Geschenk für den Titelrivalen Kyle Larson: Denny Hamlin fuhr in Las Vegas völlig ahnungslos in die Box

Geschenk für den Titelrivalen Kyle Larson: Denny Hamlin fuhr in Las Vegas völlig ahnungslos in die Box
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

In Las Vegas verschenkte Denny Hamlin nicht nur einen möglichen Sieg, sondern verhalf Titelrivale Kyle Larson unbewusst zurück in die Führungsrunde – Im Podcast redet der Joe-Gibbs-Pilot nun Tacheles über mangelnde Informationen auf dem Funk

Denny Hamlin und sein Team Joe Gibbs Racing haben beim Chase-Lauf der NASCAR Cup Series auf dem Las Vegas Motor Speedway ein Desaster erlebt: Trotz eines siegfähigen Toyota Camry fuhr der Routinier am Sonntag lediglich auf Rang 16 ins Ziel und blieb komplett ohne Stage-Punkte, weil strategische Fehlentscheidungen und ein Dreher sein Rennen ruinierten. Besonders bitter wog dabei der Umstand, dass Hamlin mit seinem frühen Stopp ausgerechnet seinem schärfsten Titelrivalen Kyle Larson den Weg zurück in die Führungsrunde ebnete.

Die Schlüsselszene spielte sich bereits im ersten Rennsegment ab, als Hamlin das Feld anführte, während Larson mit massiven Handlingproblemen und einem langen Stopp, um in die Fahrzeuggeometrie einzugreifen, bereits eine Runde Rückstand hatte. Aus dem Cockpit heraus hatte Hamlin jedoch keinerlei Ahnung von der Notlage des Hendrick-Piloten.

In seinem Podcast Actions Detrimental sprach der 43-Jährige über das taktische Dilemma. „Hätte ich gewusst, dass Larson eine Runde zurücklag und er durch meinen Boxenstopp seine Runde zurückbekommen würde, wäre ich niemals in die Boxengasse eingebogen – völlig egal, was der Crewchief sagt“, betont Hamlin. Er habe im Auto fest geglaubt, der Meisterschaftsleader sitze ihm direkt im Nacken.

Statt die Konkurrenz in die Knie zu zwingen, schenkte der Gibbs-Pilot dem Rivalen den rettenden Wave-Around. Als Hamlin kurz darauf auf frischeren Reifen durch das Feld stürmte, verlor er im Dreck der oberen Fahrspur die Kontrolle über das Auto.

Kyle Larson – Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Wenn ich gewusst hätte, wo Larson wirklich steckt, hätte ich es da oben vielleicht gar nicht erst probiert“, räumte Hamlin ein. Stattdessen drehte er sich auf der verschmutzten Außenbahn weg und beschädigte sich das Fahrzeug, während der Reifenvorteil für eine zügige Aufholjagd ohnehin zu gering ausfiel.

Trotz des sportlichen Rückschlags stellte sich Hamlin demonstrativ vor seine Boxenmannschaft rund um Crewchief Chris Gabehart. Seine Crew sitze schließlich nicht wie die TV-Zuschauer auf der Couch, um das Rennen der Startnummer 5 zu analysieren, sondern müsse das eigene Auto schnell machen.

„Wir dürfen das meiner Boxenmannschaft und auch mir nicht ankreiden“, so Hamlin. Auf der Rennstrecke sei es extrem schwierig, das gesamte Geschehen jederzeit perfekt im Blick zu behalten. Das Team konzentriere sich primär auf die Werkzeuge, die im eigenen Werkzeugkasten liegen, um den #11 Toyota bestmöglich abzustimmen.

Parallelen zu früheren Meisterschaftsentscheidungen drängen sich auf, denn Hamlin erlebte bereits auf dem Charlotte-Roval und im Titel-Showdown von Phoenix ähnliche Kommunikationspannen. Damals konterte Larson mit nur zwei frischen Reifen, worauf Hamlin in der Kürze der Zeit keine Antwort parat hatte.

„Wir hatten 15 Sekunden Zeit, um darauf zu reagieren – und wir taten es nicht“, erinnert sich Hamlin an das damalige Finaldrama. Daraus müsse die gesamte Organisation dringend lernen, um in Echtzeit besser zu verstehen, gegen wen das eigene Team auf der Strecke eigentlich kämpft. Trotz der Selbstkritik am eigenen Dreher trauert Hamlin dem verpassten Triumph in Sin-City hinterher. Ohne den Ausrutscher wäre der Tag extrem erfolgreich geworden, denn niemand im Feld hätte sein Tempo mitgehen können.

Die Realität im Titelkampf sieht nun jedoch düster aus, da der Rückstand auf Larson zur Halbzeit des Chase auf satte 40 Zähler angewachsen ist. Larson rettete seinen beschädigten Chevrolet in Vegas trotz eines Mauertreffers auf Rang zwei und weist derzeit einen konfortablen Chase-Schnitt von 2,2 auf. Ohne eigene Rennsiege wird Hamlin diesen Rückstand auf den dominanten Meisterschaftsfavoriten nur schwer wettmachen können.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.