Spaß trotz Schrott für NASCAR-Legende Tony Stewart

Spaß trotz Schrott für NASCAR-Legende Tony Stewart
Foto: NASCAR Media / Kevin C. Cox/Getty Images

Das langersehnte Comeback von Tony Stewart in Daytona endete abrupt in der Mauer – Ein Unfall mit Jake Garcia zerstörte den RAM vorzeitig

Die langersehnte Rückkehr von RAM in die NASCAR begann mit einem Knall. Der Stellantis-Konzern sorgte für ordentlich Wirbel und brachte – begleitet von einer TV-Show zur Cockpit-Vergabe – auch Tony Stewart zurück in den NASCAR-Zirkus. Seit über 20 Jahren hatte Stewart kein Rennen mehr in einem Truck absolviert. Seine Rückkehr verlief jedoch anders als geplant.

Während Smoke, wie Stewart in der Szene genannt wird, mit seinem RAM auf der Außenbahn unterwegs war, verlor Jake Garcia in der mittleren Linie die Kontrolle über seinen Truck. Er krachte direkt vor den Kühler des dreimaligen NASCAR-Cup-Series-Champions und beendete damit kurz vor Ende des zweiten Segments das Stewart-Comeback abrupt.

Noch vor dem Abstellen des Trucks funkte Stewart in die Box von Kaulig Racing, dass das Fahrzeug nahezu unfahrbar sei. Die Startnummer 25 war zu stark beschädigt. Da das Auto nicht im Kampf um die Meisterschaft gemeldet war, ergab eine Weiterfahrt für die Truppe keinen Sinn.

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Feinjustierungen im Pack von Daytona

Nachdem Stewart im medizinischen Zentrum durchgecheckt wurde, stellte er sich dem Medienrummel. Zum Unfallhergang und dem Fahrverhalten äußerte er sich differenziert: „Nun, das Schwierige ist: Es war das erste Rennen für Kaulig mit einem Truck. Ich bin dieses Aero-Paket noch nie gefahren, weiß also nicht genau, wie es sich anfühlen sollte.“

„Aber ich hatte zu Beginn des Rennens nie das Gefühl, dass das rechte Hinterrad wirklich Grip aufbaute. Ein paar Mal brach er nicht wirklich aus, wurde aber extrem loose, sodass die Lenkung ganz leicht wurde – da weißt du, dass das Heck kommt. Beim ersten Stopp haben wir eine Anpassung versucht, die aber kaum Wirkung zeigte. Beim nächsten Mal schlug Alex [Yontz, Crew-Chief] eine andere Richtung ein, und darauf reagierte der Truck definitiv positiv. Das hat mir gefallen.“

Stewart führte weiter aus: „Wir hätten wahrscheinlich noch einmal so eine Anpassung gebraucht, wenn nicht sogar etwas mehr. Aber zumindest konnte ich danach schon etwas mehr am Lenkrad arbeiten, hatte mehr Kontrolle und das Gefühl, im Feld mitmischen zu können, ohne mir Sorgen machen zu müssen. Ich wusste, wir brauchen noch einen Stopp, also wollte ich nicht übermütig werden. Aber ich fühlte mich oben in der dritten Spur wohl und hatte nicht den Eindruck, uns in Gefahr zu bringen. Ich bin mir nicht sicher, was genau zum Unfall führte, aber wir haben dabei leider den Kürzeren gezogen.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Spaß am Duell

Auf die Frage, was ihn hinter dem Lenkrad in den rund 40 Runden am Freitagabend überrascht habe, zeigte sich Stewart glücklich darüber, wieder echtes Rundstrecken-Rennen erlebt zu haben.

„Beim Drag-Racing habe ich keine Chance mehr auf Rad-an-Rad-Duelle; da willst du niemanden in der Nähe haben, wenn du 300 Meilen pro Stunde fährst“, sagte Stewart. „Aber es hat Spaß gemacht, hierher zurückzukommen. Es war spannend zu beobachten, welchen Fahrstil diese Kids an den Tag legen. Die Jungs, deren Trucks von Anfang an gut lagen, fuhren aggressiv. Ich dachte nur: ‚Mann, ich wünschte, ich hätte das Vertrauen, das auch zu tun.‘“

„Aber es wurde spaßiger, als unsere Balance besser wurde. Ich kam langsam an den Punkt, wo ich merkte: Für die mittlere Spur im Three-wide reicht es noch nicht ganz, dafür waren wir nicht tight genug. Aber die Änderungen brachten die Balance viel näher an den Punkt, wo das möglich gewesen wäre.“

Auf die Frage, ob Stewart noch einmal fahren würde, ließ er mit den Worten „sag niemals nie“ alles offen. Möglichkeiten, den Truck erneut zu steuern, gäbe es, da die Nummer 25 ein Fahrzeug mit wöchentlich wechselnden Fahrern ist. Laut ihm ist aber Stand jetzt nichts weiter geplant. Was Smoke allerdings kategorisch ausschließt, sind Gastauftritte im Cup oder beim Daytona 500, wie er bereits in der Media-Woche vor dem „Great American Race“ klargestellt hatte:

„Wir könnten morgen Nacht jede einzelne Runde anführen, und ich würde trotzdem nicht für das Daytona 500 zurückkehren“, so Stewart. „Ich bin nach all den Jahren ziemlich gut darin geworden, ‚niemals‘ zu sagen. Ihr werdet mich nicht beim Daytona 500 sehen.“

Auch wenn er der höchsten NASCAR-Liga abgeschworen hat, merkte er eine philosophische Konstante an: „Es gibt eine Sache, die sich nicht ändert, wenn du nach Daytona oder Talladega kommst: die Luft. Die Luft ist dieselbe“, sagte Stewart. „Egal, wie sehr sich die Technologie verändert hat, die Physik der Luft hat sich nicht verändert.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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