NASCAR-Hammer um Brad Keselowski: Trennung von RFK Racing und offene Zukunftsfragen

NASCAR-Hammer um Brad Keselowski: Trennung von RFK Racing und offene Zukunftsfragen
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Nach fünf gemeinsamen Jahren trennen sich nach der Cup-Saison 2026 die Wege von Brad Keselowski und RFK Racing – In Las Vegas nannten der Champion von 2012 und Teampräsident Chip Bowers nun erstmals konkrete Hintergründe zu den unterschiedlichen Zukunftsplänen im Team

Brad Keselowski und RFK Racing gehen nach der NASCAR-Saison 2026 getrennte Wege – so weit, so bekannt. Doch am Rande des Cup-Rennens auf dem Las Vegas Motor Speedway haben sowohl der Noch-Pilot der Startnummer 6 als auch RFK-Präsident Chip Bowers erstmals Einblicke in die Hintergründe der überraschenden Trennung nach fünf Jahren Zusammenarbeit gewährt. Zur Erinnerung: Keselowski fungiert nicht nur als Fahrer, sondern auch als Teilhaber des Rennstalls – eine Konstellation, die bald Geschichte sein wird.

„Es gibt vieles, worüber ich im Moment nicht sprechen kann“, eröffnet Keselowski sein Statement. „Die Dinge müssen sich erst entwickeln, aber es war ein verdammt wilder Ritt. Ich habe alles genossen, was ich bei RFK machen durfte, und meine Karriere ist noch lange nicht vorbei. Es gibt noch viele Dinge zu klären. Ich kann nicht wirklich ins Detail gehen, wie wir an diesen Punkt gelangt sind – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, bis sich noch ein paar Dinge weiterentwickelt haben. Das bringt mich wohl zum dritten Aspekt: wohin ich gehe und was ich künftig machen werde.“

Ähnlich kryptisch fährt der 42-Jährige fort: „Ich hatte in den vergangenen Monaten schon eine ziemlich genaue Ahnung, dass sich das anbahnt. Schon davor haben mich einige Leute kontaktiert, und ich sammle gerade alle Optionen, um zu sehen, was Sinn ergibt. In den nächsten ein bis zwei Monaten werden wir eine Entscheidung treffen.“

„Das ist im Grunde die Lage der Dinge“, bilanziert Keselowski. „Natürlich kann ich nicht allzu viel über die Interna rund um RFK sagen, aber ich weiß das Interesse zu schätzen. Es war, gelinde gesagt, eine interessante Woche voller Höhen und Tiefen. Ich war positiv überrascht von den vielfältigen Reaktionen der Fans und der medialen Aufmerksamkeit, die das Thema erregt hat. Damit hatte ich so nicht gerechnet, aber ich weiß es sehr zu schätzen. Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Damit belasse ich es erst einmal.“

Zum Abschied von RFK Racing ergänzte der Routinier aus Michigan nüchtern: „Ich hatte einen Fünfjahresvertrag bei RFK Racing, und das ist nun das Ende dieses Arbeitspapiers. Jeder Sportler sollte sich Gedanken um seine Zukunft in einer Disziplin machen, die derart viel Dynamik und Umbruch erlebt. Ich würde nicht behaupten, dass ich völlig sorgenfrei bin, aber mir gefallen einige der vorliegenden Optionen. Ich warte noch auf weitere Angebote und bin zuversichtlich, dass sich am Ende alles fügen wird.“

Foto: NASCAR Media / Matt Kelley/Getty Images

So hartnäckig die Medienvertreter auch nachbohrten: Keselowski ließ sich nicht entlocken, welche Möglichkeiten konkret auf dem Tisch liegen. Ein Wechsel zu einem anderen Hersteller? Ein Einstieg als Miteigentümer bei einem anderen Team? Der Champion von 2012 hielt sich bedeckt und kommentierte die Gerüchteküche nicht. Er stellte jedoch klar, dass der auslaufende Fünfjahresvertrag ausschließlich seinen Fahrersitz betraf und nicht seine Eigentumsanteile an RFK Racing. „Ich liebe diesen Sport weiterhin und möchte ihm noch lange treu bleiben, auch wenn meine aktive Zeit im Cockpit eines Tages vorbei sein wird. Wir werden sehen“, betont er.

Anschließend skizziert er sein bisheriges Aufgabengebiet im Team: „Meine Rolle bei RFK bestand selbstverständlich darin, das Auto mit der Startnummer 6 zu fahren. Daneben war ich Miteigentümer und fungierte gewissermaßen als eine Art Wettbewerbsdirektor – was eher eine strategische Visionsrolle als operatives Tagesgeschäft war. Ich stehe dienstags nicht in der Werkstatt und bestelle Stahl; es gibt genügend Leute, die diesen operativen Part übernehmen.“

„Meine Aufgabe drehte sich primär um die Zukunftsvision der Organisation und darum, das Team darauf einzuschwören, wer wir sind und was wir sein wollen – sei es bei Personalentscheidungen oder bei den eher ungemütlichen, aber zwingend strategischen Fragen“, so Keselowski.

Genau auf diese Führungsrolle wollte RFK Racing den Routinier in den kommenden zwei bis drei Jahren festlegen – ein Plan, der auf wenig Gegenliebe stieß. Teampräsident Bowers erläutert die Philosophie des Rennstalls: „Wir wollten organisatorisch sicherstellen, dass wir uns nicht nur für den kurzfristigen, sondern für einen nachhaltigen, langfristigen Erfolg rüsten.“

„Als wir analysierten, wie die nächsten drei Jahre und die Zeit danach aussehen sollen, war für uns klar: Brad sollte beginnen, sich stärker auf seine Aufgaben im sportlichen Wettbewerbsbereich zu konzentrieren.“ Im Klartext: RFK Racing wollte Keselowski schrittweise aus dem Cockpit an den Schreibtisch befördern – ein Szenario, das dem Vollblut-Rennfahrer verfrüht erscheint.

Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

„Aus unserer Sicht sollte dies in den nächsten zwei bis drei Jahren ein fließender Übergang für Brad werden“, erklärt Bowers die Perspektive des Managements. „Ich glaube allerdings, dass er noch deutlich länger aktiv Rennen fahren möchte, und das ist absolut legitim. Wir respektieren das.“

„Wir hegen enormen Respekt und größte Wertschätzung für Brad. Deshalb wollen wir ihm jede Möglichkeit geben, das zu verwirklichen, was er sportlich noch erreichen möchte. Doch genau das macht die Situation so kompliziert. Wir führen hier ein Unternehmen, und in dieser zentralen Frage lagen unsere Vorstellungen schlicht nicht übereinander – so etwas passiert im Profisport.“

Dennoch bleibt eine fundamentale Frage offen: Warum trennen sich die Wege sowohl fahrerisch als auch auf Eigentümerebene? Dass ein duales Modell im NASCAR-Cup erfolgreich sein kann, beweist Denny Hamlin als Miteigentümer von 23XI Racing und Vollzeitpilot bei Joe Gibbs Racing. Lag der Knackpunkt also in den Markenbanden? Als Teilhaber an einem Top-Ford-Team wäre Keselowski wohl kaum flexibel gewesen, ein Cockpit bei einem konkurrierenden Hersteller anzunehmen.

Zudem trübte sich Keselowskis Verhältnis zu Ford zuletzt merklich ein. Erst bemängelte er die mangelnde interne Synergie im Vergleich zum Konkurrenten Toyota, später echauffierte er sich im Boxenfunk lautstark über angeblich unterlegenes Herstellermaterial für RFK Racing. Hinter den Kulissen schwelte der Vorwurf, das Team Penske werde bevorzugt mit besseren Motoren und Komponenten versorgt – belastbare Belege dafür fehlen allerdings.

Fest steht: Aus RF-noch-K Racing wird nach der Saison 2026 wieder Roush-Fenway Racing. Keselowski sondiert den Markt und hat offenbar bereits mehrere heiße Eisen im Feuer. Eine offizielle Bekanntgabe über seine Zukunft wird für November oder Dezember 2026 erwartet. Bis dahin bleibt der Silly-Season ein echter Kracher erhalten.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.