„Wie der erste Schultag“: So lief der Andretti-Test für Will Power

„Wie der erste Schultag“: So lief der Andretti-Test für Will Power
Foto: Penske Entertaiment: Chris Jones

Beim IndyCar-Test in Phoenix absolvierte Will Power seine ersten Meter für Andretti Global – Er berichtet nach 17 Jahren Penske von einem Gefühl „wie am ersten Schultag“

Will Power ist ein Urgestein der IndyCar. Der Australier fährt seit 2008 in der nordamerikanischen Formel-Serie, hat zwei Meistertitel und 43 Rennsiege eingefahren, darunter einen Triumph beim Indy 500. Doch der erste Test in Phoenix am 7. Januar dieses Jahres fühlte sich für den 44-Jährigen nach eigenem Bekunden „wie der erste Schultag“ an.

Der Test, der bei nur rund 15 Grad Celsius in der Wüste von Arizona stattfand, diente dem Reifenhersteller Firestone primär dazu, die neuen Reifen für das Rückkehr-Rennen auf dem Phoenix Raceway zu erproben – eine Strecke, auf der die IndyCar-Serie seit 2018 nicht mehr gastierte.

Über ein Jahrzehnt fuhr Power für Team Penske, doch den Phoenix Raceway betrat der zweimalige IndyCar-Champion nun im schwarzen Anzug von Andretti Global. Es ist das erste Mal seit 2011, dass er wieder in ein von Honda angetriebenes Dallara-Chassis steigt. Eigentlich waren er und Penske nicht auseinanderzudenken, aber nach 17 Jahren muss sich der Australier jetzt einer neuen Herausforderung stellen. 

Startschuss nach der Sperrfrist

Aufgrund einer vertraglichen Sperrfrist seitens Penske durfte Power die Zusammenarbeit mit Andretti Global erst am 1. Januar 2026 offiziell aufnehmen – nur eine Woche vor dem Test. Er hat das das Cockpit von Colton Herta übernommen, der aktuell als Reservefahrer in der Formel 1 für Andretti tätig ist und in der Formel 2 für Hitech starten wird.

Für Power bedeutete dies eine gewaltige Veränderung nach fast zwei Jahrzehnten der Stabilität. Power räumt ein, er müsse sich zunächst die Namen einprägen. Er fühle sich noch nicht gänzlich angekommen, da ihm noch nicht alle Gesichter vertraut seien. Doch er gewinnt der Situation auch Positives ab: „Es ist ein gutes Gefühl, keinerlei Selbstgefälligkeit zu spüren; du musst sicherstellen, dass du voll bei der Sache bist.“

Im Fokus standen für Power und Andretti das gegenseitige Kennenlernen und die Einstellungen am Auto. Dabei musste sich der Routinier um Details kümmern, die er in seiner Epoche bei Penske längst als selbstverständlich angesehen hatte. 

Nach so einer langen Zeit beim gleichen Rennstall seien viele Abläufe „zur zweiten Natur“ geworden, er habe über nichts mehr nachdenken müssen, erklärt Power den Kontrast. „Hier musst du erst das Lenkrad in die richtige Position bringen, die Pedale und die Polsterung anpassen – einfach diese grundlegenden Dinge.“

Foto: Penske Entertainment: Joe Skibinski

Vertraute Technik, neue Ambitionen

Doch so ungewohnt das Drumherum war, so vertraut war das Cockpit selbst. „Es ist lustig: Du fühlst dich erst völlig fehl am Platz“, beschreibt Power den Moment des Einsteigens, „aber sobald du losrollst, denkst du dir nur: ‚Oh, es ist ein IndyCar.‘ Es laufen dieselben Prozesse ab.“

Trotz seiner Erfahrung und seiner Erfolge habe Power mit dem Phoenix Raceway noch „eine offene Rechnung“, wie er betont. Er wurde in Arizona mehrmals Zweiter, konnte aber nie gewinnen. Den Test sieht er daher als essenziell an, um diese Lücke in seiner Bilanz zu schließen: „Ich hatte ein paar Mal die Chance zu gewinnen, aber es hat nie geklappt.“ Gerade mit Blick auf vergangene Ergebnisse sei dies ein Ort, „an dem wir uns verbessern müssen“, so der Australier.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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