Statistik-Omen: Warum der Palou-Sieg in Alabama die Konkurrenz erzittern lässt
Alex Palou dominierte in Alabama und sendete eine deutliche Warnung an die Konkurrenz – Ein bitterer Fehler beim Boxenstopp stoppte die Aufholjagd von McLaren
Alex Palou hat am Sonntag den Alabama Indy Grand Prix auf dem Barber Motorsports Park dominiert und mit einem Vorsprung von über 13 Sekunden seinen zweiten Saisonsieg in der IndyCar-Serie 2026 eingefahren. Der Spanier startete von der Pole-Position, führte 79 der 90 Runden an und festigte mit diesem Erfolg im Chip-Ganassi-Honda seine Rolle als Titelfavorit, während er den Rückstand auf Tabellenführer Kyle Kirkwood bis auf zwei Zähler verkürzte.
Hinter dem aktuellen Champion sicherten sich Christian Lundgaard (McLaren) und Graham Rahal (RLL) die weiteren Podestplätze in einem Rennen, das einmal mehr im Zeichen der puren Überlegenheit der Startnummer 10 stand.
Es war ein Tag, an dem Palou fast in einer eigenen Liga fuhr, auch wenn er selbst von kleinen Schwächen auf gebrauchten Reifen sprach. „Ein unglaublicher Tag“, bilanzierte der Sieger sichtlich zufrieden. „Ich habe schon nach dem Qualifying gesagt, dass das Auto eine der besten Balancen hatte, die ich je gefahren bin. Im Rennen war es am Anfang gut und am Ende richtig stark, auch wenn wir auf den gebrauchten harten Reifen etwas gelitten haben.“
Für die Konkurrenz ist dieser Triumph ein schlechtes Omen, denn die Statistik spricht eine deutliche Sprache. In den Jahren seiner bisherigen Siege in Alabama krönte sich Palou am Ende der Saison stets zum Champion. Mit seinem nunmehr dritten Erfolg auf dieser malerischen Berg-und-Tal-Bahn unterstrich er, dass der Weg zum Titel auch in diesem Jahr nur über ihn führen wird.
Lundgaard war der Einzige, der Palou phasenweise gefährlich werden konnte, bis die Technik in der Boxengasse streikte. Während Palou auf den härteren Reifen Zeit verlor, knabberte der Däne den Vorsprung sukzessive ab und lag vor dem letzten Stopp in Schlagdistanz. „Ich denke schon, dass wir ihn hätten kriegen können“, grübelte Lundgaard nach dem Rennen über die verpasste Chance.
Das Unheil nahm beim letzten Service in Runde 69 seinen Lauf, als der Reifenwechsel hinten rechts klemmte. Der Stopp dauerte quälende 17,8 Sekunden – fast neun Sekunden zu lang für die Ansprüche in der IndyCar-Serie. Lundgaard fiel dadurch hinter Graham Rahal zurück, womit das Duell um den Sieg vorzeitig entschieden war.
Trotz des Rückschlags bewies Lundgaard Kämpferherz und schnappte sich drei Runden vor Schluss mit einem beherzten Manöver in Kurve 5 den zweiten Platz zurück. „Am Ende des Tages wollte ich da rausgehen und Graham wieder überholen“, erklärte der McLaren-Pilot. „Einfach um den Fehler wiedergutzumachen und ein Statement zu setzen: Wir haben es drauf.“
Rahal rettete den dritten Platz ins Ziel und feierte damit sein erstes Podium seit dem Sommer 2023. Der Routinier hatte den Aufschwung bei Rahal Letterman Lanigan Racing bereits gespürt und zeigte sich nach der Hitzeschlacht erleichtert. „Ich habe gefühlt, dass das kommen würde“, so Rahal, der sich in der Schlussphase erfolgreich gegen die Angriffe von David Malukas wehrte.
Malukas bestätigte derweil seine starke Form im Penske-Chevrolet und beendete das Rennen auf dem vierten Rang. Der Youngster hat damit in drei seiner ersten vier Einsätze für das Traditionsteam ein Top-6-Ergebnis eingefahren. Er hielt den Anschluss zur Spitze, kam aber am Ende nicht mehr entscheidend an Rahal vorbei.
Tabellenführer Kyle Kirkwood komplettierte die Top 5 in einem Rennen, das ohne eine einzige Gelbphase über die Bühne ging. Damit landeten fünf verschiedene Teams auf den ersten fünf Plätzen, was die Leistungsdichte hinter dem enteilten Palou unterstreicht. Dennoch verlor Kirkwood wertvollen Boden in der Meisterschaft und spürt nun den Atem des Champions im Nacken. Mick Schumacher wurde am Ende nur auf Platz 24 gewertet.
Das Feld der IndyCar-Serie zieht nun weiter an die Westküste, wo in drei Wochen der nächste Klassiker wartet. Am 19. April steht der prestigeträchtige Grand Prix von Long Beach auf dem Programm, bei dem Palou versuchen wird, die Tabellenführung endgültig zu übernehmen.
IndyNXT in Barber
Nikita Johnson staubte am Samstag im ersten Lauf der Indy NXT den Sieg ab, nachdem er eiskalt von einem späten Drama an der Spitze profitierte. Der 17-Jährige aus dem Team Cape Motorsports übernahm acht Runden vor Ende die Führung, als sich der dominierende Polesitter Alessandro de Tullio und sein Verfolger Max Taylor im dichten Überrundungsverkehr gegenseitig von der Bahn kegelten.
„Ich wusste, wie hart die beiden gegeneinander kämpfen, also habe ich einfach eine Lücke gelassen und auf das Chaos gewartet“, gab der abgeklärte Youngster nach dem Rennen zu Protokoll. Johnson verteidigte die Spitzenposition nach dem fälligen Restart souverän gegen Enzo Fittipaldi sowie Tymek Kucharczyk und baute mit seinem zweiten Saisonsieg die Tabellenführung in der IndyCar-Nachwuchsserie weiter aus.

Einen Tag nach dem herben Rückschlag im ersten Lauf folgte für de Tullio die große Erlösung: Der Rookie feierte am Sonntag im Barber Motorsports Park seinen ersten Karrieresieg in der Indy NXT und beendete damit eine 23-jährige Durststrecke für das legendäre Team von A.J. Foyt. De Tullio kontrollierte das Geschehen von der Pole-Position aus über die gesamten 30 Runden, obwohl ihm Samstags-Pechvogel Taylor bis zum Zielstrich dicht im Nacken saß.
„Wir wussten, dass wir es schon in Arlington oder gestern hätten schaffen können, aber beim dritten Mal hat es endlich geklappt“, atmete de Tullio nach der Zieldurchfahrt tief durch. Während Nikita Johnson mit Rang drei seine Tabellenführung festigte, markierte dieser Erfolg einen historischen Meilenstein für die Truppe von Foyt, die zuletzt im Mai 2003 mit Ed Carpenter einen Sieg in der offiziellen IndyCar-Nachwuchsserie bejubeln durfte.
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Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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