Fahrer reagieren auf neues NASCAR-Format: „Das Spiel hat sich verändert“

Fahrer reagieren auf neues NASCAR-Format: „Das Spiel hat sich verändert“
Foto: NASCAR Media / Meg Oliphant/Getty Images

Der Chase um die NASCAR-Meisterschaft kehrt zurück – Einige Fahrer äußerten sich bereits zu den neuen Regeln, teils mit völlig unterschiedlichen Sichtweisen

In der Saison 2026 wird es in den drei nationalen NASCAR-Meisterschaften keine Playoffs mehr geben, denn der Chase ist zurück. Siege qualifizieren die Fahrer nicht mehr automatisch für die Endrunde, es gibt keine Eliminationsstufen mehr, und Konstanz spielt eine viel größere Rolle. Joey Logano, Chase Briscoe, Chase Elliott und Ryan Blaney haben sich bereits zu den Neuerungen geäußert.

Logano, der drei Meisterschaften im Playoff-Format gewann, stimmt den Regeländerungen zwar zu, outet sich aber als Fan des Eliminationsverfahrens: „Persönlich war ich einer der wenigen, die das alte Format mochten, einfach aus der Fan-Perspektive. Aber wenn die Mehrheit das nicht mag, dann ändern wir es eben und fahren auf eine andere Weise Rennen, und das ist für mich auch okay.“

„Jetzt haben wir ein anderes Regelwerk, bei dem wir alle wieder bei Null anfangen, und wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir die Meisterschaft gewinnen“, so der Penske-Fahrer, der in geraden Jahren eine Macht in den Playoffs war. Er war meistens da, wenn es nötig war, doch seine Konstanz war in den vergangenen Jahren nie die beste. In seinen Meisterjahren 2018, 2022 und 2024 kam er im Schnitt auf den Plätzen 10,7, 13,5 und 17,1 ins Ziel.

„Schlechte Tage werden schwerer wiedergutzumachen sein“, stellt der 35-Jährige klar. „Beständigkeit wird sich mehr auszahlen. Wenn man als Zwölfter oder so in den Chase geht, glaube ich nicht, dass man von so weit hinten noch gewinnen kann. Das Spiel hat sich verändert.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Elliott, der neben Briscoe und Blaney als aktiver Fahrer an der offiziellen Bekanntgabe teilnahm, freut sich, dass es mit dem Chase weiterhin eine Endrunde gibt. Auch die Rückkehr zum klassischen Punktesystem wurde diskutiert: „Ich glaube, wir vergessen oft, wie gut wir es all die Jahre mit dem Chase-Format hatten. Ich denke, es ist ein wirklich schöner Kompromiss.“

„Ich bin stolz darauf, hier zu sein. Lasst uns genießen, was wir haben“, so der Hendrick-Pilot und Publikumsliebling der NASCAR. „Wir sind so schnell dabei, uns über alles zu beschweren. Lasst uns genießen, was wir haben, denn wir schreiben Geschichte, ob es euch gefällt oder nicht. Solange man diesen Fahrern und Teams die Möglichkeit gibt und die Rennen sich so entwickeln lässt, wie sie sollten, machen wir das Richtige.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Loganos Teamkollege Blaney, der 2023 den Titel holte, freut sich darüber, dass der Sport wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt: „Ich bin der Meinung, dass dies die fahrerische Komponente etwas klären und zur ursprünglichen Reinheit des Sports zurückführen wird. Dadurch wird es weniger ungestüm und gewinnt etwas mehr von der schönen Kunstform zurück, mit der ich groß geworden bin.“

„Beständigkeit wird ein massiver Teil davon sein“, stellt der Penske-Pilot klar. „Es ist immer noch so, dass Gewinnen ein riesiger Faktor ist, wegen der Erhöhung der Punkte für den Sieger.“ Das neue, alte Chase-Format erinnert an die Ursprungsform von 2004, doch es gibt zahlreiche kleine Änderungen, die für frischen Wind sorgen. Mehr dazu gibt es hier.

Foto: NASCAR Media / Meg Oliphant/Getty Images

Briscoe kann sich erst einmal einen Witz zu seinem Vornamen Chase nicht verkneifen: „Ich mag den Namen. Es ist ein toller Name.“ Er findet, NASCAR habe genau den richtigen Spagat zwischen Spektakel und klassischem Motorsport gefunden: „Es hat einfach jede Eigenschaft, die man sich von einem Meisterschaftsformat wünscht: Gewinnen zählt, Beständigkeit zählt, Ausfälle werden zählen.“

Mit Mark Martin und Dale Earnhardt Jr. waren zwei echte Legenden bei der Pressekonferenz dabei, die auch mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung an der Gestaltung des neuen Chase mitgearbeitet haben. Martin sagt: „Ich denke, das ist der perfekteste Kompromiss, den man sich jemals wünschen kann. Es wird von unserem Champion 2026 verlangen, blitzschnell und unglaublich konstant zu sein.“

Foto: NASCAR Media

Gleichzeitig spricht er an die Fans an, die NASCAR durch die Playoffs verloren hat: „Ich würde an die Rennfans appellieren, besonders an die klassischen Fans, die mir sagen: ‚Ich schaue nicht mehr zu‘. Ich sage: Wir brauchen euch. Kommt zurück. Wir bewegen uns in die richtige Richtung.“

„Wir müssen uns noch mehr auf unsere Helden konzentrieren“, so Martin weiter. „Gebt den Fans etwas, womit sie sich verbinden können, und helft uns, diese Superstars so darzustellen, wie sie es verdienen.“ 

Und da trifft er einen Nerv, denn im Playoff-Format war einzig der Sieger eines Rennens in der regulären Saison relevant; ab Platz zwei wurde es quasi uninteressant. Durch das neue Format werden Top-5- und Top-10-Platzierungen wieder viel wichtiger.

Earnhardt Jr. hätte sich sogar eine Saison ohne Endrunde vorstellen können, doch mit dem Chase kann er gut leben: „Ich war wirklich begeistert zu hören, dass wir einem vollen 36-Rennen-Format etwas näher kommen. Meiner Meinung nach ist das so nah dran, wie man kommen kann, ohne den ganzen Weg zu gehen.“

Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

„Ich glaube, es macht es für unsere Fans einfacher zu verfolgen. Es ist für die Fahrer spaßig, ein klareres Ziel zu haben, wie man die Meisterschaft erreicht. Jedes einzelne Rennen, jede einzelne Runde wird wichtiger sein. Was man in der regulären Saison der ersten 26 Rennen leistet, wird entscheidend sein, um sich diese Chance zu erarbeiten.“

NASCAR-Präsident Steve O’Donnel eröffnete die Pressekonferenz zum neuen Meisterschaftsformat direkt und trocken: „Um ganz offen zu sein: Der Chase ist zurück. Wir kehren zu einem Format zurück, bei dem im Cup die ersten 26 Rennen auf einem Punktesystem basieren und die letzten zehn Rennen den Chase bilden.“

„Es gab ein paar Dinge, die für alle in der Gruppe von entscheidender Bedeutung waren. Erstens: Gewinnen musste immer noch zählen“, erklärt er die Entscheidung. „Wir erhöhen die Punkte für einen Sieg von 40 auf 55. Ich glaube, das ist ein großer Anreiz für die Fahrer.“

„Der Tabellenführer geht mit 2.100 Punkten in den Chase. Es war uns wichtig, einen Bonus für diesen Spitzenreiter zu haben. Er wird also einen Vorsprung von 25 Punkten auf den Zweitplatzierten haben“, so O’Donnel zur sportlichen Komponente.

„Wir haben versucht, ein Gleichgewicht zu finden“, sagt er. „Nicht jeder wird es lieben. Aber wir glauben, dass wir dieses Gleichgewicht gefunden haben. Wir haben das Beste aus beiden Welten, wo jedes Rennen zählt. Wir wollen wieder zu dem zurückkehren, was wir sind.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.
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