Prominente Investoren, ein Ziel: Jimmie Johnson baut Legacy Motor Club zur Lifestyle-Marke um

Prominente Investoren, ein Ziel: Jimmie Johnson baut Legacy Motor Club zur Lifestyle-Marke um
Foto: NASCAR Media / Kevin C. Cox/Getty Images

Mit Namen wie Scott Dixon, Bryce Harper und Guy Fieri bricht Jimmie Johnson mit traditionellen NASCAR-Strukturen – Der Hall-of-Famer will eine moderne Lifestyle-Marke etablieren, um die nötigen Ressourcen für Rennsiege und Titelkämpfe einzufahren

Der siebenmalige NASCAR-Cup-Champion Jimmie Johnson baut seine Rennorganisation Legacy Motor Club grundlegend um und holt dafür prominente Persönlichkeiten aus Sport, Unterhaltung und Wirtschaft als strategische Miteigentümer an Bord. Neben den IndyCar-Größen Scott Dixon und Dario Franchitti gehören unter anderem Baseball-Star Bryce Harper, Tennis-Ikone Andy Roddick, Surfweltmeister Kelly Slater, Musiker Darius Rucker und Star-Koch Guy Fieri zur neuen Investorengruppe. Das Ziel des US-Amerikaners ist es, die Marke über die Grenzen der traditionellen Rennsportszene hinaus zu etablieren, um dringend benötigte Ressourcen für den sportlichen Erfolg auf der Rennstrecke zu generieren.

Mit diesem Schritt will der NASCAR-Hall-of-Famer den Rennstall zukunftssicher aufstellen, der mittelfristig den Einsatz von drei Vollzeitfahrzeugen im Cup anstrebt. Johnson sieht in der Verschmelzung von Sport und Entertainment den Schlüssel zu modernen Einnahmequellen. Dabei gehe es nicht darum, die VIP-Hospitality mit bekannten Gesichtern zu schmücken, sondern um den gezielten Aufbau einer schlagkräftigen Plattform, wie Forbes berichtet.

„Ich möchte wirklich eine Motorsport-Lifestyle-Marke aufbauen“, erklärt Johnson seine Marschrichtung. „Ich weiß, dass das ein vager Begriff ist und vielleicht auch ein überstrapaziertes Wort, aber wir konzentrieren uns sehr darauf, eine Legacy-Marke aufzubauen – sowohl innerhalb des Motorsports als auch außerhalb.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Dass es sich bei den Teilhabern nicht um bloße Galionsfiguren handelt, betont der siebenmalige Champion ausdrücklich. Die Partner bringen unterschiedliche Netzwerke, geschäftliche Erfahrung und enorme Zielgruppen mit, die dem Team neue Türen öffnen sollen.

„Jeder in der Investorengruppe ist ein Macher, ein Champion, ein extremer Wettkämpfer und obendrein ein Freund“, so Johnson über seine Mitstreiter. „Wo sie auf ihrer Lebensreise stehen, ist unterschiedlich: Einige sind im Ruhestand, einige denken über das nächste Kapitel nach, einige sind immer noch voll im Spiel. Es gibt einfach eine Menge großartiger Synergien rund um den Aufbau der Marke Legacy, um unser NASCAR-Programm zu unterstützen und unserer Verpflichtung zu folgen, ein Elite-Team in der NASCAR zu werden.“

Vor allem Sportler wie MLB-Star Harper sehen in dem Projekt eine Perspektive für die Zeit nach der aktiven Karriere. Johnson sieht in dieser Motivation einen unschätzbaren Wert für die Organisation.

„Er ist jemand, der nicht weiß, wann sein letztes Inning am Schlag kommt“, sagt Johnson über Harper. „Da ist weniger Zeit übrig als in der Vergangenheit. Was ist also sein zweites Kapitel? Er ist einer dieser Typen, die sich fragen: Was mache ich als Nächstes? Er will im Wettbewerb bleiben, liebt den Motorsport und war mit mir bei mehreren Rennen. Es gibt vielleicht jetzt noch keinen konkreten Bedarf, aber auf lange Sicht habe ich das Gefühl, dass er wirklich für uns da sein wird.“

Finanziell befindet sich Legacy Motor Club mitten in einer Wachstumsphase. Nach einer ersten Kapitalrunde läuft bereits die zweite Finanzierungsphase, um die technische Infrastruktur auf das Niveau von Branchengrößen wie Hendrick Motorsports, Team Penske oder Joe Gibbs Racing zu heben.

„Mit der Zeit wird es definitiv Anforderungen an sie geben“, betont Johnson mit Blick auf das Engagement der Investoren. „Die Phase, in der wir uns mit Legacy Motor Club befinden, unser Wachstumsmuster und das, was wir buchstäblich verdauen und bewältigen können, verlangt ein überlegtes Vorgehen.“

Kommerziell habe sich der Vorstoß bereits bezahlt gemacht. Durch das enorme Medienecho außerhalb der typischen Rennsport-Blase konnte das Team bei Verhandlungen über Vertragsverlängerungen mit Sponsoren auf eine deutlich größere Reichweite verweisen.

„Unsere Ankündigung mit der strategischen Eigentümergruppe und die verdiente Medienaufmerksamkeit fielen genau in eine Phase der Vertragsverlängerung mit einigen unserer Partner“, berichtet Johnson. „Dass wir die mediale Resonanz dieser Namen vorweisen konnten und zeigten, wie wir die NASCAR-Blase überwunden haben und in all diesen anderen Medien gelandet sind, hat am Verhandlungstisch bereits geholfen.“

Doch trotz des medialen Rummels stellt der Teambesitzer klar, dass PR-Erfolge allein wertlos sind, wenn die Autos sonntags hinterherfahren. Das eingesammelte Geld soll primär in die technische Entwicklung fließen.

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

„Wir wussten, dass dieser Effekt eintreten würde“, erklärt Johnson. „Es geht aber wirklich um den langfristigen Weg und den langfristigen Wert, den sie für die Marke schaffen können. Das gibt uns die Feuerkraft für schnellere Rennautos, das Schießpulver, um Rennen zu bestreiten.“

Dass er überhaupt in dieser Position ist, führt Johnson auch auf das richtige Timing beim Einstieg im Jahr 2022 an der Seite von Richard Petty und Maury Gallagher zurück. Durch die massive Wertsteigerung des Charter-Systems seien die Einstiegshürden heute ungleich höher.

„Timing ist immer alles“, stellt Johnson fest. „Und bisher sieht es so aus, als sei mein Timing und mein Interesse, Teambesitzer zu werden, genau richtig gewesen. Ich glaube, die Charter-Werte sind im Moment so hoch, dass es keine Chance gegeben hätte, 2026 noch einzusteigen. 2023 war mein Fenster, und die Gelegenheit mit Maury Gallagher war der Moment.“

Der Fahrplan für die Zukunft steht, soll jedoch schrittweise und ohne überhastete Aktionen umgesetzt werden. Weitere Investoren mit starkem wirtschaftlichem Hintergrund sollen in den kommenden Monaten folgen.

„Wir werden die Dinge richtig machen, nicht überstürzt“, verspricht Johnson. „Ihr Engagement, ihre Beteiligung, all diese Elemente werden sich beim Saisonfinale in Homestead so richtig zusammenfügen. Und dann, über die Winterpause bis in die nächste Saison hinein, wird mehr von dem Plan öffentlich und für die Leute greifbar.“

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Am Ende ordnet Johnson all diese Maßnahmen einem einzigen, unmissverständlichen Ziel unter: sportlicher Dominanz.

„Zuallererst hat sich jeder Sponsor, jeder Mitarbeiter, jeder Investor unserem Weg verschrieben“, unterstreicht der 83-malige Rennsieger. „Und das bedeutet, dem Polarstern zu folgen. Das ist die oberste Priorität: Rennen gewinnen, Meisterschaften gewinnen. Die anderen Elemente sind Teil des Ökosystems.“

Für Johnson markiert diese Strukturierung die logische Evolution eines zeitgemäßen Rennstalls im amerikanischen Profisport.

„Die Welt verändert sich, Sport und Unterhaltung sind mittlerweile eins geworden und werden in einem Atemzug genannt“, schließt Johnson ab. „Ich habe das Gefühl, dass ich einen moderneren Sportansatz einbringe, um Einnahmen zu generieren, unserem Kernprodukt zu dienen, Meisterschaften zu gewinnen und dieses Elite-Team zu werden. Das ist wirklich Ziel Nummer eins – und all das dient diesem Zweck.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.