Reaktion auf Defekt-Welle: NASCAR lockert Bremsen-Regeln für Phoenix
Nach einer Serie von Bremsdefekten zieht NASCAR rechtzeitig vor dem Rennwochenende in Phoenix die Reißleine – Die Teams der Cup-Serie dürfen nach dem Qualifying nun offiziell ihre vorderen Bremsbeläge und Bremsscheiben austauschen, um Ausfälle auf dem Ein-Meilen-Oval zu verhindern
NASCAR zieht nach einer Serie von Bremsdefekten die Reißleine und lockert für das anstehende Rennwochenende auf dem Phoenix Raceway das Reglement. Die Teams der NASCAR Cup Series erhalten am Samstag nach Abschluss von Training und Qualifying offiziell die Erlaubnis, die vorderen Bremsscheiben und Bremsbeläge auszutauschen. Damit reagieren die Regelhüter unmittelbar auf die gravierenden Probleme, die zuletzt mehrere Piloten auf kurzen Kursen unvermittelt in die Mauer krachen ließen.
Die Anweisung an die Crews fiel unmissverständlich aus. Den Teams wird auf dem Ein-Meilen-Oval die Option eingeräumt, nach der Zeitenjagd ausschließlich die vorderen Scheiben und Beläge zu demontieren und durch frische Komponenten zu ersetzen. Sämtliche anderen Teile der Bremsanlage bleiben unter strenger Versiegelung und dürfen während dieses Zeitfensters nicht angerührt werden. An der Hinterachse bleibt NASCAR beim etablierten Prozedere: Eine Inspektion ist erst im Rahmen der Vorstart-Arbeiten am Sonntag gestattet, etwaige Schäden werden einzeln bewertet.
Der Schritt ist die direkte Folge einer Pannenserie, die sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Rennen zog. Sowohl in Nashville und Iowa als auch in New Hampshire und zuletzt auf dem World Wide Technology Raceway bei St. Louis kämpften etliche Rennställe mit überhitzten, kollabierenden Bremsen. Mehrere Crew-Chiefs hatten hinter den Kulissen vehement darauf gedrungen, einen Tausch identischer Beläge zuzulassen, um das Sicherheitsrisiko vor dem eigentlichen Hauptrennen zu minimieren.

Weil eine lückenlose Überwachung von baugleichen Komponenten im Trubel des Fahrerlagers kaum umsetzbar wäre, ging NASCAR sogar einen Schritt weiter und lässt den Teams an der Vorderachse komplett freie Hand. NASCAR-Cup-Series-Direktor Brad Moran stellte bei SiriusXM NASCAR Radio klar, dass die enorme Belastung in der Wüste von Arizona ein Umdenken erforderte.
„Wir haben entschieden, dass wir die Teams zumindest einen Blick auf ihre Bremsen werfen lassen“, erklärt Moran den Kurswechsel. „Wenn sie die Beläge wechseln müssen – was bei unseren Impound-Regeln eigentlich unüblich ist –, haben wir dafür nun ein klares Verfahren eingerichtet. Phoenix ist eine Strecke, die den Bremsen extrem viel Energie abverlangt. Mit weniger Abtrieb und mehr Leistung wird das eine spürbare Umstellung. Es dürfte verdammt spannend werden zu sehen, wie die Autos mit der zusätzlichen Power dort funktionieren.“
Verpflichtend ist der Service im Parc Ferme für die Mechaniker allerdings nicht. Jeder Rennstall entscheidet eigenverantwortlich, ob er nach dem Kampf um die Pole-Position noch einmal Hand an die Bremszangen legt.
„Es gibt hier kein Limit“, betont Moran mit Blick auf die Wahlfreiheit der Teams. „Wenn ein Team sich dazu entscheidet, die Bremsbeläge zu tauschen, liegt das ganz bei ihnen. Bei den Bremsscheiben haben wir einen Wechsel schon immer erlaubt, sofern sie nachweislich beschädigt waren. Das gilt bereits seit der Einführung des Next-Gen-Autos im Jahr 2022.“
Dennoch setze im Feld nicht jede Boxencrew auf denselben Ansatz bei der Abstimmung. „Manche Teams verzichten lieber darauf, andere haben ihre ganz eigene Philosophie, wie sie das System im Zaum halten“, ordnete Moran die Dynamik im Fahrerlager ein. „Die Teams dürfen an den Bremsen ohnehin einiges anstellen. Wir geben ihnen nun einfach die Gelegenheit sicherzustellen, dass alles passt – in der Hoffnung, dass wir in Phoenix von weiteren Bremsdefekten verschont bleiben.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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