„Ganz nah dran an einer Rückkehr“: Kommt Dodge schon 2027 in die NASCAR Cup Series zurück?
Die Gerüchteküche in den USA ist nicht nur am Brodeln, sie kocht regelrecht: Quellen behaupten gegenüber The Athletic, dass Dodge schon 2027 in die NASCAR Cup Series zurückkommen wird
Jordan Bianchi berichtet auf The Athletic: „Dodge ist sehr nah dran, die Rückkehr in die NASCAR Cup Series 2027 zu finalisieren.“ Mehrere Insider sollen dem Portal die entsprechenden Pläne bestätigt haben. Eine offizielle Stellungnahme von Dodge oder dem Mutterkonzern Stellantis steht noch aus und den Informationen zufolge müssen noch Detailverhandlungen geführt sowie organisatorische Hürden genommen werden.
Dennoch gehen derzeit alle beteiligten Parteien davon aus, Dodge bereits beim Daytona 500 2027 wieder in der höchsten NASCAR-Liga begrüßen zu können. In der Saison 2026 feierte die Stellantis-Schwestermarke RAM ihr Comeback in der NASCAR Craftsman Truck Series – verkündet wurde dieser Schritt bereits im Juni 2025. Um Dodge war es im Oktober 2026 hingegen auffallend ruhig, doch das muss wenig bedeuten.
Rund um das RAM-Comeback gab es damals Kommunikationspannen – oder mutmaßlich Guerilla-Marketing: Das Fahrzeug war vorab bei einigen Content-Creatorn aufgetaucht – warum, bleibt ein Geheimnis. Videos mussten gelöscht werden, ehe nur wenige Tage später die offizielle Bestätigung für den Einstieg in die Truck-Serie folgte. Bei Dodge scheint die Strategie professioneller gewählt zu sein: Bis zu den aktuellen Medienberichten drangen keinerlei Details nach außen.

Doch welche Hürden muss Stellantis vor einem Start im Jahr 2027 noch überwinden? Sollte Kaulig Racing mit zwei Autos antreten, muss Dodge das Team zwingend mit konkurrenzfähigen Motoren beliefern. Während sich RAM in der Truck-Serie auf ein standardisiertes Einheitsaggregat stützen kann, muss im Cup-Bereich eigene Motorentechnik her. Genau diese aufwendige Vorlaufzeit war der Grund, warum im Fahrerlager lange Zeit erst mit einem Einstieg ab 2028 gerechnet wurde.
Dodge scheint jedoch eine pragmatische Übergangslösung gefunden zu haben: ECR Engines, die Motorenschmiede von Richard Childress Racing Enterprises. ECR fertigt traditionell Chevrolet-Triebwerke und wird diese erfolgreiche Partnerschaft keineswegs aufgeben. Laut The Athletic sei ECR aber bereit, parallel Motoren für beide Marken zu bauen. Ein vergleichbares Modell existiert bereits im Langstreckensport der WEC und IMSA: Dort fertigt Dallara die Prototypen-Chassis sowohl für Cadillac als auch für BMW und trennt Entwicklung, Personal und Know-how im Werk im italienischen Parma strikt voneinander.
Ganz in trockenen Tüchern ist die Vereinbarung mit ECR allerdings noch nicht. Zudem müssen die etablierten NASCAR-Hersteller – Chevrolet, Toyota und Ford – dieser Sonderlösung zustimmen. Das zwischenzeitliche Gerücht, man könne schlicht ein ECR-Chevrolet-Aggregat mit einem Dodge-Logo versehen, erwies sich als haltlos; es wird eine eigenständige technische Basis vorgeschrieben.
Die Konkurrenten sollen dem Kompromiss inzwischen zugestimmt haben – allerdings unter der Auflage, dass Dodge mittelfristig eine eigenständige Motorenstruktur aufbaut. Der Grund für das Entgegenkommen: Alle Beteiligten sind sich einig, dass ein vierter Automobilhersteller (OEM) den Wert der gesamten Meisterschaft massiv steigern würde.
„Für den Sport ist es eine gute Sache, wenn mehr Hersteller vertreten sind“, betonte Ford-Racing-Chef Mark Rushbrook zuvor gegenüber The Athletic. „Deshalb heißen wir Dodge als vierten Hersteller natürlich willkommen. Und wir begrüßen es, wenn darüber hinaus noch weitere in die NASCAR stoßen. Wir wollen uns mit den besten Herstellern der Welt messen und mehr von dieser OEM-Rivalität auf der Rennstrecke sehen. Wenn Dodge also in den Cup einsteigen will – genauso wie Ram bei den Trucks –, heißen wir sie auf jeden Fall willkommen.“
Wichtig dabei: Trotz einer möglichen Expansion auf vier Marken plant NASCAR nicht, das Feld der garantierten Charterverträge von 36 auf 40 aufzustocken. Aktuell wird eine solche Startplatzlizenz im NASCAR-Oberhaus mit rund 100 Millionen US-Dollar (etwa 89 Millionen Euro) gehandelt. Sollte Dodge tatsächlich einsteigen und das Angebot künstlich verknappt bleiben, dürfte der Marktwert dieser Verträge weiter drastisch steigen – klassische Ökonomie aus extrem hoher Nachfrage und begrenztem Angebot.
Feiert Dodge also tatsächlich die ersehnte Rückkehr – oder müssen sich die Fans aufgrund der verbleibenden Hürden doch bis 2028 gedulden? Das Geheimnis wurde jedenfalls gut gehütet. Zuletzt ging der US-Hersteller im Jahr 2012 in der Cup Series an den Start – und verabschiedete sich damals standesgemäß mit dem Meistertitel durch Brad Keselowski und Team Penske.
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