Sonderfall Myatt Snider: So schnell reagierte die NASCAR-Rennleitung am COTA

Sonderfall Myatt Snider: So schnell reagierte die NASCAR-Rennleitung am COTA
Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Wegen plötzlicher gesundheitlicher Probleme von Alex Bowman sprang Myatt Snider am COTA ein – Die NASCAR-Rennleitung erteilte dem gelernten Rundkursexperten nach schnellem Handeln die Freigabe für die Cup Series

Es war eine Nachricht, die den Puls der NASCAR-Verantwortlichen auf dem Circuit of the Americas (COTA) schlagartig in die Höhe trieb. Absender: Chad Knaus, Vizepräsident der Wettbewerbsabteilung bei Hendrick Motorsports. Der Inhalt signalisierte einen dringenden Notfall: Aufgrund plötzlicher gesundheitlicher Probleme von Alex Bowman musste das Team der Startnummer 48 einen sofortigen Fahrerwechsel vollziehen.

Die Wahl fiel auf Myatt Snider – mit einem entscheidenden Haken: Der 31-jährige Rennfahrer und Sohn des bekannten Reporters Marty Snider war bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Rennen in der Cup Series gefahren. Mehr noch: Als Bowmans Probleme begannen, stand Snider gerade noch für den Sender FOX Sports als Reporter in der Boxengasse.

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Eine Krisensitzung über Funk

Die Kurzfristigkeit des Antrags zwang die Rennleitung zu einer improvisierten Sitzung. Mitten im laufenden Geschehen berieten Chad Little (Rennleiter), John Probst (Leiter der Rennsportentwicklung), Elton Sawyer (Leitender Vizepräsident für Wettbewerb) und Brad Moran (geschäftsführender Direktor der NASCAR) über die Freigabe.

„Die vier entscheidenden Personen saßen im selben Raum, trugen ihre Headsets und konnten sofort Sniders Lebenslauf analysieren, der glücklicherweise sehr solide ist“, erklärte der NASCAR-Kommunikationschef Mike Forde im offiziellen Hauler-Talk-Podcast. Snider verfügte nicht nur über eine aktive Rennlizenz und einen aktuellen Drogentest, er hatte sogar seine Ausrüstung bereits vor Ort an der Strecke.

Trotz seiner Erfahrung aus 112 Starts in der O’Reilly Auto Parts Series und 13 Einsätzen in der NASCAR Euro Series war die Freigabe für die Königsklasse kein Selbstläufer. Dass die Wahl letztlich auf Snider fiel, hing eng mit der Streckencharakteristik in Austin zusammen.

„Wäre das irgendwo anders als auf dem COTA, in Martinsville oder vielleicht sogar Phoenix gewesen, wäre er wahrscheinlich nicht qualifiziert gewesen“, gab Forde offen zu. „In Darlington, Homestead oder gar auf den Superspeedways wie Daytona und Talladega hätten wir Hendrick Motorsports vermutlich sagen müssen, dass sie sich jemand anderen suchen müssen.“

Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Der technische Check

Da Snider jedoch als Experte für Rundkurse gilt, gab die Rennleitung nach etwa 15 Minuten grünes Licht – ein Prozess, der normalerweise Stunden oder gar Tage in Anspruch nimmt. Während die bürokratischen Hürden fielen, musste die technische Sicherheit garantiert werden. David Green, der technische Kommissar der NASCAR, eilte zur Box der Startnummer 48, um Snider in Empfang zu nehmen.

Er überprüfte den Sitz, das HANS-System, den Helm und die feuerfeste Kleidung. „Alle diese Punkte waren bereits abgehakt, noch bevor Myatt das Auto überhaupt erreichte“, erklärte Green. „Noch bevor er den Helm aufsetzte, prüfte ich seine Sichtlinie im Verhältnis zur Kopfstütze sowie den Winkel der Schultergurte und ähnliche Details.“

Währenddessen steuerte Bowman den Chevrolet Camaro mit etwa 24 verbleibenden Runden in die Garage. „Die schwierige Frage war: Was passiert, wenn nichts davon passt?“, so Green weiter. „Doch wir mussten nicht einmal die Sitzschalen tauschen. Myatt sah in dem Auto fast perfekt aus. Er passte wie angegossen; es war ein absolut reibungsloser Übergang.“

Grünes Licht von Hendrick

Über die genauen Hintergründe von Bowmans Beschwerden hielt sich Hendrick Motorsports bedeckt. In einer Stellungnahme war lediglich von einer „unerwarteten Situation“ die Rede. Bowman wurde im medizinischen Zentrum an der Strecke untersucht und kurz darauf entlassen.

Für Snider endete der Arbeitstag damit nicht am Mikrofon, sondern im Cockpit eines der begehrtesten Autos im Feld. Dank einer schnellen Nachricht und eines „robusten Lebenslaufs“ – darunter Rundkurs-Rennen in der NASCAR Euro Series – wurde aus einem Reporter-Job innerhalb von Minuten ein Cup-Debüt, das so wohl niemand auf der Rechnung hatte.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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