„Keine Teamkollegen auf dem Weg zur Ziellinie“: In Charlotte gab Bell gegen Briscoe alles
Wenn die Zielflagge fällt, endet jede Freundschaft: Christopher Bell und Chase Briscoe schenkten sich im engsten Finish der Saison auf dem Charlotte Motor Speedway keinen Millimeter – Am Ende fehlten Bell winzige 0,029 Sekunden zum Triumph, doch viel schwerer wiegt der Frust über den nächsten verschenkten Sieg
Christopher Bell hat den Sieg auf dem Charlotte Motor Speedway im engsten Finish der NASCAR-Cup-Saison 2026 um winzige 0,029 Sekunden gegen seinen Joe-Gibbs-Teamkollegen Chase Briscoe verpasst. Der Toyota-Pilot schloss in den letzten beiden Umläufen wie entfesselt zum Führenden auf und zog auf der Zielgeraden gleich, musste sich beim Überqueren des Zielstrichs aber hauchdünn geschlagen geben. Für Bell ist die verpasste Krönung dieser Aufholjagd der bereits achte zweite Platz des Jahres, der im Kampf um den Titel richtig wehtut.
Auf den letzten Metern zur Ziellinie existierten für Bell weder Stallorder noch Rücksicht auf die gemeinsame Organisation. „Auf dem Weg zur Ziellinie sind wir keine Teamkollegen mehr“, stellte ein sichtlich bedienter Bell nach dem Rennen unmissverständlich klar. „Ich denke, er hätte genau dasselbe mit mir gemacht. Ehrlich gesagt hat es mich selbst überrascht, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, überhaupt noch dorthin zu kommen.“

Am Ausgang der letzten Kurve eskalierte das Duell der beiden Gibbs-Boliden endgültig, als sie bei Top-Speed mit den Türen aneinanderknallten. Die wuchtige Berührung brachte beide Autos aus der Balance und ließ sie querstehend über die Start-Ziel-Gerade schlittern. Bell verrenkte im Cockpit den Kopf extrem nach rechts, um Briscoes Stoßstange im direkten Drag-Race keine Sekunde aus den Augen zu verlieren.
„Ich hätte wahrscheinlich einfach noch härter draufbleiben sollen“, haderte Bell mit seiner Entscheidung im finalen Beschleunigungsduell. „Mein Auto wurde etwas unruhig und ich dachte, ich könnte ihn im Beschleunigungsduell noch abfangen.“
Dabei hatte Bell seinen Renntag rund 35 Runden vor Schluss innerlich schon abgehakt, als ihn ein heftiger Drift weit zurückwarf. Umso überraschter war der Titelaspirant, als Briscoe an der Spitze plötzlich dramatisch an Tempo verlor und ihm die Tür zum Sieg noch einmal aufriss.

Genau dieser verpasste Coup nagt gewaltig an den Nerven des Darlington-Siegers, denn in den Playoffs lässt jeder zweite Rang wertvolle 20 Punkte liegen. „In diesem Sport geht es ums Gewinnen, und wir haben heute nicht gewonnen – das ist alles“, bilanzierte ein ernüchterter Bell. Auch das scheinbar überlegene Paket der Startnummer 20 tröstete ihn nicht: „Auf dem Papier sieht man das eben nicht.“
In der Boxengasse herrschte nach dem Zieldurchlauf Fassungslosigkeit bei Fahrer und Crew. Zusammen mit Crew-Chief Adam Stevens stand Bell vor den Daten und suchte nach Erklärungen für den verpassten Triumph. „Niemand an unserem Auto hat damit gerechnet, dass es so endet, aber so ist es nun einmal“, brachte Bell die Ernüchterung abschließend auf den Punkt.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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