„Habe nicht Michael Schumacher verpflichtet“: Mike Shank stellt klare Forderungen an Mick
Mick Schumacher steht vor seiner zweiten Saison in der IndyCar-Serie und wechselt für 2027 zu Meyer Shank Racing – Teambesitzer Mike Shank formuliert bereits klare Erwartungen und stellt klar, dass der berühmte Nachname dabei überhaupt keine Rolle spielt
Mick Schumacher steht vor seiner zweiten Saison in der IndyCar-Serie und wechselt für das Rennjahr 2027 zu Meyer Shank Racing, wo er den Dallara-Honda mit der Startnummer 66 übernimmt. Teambesitzer Mike Shank hat nach der Bekanntgabe beim Saisonfinale in Laguna Seca nun unmissverständlich klargestellt, wohin die Reise für den 27-jährigen Deutschen gehen muss. Für das zweite Jahr in den USA zählt für die Mannschaft aus Ohio nur noch der sportliche Ertrag auf den anspruchsvollen Rund- und Ovalkursen.
Die Schonfrist im knallharten US-Formelsport ist nach einer durchwachsenen Rookie-Kampagne bei Rahal Letterman Lanigan Racing abgelaufen. Shank nimmt bei den Zielen für die Saison 2027 kein Blatt vor den Mund und setzt die Messlatte hoch an. „Ich erwarte von ihm, dass er um die Top 10 kämpft. Punkt“, stellt der Teamchef gegenüber Motorsport.com klar.
Der steinige Umstieg von den Hightech-Boliden der Formel 1 und der Langstrecken-WM auf die physisch brutalen IndyCar-Fahrzeuge sei laut Shank jedoch völlig normal. Fast jeder Neueinsteiger müsse erst durch dieses tiefe Tal der Tränen gehen, bevor sich zählbare Erfolge einstellen. „Man kann sich viele der Jungs anschauen, die jetzt in den Top 10 oder Top 5 unterwegs sind: Ihr erstes Jahr in der IndyCar-Welt war nicht gut“, analysiert der Teammitbesitzer ungeschminkt.
Tatsächlich erlebte Schumacher in seiner Debütsaison neben einigen fahrerischen Glanzlichtern viel Schatten und harte Lektionen. „Das gilt für fast jeden, für 90 Prozent von ihnen“, so Shank weiter über die Hürden der Serie. „Das ist anscheinend ein Ritual, das ein Fahrer einfach durchmachen muss. Es ist eine verdammt schwierige Meisterschaft. Er hat es durchgezogen, hatte eine extrem harte Zeit, aber er hatte eben auch seine goldenen Momente.“

Genau an diesem Punkt setzt Meyer Shank Racing an, denn das Team hat sich in der Vergangenheit immer wieder als Rettungsanker und Sprungbrett für Piloten mit Revanchegelüsten bewiesen. „Mick ist genau unser Schlag Fahrer“, betont Shank selbstbewusst. „Er befindet sich irgendwo in dieser Grauzone, in der sich die Leute seiner Sache noch nicht ganz sicher sind. Wir sehen sein Potenzial und wollen herausfinden, wohin uns das führt.“
Nach dem obligatorischen Lehrjahr schlägt die Stunde der Wahrheit, in der Ausreden nicht mehr gelten. „Du hattest dein Rookie-Jahr. Ab jetzt muss es nach vorne gehen, rein in die Top 10 – das ist unser klares Ziel“, fordert Shank mit Blick auf die bevorstehende Saison. „Und wenn wir an einem Wochenende richtig gut aufgelegt sind, pirschen wir uns hoffentlich noch weiter nach vorne. Die Erwartungshaltung ist, dass er nächstes Jahr einen gewaltigen Schritt macht. Wir glauben an sein Talent, und jetzt werden wir es schwarz auf weiß sehen.“

Dass hinter der Verpflichtung bloßes Marketingkalkül oder der weltberühmte Name des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher steckt, wies der US-Amerikaner rigoros von sich. Diese Linie habe er von Anfang an offen mit der Familie Schumacher besprochen. „Ich habe es seiner Mutter gesagt und ich habe es ihm gesagt, zu zwei völlig verschiedenen Gelegenheiten: Ich habe nicht Michael Schumacher verpflichtet“, stellt Shank schonungslos klar.
Respekt vor den Leistungen des Vaters sei vorhanden, spiele im harten Renngeschäft jedoch keine Rolle. „Ich bin damals mit ihm aufgewachsen, er ist ein großartiger Typ und ein herausragender Rennfahrer. Ich habe ihn nie persönlich getroffen, aber mir ist das schlichtweg egal“, so Shank weiter. „Was für mich zählt, ist Mick. Wohin Mick will und was Mick für sich selbst und für uns tun kann. Das ist das Einzige, was mich interessiert, und ich denke, er sieht das genauso.“

Am Ende diktiert allein die Stoppuhr über Wohl und Wehe der neuen Partnerschaft im engen IndyCar-Feld. „Hier geht es überhaupt nicht um seinen Vater. Es geht darum, was wir glauben, was er für uns, unsere Partner und Sponsoren leisten kann“, untermauert der Teamboss die Ambitionen. „Wir wollen das Indianapolis 500 zum dritten Mal gewinnen. Er kann das schaffen, und wir glauben, dass wir das passende Rüstzeug dafür haben. Das wird seine Chance sein. Es wird gute Zeiten geben und es wird schlechte Zeiten geben, aber eines steht fest: Ich habe Mick Schumacher verpflichtet – nicht Michael.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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