Nach Arrow-McLaren-Aus: Nolan Siegel setzt alles auf eine IndyCar-Karte
Nach seinem Abschied bei Arrow McLaren steht Nolan Siegel ohne Cockpit da – Er will den Traum von der IndyCar-Serie aber keinesfalls begraben – Während Gerüchte über ein IMSA-Engagement die Runde machten, stellt der 21-Jährige klar, dass sein voller Fokus auf dem Monoposto-Verbleib liegt
Nolan Siegel befindet sich nach seinem Abschied von Arrow McLaren auf Cockpitsuche und kämpft mit Hochdruck um einen Vollzeitplatz im IndyCar-Starterfeld 2027. Der 21-jährige US-Amerikaner blickt nach zweieinhalb Jahren beim Team, drei Top-10-Ergebnissen in der abgelaufenen Saison und einem starken sechsten Rang in Washington, D.C. auf eine intensive Zeit zurück. Auf einem stark ausgedünnten Fahrermarkt bleiben für den Kalifornier mit AJ Foyt Racing, Dale Coyne Racing und Juncos Hollinger Racing nur noch wenige Türen für ein Vollzeit-Platz offen.
Obwohl Siegel mit einem LMP2-Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans 2024 und Triumphen in der IMSA-Serie ein exzellentes Zeugnis im Prototypensport vorweisen kann, bleibt der Formelsport seine unangefochtene Nummer eins. „Ich habe es immer geliebt, in der IMSA und bei Langstreckenrennen anzutreten – das ist also nichts, worüber ich unglücklich wäre“, stellt Siegel gegenüber Motorsport.com klar. „Aber an dem Punkt, an dem ich jetzt stehe, habe ich meine gesamte Karriere lang so viel investiert, um es in die IndyCar zu schaffen. Und mit diesem Traum bin ich noch nicht fertig. Daher würde ich liebend gerne in der IndyCar bleiben.“

Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen auf Hochtouren, spruchreif ist jedoch noch nichts. „Es ist noch nichts unter Dach und Fach“, betont das Nachwuchstalent. „Daher habe ich an dieser Front noch nichts zu vermelden, aber es ist sicherlich nicht unmöglich und definitiv etwas, worauf ich hart hinarbeite. Ich versuche mit aller Macht, etwas in der IndyCar auf die Beine zu stellen, und genau dort will ich sein.“
Zuletzt kochten im Fahrerlager des IMSA-Finales Petit Le Mans Gerüchte hoch, die Siegel mit einem zweiten Kundenfahrzeug von JDC-Miller MotorSports in Verbindung brachten. Diesen Spekulationen schiebt er einen unmissverständlichen Riegel vor: „Ich sitze nicht in diesem zweiten JDC-Auto.“
Zwar schätzt er Teamchef John Church und das Langstrecken-Umfeld sehr, doch ein Sportwagenprogramm genießt aktuell keine Priorität. „Dort drüben gibt es eine Menge großartiger Teams, für die ich gerne fahren würde“, so Siegel weiter. „Ich wäre liebend gerne Teil ihres Programms, aber an dieser Front ist nichts zusammengekommen – und ich würde sagen, das wird es wohl auch nicht, bis der IndyCar-Deal steht.“ Er habe jedem klargemacht: „IndyCar ist die Priorität und ich will dort in Vollzeit antreten. Wenn ich dort drüben etwas machen würde, ginge das auf Kosten von etwas anderem. Es ist im Moment also schlichtweg ein Geduldsspiel auf der IndyCar-Seite.“
Die zweieinhalb Jahre im McLaren-Umfeld bezeichnet Siegel trotz des Endes der Zusammenarbeit als wertvolle Reifeprüfung. „Wenn ich darauf zurückblicke, fühle ich mich wie ein völlig anderer Mensch und Rennfahrer als zu Beginn“, resümiert er. „Ich habe enorm viel gelernt – nicht nur fahrerisch, denn in einer Organisation dieser Größenordnung gehört so viel mehr dazu. Es war eine komplett andere Erfahrung als bei jedem anderen Rennteam zuvor.“
Vor allem auf mentaler Ebene hat der Youngster spürbare Fortschritte verbucht und gelernt, sich von unkontrollierbaren Rennverläufen freizumachen. „Ich bin wirklich stolz auf meine persönliche Entwicklung“, hält Siegel fest. „Daraus zu lernen und seine eigene Leistung vom nackten Ergebnis sowie von externen Faktoren zu trennen, ist unheimlich schwer – damit hatte ich anfangs zu kämpfen. Am Ende ist mir das deutlich besser gelungen.“
Sein Vertrauen in den eigenen Speed ist trotz schwankender Ausbeute ungebrochen. „Ich hatte das Gefühl, dass meine persönliche Leistung gegen Ende der letzten Saison genau dort war, wo sie sein musste. Darauf war ich stolz, auch wenn die Resultate das oftmals nicht widergespiegelt haben.“ Ob ihn dieser Lernprozess am Ende zurück in die Startaufstellung spült, werden die kommenden Wochen auf dem Fahrermarkt zeigen.
Guter Journalismus braucht mehr als Vollgas: Er braucht Treibstoff für Recherchen, Reisen, Technik und Lebensunterhalt. Leadlap.de liefert dir fundierte Hintergründe ohne Bezahlschranke. Wenn du den virtuellen Tank für die nächste Analyse füllen oder einen schnellen Espresso an die Boxenmauer schicken möchtest, hilft jeder Beitrag direkt weiter.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.