So lief Mick Schumachers erster Ovaltest in einem IndyCar

So lief Mick Schumachers erster Ovaltest in einem IndyCar
Foto: Penske Entertainment: James Black

Mick Schumacher zieht nach seinen ersten IndyCar-Runden im Oval von Homestead ein positives Fazit – Der Deutsche spricht über die Herausforderungen, aber auch die Erfolge, welche er am 4. Februar in der Nähe von Miami erlebt hat

Am 4. Februar drehte Mick Schumacher zwischen den Palmen von Florida seine ersten Oval-Runden in einem IndyCar. Der exklusive Testtag auf dem 1,5 Meilen (2,41 km) langen Homestead-Miami Speedway diente Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) dazu, seine Fahrer, und insbesondere den Deutschen, auf die kommende Saison einzustimmen.

Schumachers erster Eindruck von den berüchtigten Ovalen, vor denen ihn sein Onkel Ralf gewarnt hatte, fiel positiv aus. Und das, obwohl der ehemalige Formel-1-Pilot angesichts seiner Unerfahrenheit mit großem Respekt in die Session startete.

„Sicherlich war da eine Menge Respekt vor den Ovalen; es wäre dumm, den nicht zu haben“, erklärt er gegenüber RACER. „Aber ich bin definitiv mit viel guter Energie an die Sache herangegangen. Wir hatten generell eine ausführliche Vorbereitung auf die Ovale, sodass ich mich bereit fühlte. Wir waren schon gestern hier, um einige Runden auf der Strecke abzugehen und über hohe sowie untere Linien und all die Dinge zu diskutieren, die zum Oval-Racing gehören.“

Ursprünglich sollte Graham Rahal den Honda-Boliden einfahren, um sicherzustellen, dass alle Einstellungen korrekt sind, bevor Schumacher ins Lenkrad greifen durfte. Doch es kam anders als geplant: Am Ende war es Schumacher selbst, der den Shakedown übernahm, bevor das eigentliche Testprogramm startete.

„Wir haben eine Menge Runden zurückgelegt – genau das, was wir uns vorgenommen hatten“, resümierte Schumacher. Laut dem 26-Jährigen wurden schon im Verlauf des Vormittags „ein paar Veränderungen an der Abstimmung vorgenommen, um das vorhandene Paket weiter zu verbessern“.

Lernen bei Tempo 300: Vertrauen ins Auto

Doch was hat Schumacher bei diesem Test konkret gelernt? „Es war gut, hier rauszukommen und zu spüren, wie man das Auto fahren muss und wie präzise man sein muss“, beschreibt er seine Erfahrungen. „Aber auch, wie sehr man sich darauf verlassen muss, dass das Auto genau das tut, was es tun soll.“

Die Umstellung auf die Oval-Spezifikationen forderte den Rookie: „Die Herausforderung liegt darin, dass es so anders ist. Man versucht zu verstehen, wie die obere Linie funktioniert, wie die untere Linie funktioniert und was wir in Bezug auf aerodynamische Störungen von vorn oder hinten machen können. Das ist alles sehr neu für mich, aber ich bin sehr neugierig und interessiert daran, das zu lernen.“

Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit an die Eigenheiten des Ovals kristallisierte sich für ihn ein wesentlicher Punkt heraus: „Der größte Unterschied zu einer normalen Rennstrecke ist auf jeden Fall der, dass man hier in eine Kurve reinfährt, ohne zu bremsen. Für mich war das etwas, woran ich mich erst einmal gewöhnen musste.“

Doch mit jeder Runde wuchs das Vertrauen. „Irgendwann wird es natürlich. Es wird zu einer Art Gewohnheit, das Muskelgedächtnis setzt ein und dann muss man sich nur noch darauf konzentrieren: ‚Okay, was will ich jetzt in dieser Kurve tun? Will ich die obere Linie ausprobieren? Die untere? Was brauche ich? Wo finde ich den meisten Grip? Wo finde ich die meiste Rundenzeit, ohne die Reifen zu ruinieren?’ In diesem Sinne war es ein wirklich guter Tag, und wir konnten viele der Punkte abarbeiten, die wir uns vorgenommen hatten.“

Spotter und Funkverkehr: Neue Kommunikation

Eine weitere Neuheit für Schumacher ist die Arbeit mit dem Spotter. Diese in den USA typischen Beobachter sind in der IndyCar essenziell, um dem Fahrer im direkten Zweikampf durchzugeben, wo sich die Gegner befinden, und so Kollisionen zu verhindern.

„Das wird eine Herausforderung und ist neu“, gab Schumacher zu. „Aber ich war schon immer ein Fahrer, der – vielleicht mehr als andere – Informationen liebt. Ich habe meine Ingenieure immer dazu gedrängt, so viel wie möglich mit mir zu sprechen. Ich schätze, das wird hier recht ähnlich sein.“

Ein technisches Detail im Funkverkehr sorgt jedoch noch für Diskussionsbedarf beim Deutschen: „Ein Punkt, den ich gegenüber meinem Team sehr deutlich angesprochen habe, war die Frage nach einem Zwei-Wege-Funksystem. Man muss erreichbar sein, auch wenn gerade jemand spricht.“

Schumacher, der aus der Formel 1 offene Kommunikationskanäle gewohnt ist, sieht hier noch Optimierungsbedarf: „Ich möchte herausfinden, wie wir das lösen können, denn aktuell haben wir das Problem: Wenn jemand zu dir spricht, kann dich kein anderer aus dem Team erreichen. Da wo ich herkomme, ist es sehr üblich, dass wir selbst während der Fahrt eine offene Diskussion führen. Das müssen wir noch klären.“

Neben dem hohen Reifenverschleiß auf der noch „grünen“ – also gummifreien – Strecke, musste sich Schumacher einer weiteren, typisch amerikanischen Hürde stellen.

„Statt über Meter sprechen wir über Fuß, Yards oder solche Dinge“, lacht Schumacher. „Das ist im Moment noch ziemlich schwierig für mich. Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der ich versuche, alles zu verstehen und zusammenzufügen.“

Tests in Sebring und Phoenix

Am Ende beendete Schumacher seinen ersten Test auf dem Oval mit einem positiven Resümee. Vor dem Saisonauftakt in St. Petersburg hat der Deutsche noch zwei weitere Tests vor sich. Im Gegensatz zum privaten Einstieg in Homestead werden diese jedoch für das gesamte Feld zugänglich sein.

Alle Teams werden am kommenden Montag und Dienstag (9./10. Februar) auf der Kurzanbindung des Sebring International Raceway testen. Dieser obligatorische Wintertest dient primär der Vorbereitung auf Stadtkurse, da die unebene Oberfläche der permanenten Rennstrecke in Sebring den Bodenwellen der Street Circuits stark ähnelt.

Der abschließende Ovaltest vor Saisonbeginn findet in der darauffolgenden Woche, am Dienstag und Mittwoch (17./18. Februar), auf dem Phoenix Raceway im US-Bundesstaat Arizona statt.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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