Strategie-Debakel in Alabama: Mick Schumacher im Reifen-Labyrinth
Mick Schumacher erlebte ein Strategiechaos im Barber Motorsports Park – Damit bleibt der Deutsche Schlusslicht der IndyCar Series
Mick Schumacher hat am Sonntag im Barber Motorsports Park sein erstes fehlerfreies IndyCar-Rennen beendet, kam jedoch aufgrund einer missglückten Reifenstrategie seines Teams Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) nicht über den 24. Platz hinaus.
Während Alex Palou den Grand Prix von Alabama vor Christian Lundgaard gewann, kämpfte Schumacher auf den falschen Reifen am Ende des Feldes. Hat eine missverstandene Regeländerung bezüglich der weichen „Alternate“-Pneus dem Deutschen jede Chance auf eine Platzierung im Mittelfeld gekostet?
Der Youngster erwischte zunächst einen soliden Start und schob sich im ersten Stint bis auf Rang 19 vor. Doch die Entscheidung der RLL-Ingenieure, Schumacher bereits nach 14 Runden zum Dienst an der Box zu rufen, markierte den Anfang vom Ende seines Vorwärtsdrangs. Das Team setzte konsequent auf die weichen Reifen mit der roten Seitenwand, die sich auf dem permanenten Rundkurs als massiver Nachteil entpuppten.
Anstatt nach dem ersten Einbruch auf die härtere, stabilere Mischung zu wechseln, ließen die Strategen Schumacher fast das gesamte Rennen auf den „Reds“ verhungern. „Ich bin ehrlich, ich habe es vermasselt, weil ich ganz ehrlich dachte, dass die Regel besagt, dass man heute zwei ‚Alts‘ fahren muss“, gestand Teamkollege Graham Rahal später schockiert. Diese Regel gilt jedoch in der Saison 2026 nur für Stadtkurse, nicht für klassische Rennstrecken wie Birmingham, wo die Reds nur einmal genutzt werden müssen.
Die Verwirrung in der RLL-Box war offenbar grenzenlos, da man Mick Schumacher in gleich drei Stints mit den ungeliebten weichen Reifen auf die Bahn schickte. Selbst der spätere Sieger Alex Palou zog zehn Runden alte harte Reifen einem frischen Satz der weichen Mischung vor. Schumacher hingegen rutschte hoffnungslos ans Ende des Tableaus durch und konnte lediglich seinen Teamkollegen Louis Foster hinter sich lassen.
Trotz der strategischen Misere gab es einen Lichtblick in Sachen purer Rennintelligenz. Schumacher lieferte sich beim letzten Boxenstopp ein direktes Duell mit Champion Palou und hielt diesen am Boxenausgang kurzzeitig in Schach. Er leistete damit wertvolle Schützenhilfe für Graham Rahal, der zu diesem Zeitpunkt noch um den Sieg kämpfte.
Rahal selbst rettete die Ehre des Teams und fuhr als Dritter auf das Podium, was sein bestes Ergebnis seit zweieinhalb Jahren markierte. Er konnte sich am Ende knapp gegen David Malukas im Penske-Boliden wehren, der mit massig Push-to-Pass-Sekunden im Getriebe drückte. Dass Schumacher trotz identischem Setup so weit hinter Rahal zurückfiel, bleibt für das Team ein Rätsel, das bis Long Beach gelöst werden muss.
Am Setup allein kann es nicht gelegen haben, denn laut Rahal waren die Autos der Teamkollegen identisch abgestimmt. Einzig das höhere Körpergewicht des Routiniers gegenüber dem Rookie könnte die Gewichtsverteilung und damit den Reifenverschleiß beeinflusst haben. Für Mick Schumacher bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass er die Distanz nun problemlos beherrscht, sein Team ihn aber in der Regelkunde im Stich ließ.
In der Meisterschaft bleibt Kyle Kirkwood trotz des Sieges von Palou hauchdünn an der Spitze. Die IndyCar-Serie gönnt sich nun eine dreiwöchige Pause, bevor am 19. April der prestigeträchtige Klassiker in den Straßenschluchten von Long Beach auf dem Programm steht. Dort greifen dann auch offiziell die neuen Reifenregeln, die Schumacher in Alabama bereits unfreiwillig ausbremsten.
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Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





