Wegen Beinbruch im Winter: Brad Keselowski humpelte mit Gehstock zum Auto

Wegen Beinbruch im Winter: Brad Keselowski humpelte mit Gehstock zum Auto
Foto: NASCAR Media / Jared C. Tilton/Getty Images

NASCAR-Champion Brad Keselowski kehrt nach schwerem Oberschenkelbruch in Daytona zurück – Doch die Details seiner Leidenszeit haben es in sich

Es war ein ungewohntes Bild, das sich am Mittwochmorgen im Fahrer des Daytona International Speedway bot: Brad Keselowski, Champion von 2012 und Miteigentümer von RFK Racing, humpelte zu seinem Ford Mustang. In der Hand? Ein Gehstock.

Dass dieser – ganz NASCAR-Profi – standesgemäß mit Sponsorenlogos beklebt war, versteht sich von selbst. „Ich wusste, dass ich wahrscheinlich ein wenig aufgezogen werde, also kann ich es auch gleich offensiv angehen“, scherzt Keselowski über die Aufkleber-Aktion. „Ich sage nicht, dass es meine Idee war, aber es war eine gute.“

Die Angst vor dem Karriereende

Hinter dem Humor verbirgt sich jedoch eine dramatische Leidenszeit. Es ist weniger als zwei Monate her, dass sich Keselowski beim Skifahren den rechten Oberschenkelknochen brach. Nach der notwendigen Operation folgte eine harte Rehabilitation. Erst Anfang dieser Woche erhielt er nach einem Belastungstest auf dem Charlotte Motor Speedway die medizinische Freigabe der NASCAR.

Das Training zum Daytona 500 war das erste Mal seit dem Unfall, dass Keselowski wieder echte Renngeschwindigkeit spürte. Den „Clash“ im Bowman Gray Stadium eine Woche zuvor musste er noch auslassen – dort wurde er durch Corey LaJoie ersetzt.

„Ich bin jetzt acht Wochen dabei“, blickt er zurück. „In den ersten drei bis fünf Wochen stand die Frage im Raum, ob ich jemals wieder laufen kann – geschweige denn ein Rennauto fahren. Das waren die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen.“

Die Ungewissheit war sein ständiger Begleiter: „Bis man in einem Rennwagen sitzt, der 300 km/h fährt, weiß man es einfach nicht. Man weiß nicht, wie es sich anfühlen wird.“

Die schlimmsten Schmerzen der Karriere

Wie intensiv die Verletzung war, verdeutlicht eine morbide Anekdote, die Keselowski am Medientag zum Besten gab. Angesprochen von seinem Fahrerkollegen Chase Briscoe auf die Schmerzen unmittelbar nach dem Bruch, erinnert sich Keselowski an einen dunklen Moment:

„Als ich am Boden lag und völlig bewegungsunfähig war, dachte ich: ‚Oh mein Gott, denkt an die Soldaten im Bürgerkrieg. Die würden einem hier einfach das Bein absägen.'“

Er meint das völlig ernst: „Ich habe verstanden, warum sie das tun würden. Es tat so weh. Es war bei weitem der schlimmste Schmerz, den ich je erlebt habe. Ein Teil von mir dachte: ‚Das [Absägen] würde sich vielleicht sogar besser anfühlen.'“

Plan B steht bereit: Die Herausforderung COTA

Obwohl Keselowski im Training zehn Runden drehte und sich „im Auto eigentlich am besten“ fühlt – auch dank eines maßgefertigten Sitzes und des Adrenalins – geht RFK Racing kein Risiko ein. David Ragan steht in Daytona als Ersatzfahrer bereit, sollte Keselowski das Rennen vorzeitig beenden müssen.

Besonders Sorgen bereitet dem RFK-Boss jedoch der Circuit of the Americas (COTA) im März. Die Belastungen auf einem Rundkurs sind ungleich höher.

„Wenn das Rennen heute wäre, glaube ich nicht, dass ich es schaffen würde“, gesteht er. Für das Wochenende in Texas ist daher bereits Road-Course-Spezialist Joey Hand als Ersatzmann nominiert.

Eine beeindruckende Serie steht auf dem Spiel

Für Keselowski geht es in Daytona auch um seine beeindruckende Statistik. Seit er 2010 Vollzeit-Pilot in der Cup-Serie wurde, hat er kein einziges Punkterennen verpasst. 580 Starts in Folge stehen in seinen Büchern (insgesamt 593).

Den Sieg seines Teamkollegen Ryan Preece beim Clash musste er noch vom Sofa aus verfolgen – ein Moment mit gemischten Gefühlen.

„Es gab Momente, in denen ich super enttäuscht war, nicht dabei zu sein. Als es zur Halbzeit anfing zu regnen und zu graupeln, gehörte dieser Moment allerdings nicht dazu“, lacht er. „Aber zu sehen, wie Ryan gewonnen hat, war großartig. Ich hoffe, ich bekomme diese Chance in einem Punkterennen auch bald wieder.“

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
Facebook
X (Twitter)
YouTube
Instagram