonnenuntergang von Austin.

SVG im Rückspiegel

Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Über mehrere Runden saugte sich der 36-jährige Neuseeländer immer dichter an das Heck der Nummer 45 heran und verkürzte den Abstand zeitweise auf unter eine Sekunde. „Im Eifer des Gefechts ging es für mich nur darum, Shane irgendwie abzuwehren. Aber als ich anfing, mich abzusetzen, wurde mir klar, wie viel hier auf dem Spiel steht. Ich sagte mir: ‘Bleib präzise, spiel nicht den Helden; du musst nicht mit acht Sekunden Vorsprung gewinnen.‘“

Reddick erklärte detailliert, wie er den Angriffen standhielt: „Ich konnte ein wenig defensiv fahren – man will eigentlich nie in der Situation sein, den Gegner zu einer bestimmten Linie zwingen zu müssen. Aber ich konnte mich so positionieren, dass es für ihn im Karussell extrem schwierig war, außen herum vorbeizuziehen.“

Zittern bis zur Zielline

Trotz des Vorsprungs wiegte sich Reddick nicht in Sicherheit. Er wusste, dass van Gisbergen dafür bekannt ist, seine Reifen extrem zu schonen, um bis zum Ende des Rennens voll kampffähig zu bleiben.

„Es ist extrem wichtig, keine Fehler zu machen, denn wer weiß – Shane könnte Spielchen gespielt haben. Vielleicht hat er sich etwas zurückfallen lassen, um abzuwarten, ob ich meine Reifen verheize und am Ende des Rennens wieder in seine Fänge gerate. Er ist auf Rundkursen einfach so verdammt gut. Selbst als ich mich absetzen konnte, durfte ich mir nicht erlauben zu glauben, dass es vorbei ist, bis ich wirklich die Ziellinie überquert hatte.“

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Reddick beschrieb den Ritt auf der Rasierklinge so: „Man will die bestmöglichen Rundenzeiten fahren, aber wenn man einen Fehler macht und das Auto ins Rutschen kommt, ist der Zeitverlust weitaus größer als der potenzielle Gewinn.“

Mit diesem Erfolg beendete Reddick eine beeindruckende Serie: Van Gisbergen hatte zuvor fünf Rundkurs-Siege in Folge eingefahren (Mexico City, Chicago, Sonoma, Watkins Glen, und das Charlotte-Roval). Damit bleibt Jeff Gordon mit sechs Siegen in Folge weiterhin der alleinige Rekordhalter.

Für SVG bleibt der COTA ein hartes Pflaster – es ist der einzige Rundkurs im Kalender, auf dem er in der Cup-Serie noch nicht triumphieren konnte. Dabei sah der Lauf  nach einer beeindruckenden Aufholjagd aus: Von Startplatz 13 kämpfte er sich bereits in den ersten zehn Runden in die Top 5 vor.

Respekt vor Reddick

Der Leistung von Reddick zollte SVG am Ende den nötigen Respekt, wenn auch mit einer Spur Frust im Bauch: „Es ist schon seltsam, über einen zweiten Platz enttäuscht zu sein, aber das Niveau in dieser Serie ist einfach enorm hoch. Unser Chevy fühlte sich deutlich besser an als gestern, aber Tyler war einfach fehlerfrei und sein Auto verdammt schnell. Ich habe alles versucht, aber es hat nicht ganz gereicht.“

Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Van Gisbergen analysierte nüchtern, dass ihm letztlich der Grip fehlte, um Reddick wirklich gefährlich zu werden: „Als ich an ihm dran war, konnte ich sehen, dass er eine sehr saubere Linie fuhr und noch Reserven hatte.“ 

Dennoch war es für den Trackhouse-Piloten ein erfolgreicher Tag im Hinblick auf die Meisterschaft: Van Gisbergen verbesserte sich in der Gesamtwertung um elf Plätze und reist nun als Fünfter zum nächsten Lauf nach Phoenix. Reddick liegt nach drei Siegen in Folge mit 70 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten an der Spitze und hat damit einen Vorsprung, der größer ist als der Wert eines Sieges, auf das verbliebene Feld.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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