Erlösung nach 23 Rennen: Tyler Reddick schlägt im Phoenix-Showdown eiskalt zu, Larson verliert Boden

Erlösung nach 23 Rennen: Tyler Reddick schlägt im Phoenix-Showdown eiskalt zu, Larson verliert Boden
Foto: NASCAR Media / Meg Oliphant/Getty Images

Tyler Reddick hat seine monatelange Sieglos-Serie auf dem Phoenix Raceway mit einem späten Manöver beendet – Gleichzeitig sorgte ein Reifenschaden von Tabellenführer Kyle Larson für ein spannendes Titelrennen in den letzten drei Saisonläufen

Tyler Reddick hat am Sonntagabend auf dem Phoenix Raceway den Freeway Insurance 500 gewonnen und damit seine 23 Rennen andauernde Durststrecke in der NASCAR Cup Series 2026 beendet. Der Pilot von 23XI Racing setzte sich nach einem Restart in Runde 294 gegen Chase Briscoe durch und verwies Pole-Setter Ryan Blaney mit 0,801 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. Durch den zeitgleichen Ausfall von Spitzenreiter Kyle Larson, der nach einem Mauereinschlag nur auf Rang 34 gewertet wurde, ist der Meisterschaftskampf drei Rennen vor Saisonende völlig neu entflammt.

Nach einem furiosen Saisonstart mit fünf Siegen in den ersten neun Rennen war Reddick monatelang sieglos geblieben. Entsprechend groß war die Erleichterung beim Fahrer des Toyota mit der Startnummer 45 nach seinem riesigen Burnout vor der Haupttribüne.

„Das hat viel zu lange gedauert“, pustete ein gelöster Reddick durch. „Wir haben extrem hart gearbeitet, denn nach dem Rennen im März wollten wir bei unserer Rückkehr nach Phoenix unbedingt deutlich besser sein. Ich denke, diesen Haken haben wir gesetzt. Diese Truppe hat nie die Motivation verloren, nie den Antrieb aufgegeben, weiterzusuchen und Wege zu finden, um besser zu werden. Heute hatte ich einfach von Beginn an ein verdammt gutes Gefühl, das Training lief bereits fantastisch.“

Den Grundstein für seinen 14. Karrieresieg legte Reddick in der turbulenten Schlussphase des Rennens auf dem Ein-Meilen-Oval. Nach dem letzten Restart nutzte er eine Lücke auf der Innenbahn eiskalt aus, schnappte sich Briscoe, der auf älteren Reifen zurückfiel, und fuhr auf und davon.

„Ich hatte wirklich Glück“, gab Reddick offen zu Protokoll. „Mein Start war eigentlich gar nicht gut, aber plötzlich ging eine Lücke auf und ich konnte reinstechen. Ich dachte eigentlich, dass die Startnummer 19 meinen Angriff in Kurve 3 noch abwehren kann. Aber ich habe sein Heck unruhig gemacht, bin durchgeschlüpft und wir waren weg.“

Hinter Reddick und Blaney überquerte Chase Elliott die Ziellinie als Dritter, gefolgt von Christopher Bell, der mit 85 Führungsrunden der dominierende Mann des Tages war. Bell verkürzte seinen Rückstand in der Gesamtwertung auf Spitzenreiter Larson drastisch auf nur noch fünf Zähler.

„Wir sind mittendrin im Titelkampf“, bilanzierte Bell selbstbewusst. „Ich bin wirklich stolz auf das Team, denn die Jungs bringen konstant schnelle Autos an die Strecke und ziehen die Rennen sauber durch. Gegen Ende schien unsere Pace zwar etwas nachzulassen, aber die späten frischen Reifen und die starken Restarts haben uns gerettet.“

Larson erlebte hingegen einen rabenschwarzen Sonntag in der Wüste von Arizona. Nach Startplatz 22 fand der Hendrick-Pilot nie in seinen Rhythmus, ehe in Runde 283 in Kurve 1 der rechte Vorderreifen platzte und sein Chevrolet in die Mauer einschlug.

„Wir haben einfach nie die Verbesserungen gefunden, die wir gebraucht hätten – das war extrem frustrierend“, haderte Larson nach dem Ausfall. „Ich hatte nicht erwartet, vorne mitzumischen, aber ich habe auch nicht gedacht, dass es so mies laufen würde. Jetzt fahren wir nach Talladega, haken diesen Tag ab und greifen wieder an. Auf den Superspeedways waren wir immer stark.“

Weil Reddick siegte und damit keinem der direkten Titelrivalen den vollen Punkte-Bonus überließ, hielt Larson die Tabellenführung hauchdünn. Dennoch liegen nun sechs Piloten innerhalb von 56 Punkten, darunter auch Denny Hamlin, der trotz eines Reifenschadens und einer Speeding-Strafe auf Rang 28 ins Ziel humpelte.

„Der Beginn war zäh, aber in der zweiten Rennhälfte waren wir im Verkehr bärenstark“, erklärte Hamlin sichtlich bedient. „Wir hätten um den Sieg mitfahren können. Ich war im Zweikampf um Platz drei direkt an Briscoe dran, als plötzlich der Reifen hochging.“

Auch Joey Logano trauerte einer verpassten Siegchance hinterher. Der Penske-Fahrer fegte dominant durch die ersten beiden Rennabschnitte und sicherte sich beide Stage-Siege, verlor bei den Boxenstopps jedoch entscheidenden Boden und wurde am Ende Sechster.

„Es war Licht und Schatten“, urteilte Logano. „Das Positive ist, dass wir sauschnell waren, viele Runden angeführt und zwei Stages gewonnen haben. Das Negative ist, dass wir den Sieg weggeworfen haben, was wehtut. Aber wir haben fast 50 Punkte auf den Leader gutgemacht, also darf man nicht zu wütend sein.“

Reddicks Teamkollege Bubba Wallace führte das Rennen über 52 Runden an, verspielte ein Top-Ergebnis jedoch durch ein Tempovergehen in der Boxengasse während der Larson-Gelbphase und wurde als 17. abgewinkt. Die Top 10 komplettierten Corey Heim, Daniel Suarez, Briscoe, Ross Chastain und Ty Gibbs.

Das 500-Meilen-Rennen bot den Zuschauern bei sechs Gelbphasen über insgesamt 43 Runden nicht weniger als 21 Führungswechsel zwischen zehn verschiedenen Fahrern. Schon am kommenden Wochenende geht die heiße Phase der Meisterschaft weiter, wenn das Feld auf dem gefürchteten Hochgeschwindigkeitsoval von Talladega antritt.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.