Die Rückkehr des Wüsten-Ovals: Test-Marathon für Mick Schumacher in Phoenix
Mick Schumacher absolvierte beim IndyCar Test in Phoenix einen fehlerfreien Marathon, während andere Fahrer mit der Strecke zu kämpfen hatten – Der Deutsche spulte 222 Runden auf dem Wüstenoval ab
Wüstenregen in Arizona und eine Strecke, die nach acht Jahren Dornröschenschlaf den IndyCar-Piloten sofort die Zähne zeigt: Als Routinier Marcus Ericsson mit seinem Andretti-Boliden in die Mauer von Kurve 4 einschlug, war die Botschaft an das Fahrerlager unmissverständlich. Das Ein-Meilen-Tri-Oval des Phoenix Raceway verzeiht weder etablierten Veteranen noch aufstrebenden Neulingen einen Fehler. Der IndyCar-Test am 17. und 18. Februar war zudem der einzige offizielle Ovaltest des gesamten Winters.
Für das 25-köpfige IndyCar-Feld glich die Ankunft in Phoenix entsprechend einem Sprung ins kalte Wasser, denn die Strecke stand seit 2018 nicht mehr im Kalender. Lediglich fünf der aktiven Piloten – Scott Dixon, Josef Newgarden, Will Power, Graham Rahal und Alexander Rossi – konnten hier in der Vergangenheit echte IndyCar-Rennerfahrung sammeln.
Wie schmal der Grat zwischen Top-Zeit und Totalschaden tatsächlich ist, zeigte sich besonders in Kurve 4, die während der Testtage gleich zwei Opfer forderte. Am ersten Tag war es Neuling Caio Collet im A.J.-Foyt-Chevrolet: Er verlor für den Bruchteil einer Sekunde die Kontrolle, rutschte unter den Apron und schlug leicht ein.
„Ich habe einen typischen Anfängerfehler mit neuen Reifen gemacht“, gestand sich der Brasilianer nach dem Zwischenfall ein. „Ich hatte nicht erwartet, wie viel Grip die Strecke bieten würde. Die Autos verhalten sich dann völlig anders und ich war viel zu früh am Scheitelpunkt. Mein Auto war glücklicherweise nicht stark beschädigt, es gab nur einen kleinen Schaden am Heckflügel. Meine Jungs meinten sofort, es sei eine einfache Reparatur.“
Am zweiten Tag erwischte es schließlich Ericsson. Doch wo Collet typisches Rookie-Lehrgeld zahlte, wurde der Andretti-Veteran zum Passagier der Technik: Ein lauter Knall im Heck und ein schlagartiger Leistungsverlust beendeten seine Fahrt abrupt.
„Es ist einfach extrem ärgerlich“, erklärte der Schwede. „Ich hatte das Gefühl, dass wir nach einem starken Test in Sebring auch hier hervorragend unterwegs waren – und dann hast du plötzlich so einen schweren Crash. Das kotzt mich wirklich an.“ Dennoch richtete der Routinier den Blick umgehend nach vorn: „Aber ja, wir werden das wieder hinbekommen und dann geht es nächste Woche nach St. Pete.“
Für Mick Schumacher war der Test derweil ein echter Knochenjob. Der Ovalneuling spulte in den zwei Tagen stolze 222 Runden ab. Seine Herangehensweise wirkte dabei fast klinisch: Am ersten Tag verzichtete er noch komplett auf das Windschattenfahren mit der Konkurrenz. Stattdessen fuhr er bewusst allein, um die reine Fahrzeugdynamik und das Eigenleben seines Hondas auf dem asymmetrischen Banking vollends zu verstehen.
„Ich will hier einfach über alle Runden hinweg konstant sein – sowohl auf der Strecke als auch bei den Veränderungen, die wir am Auto vornehmen“, erklärte der 26-Jährige seinen methodischen Ansatz. Seine Zwischenbilanz fiel entsprechend positiv aus: „Ich glaube, bislang ist uns das gelungen.“
Erst an Tag zwei, als das Vertrauen gewachsen war, testete er das Fahren in der Dirty-Air. Und die harte Arbeit zahlte sich aus: Nach der geduldigen Eingewöhnung am ersten Tag glänzte der Deutsche als schnellster Rookie und sicherte sich in der Gesamtabrechnung den 18. Platz.
Ganz oben auf den Zeitenmonitoren flimmerten jedoch andere Namen. Nachdem David Malukas an Tag eins mit 20,859 Sekunden das erste Ausrufezeichen gesetzt hatte, schlug an Tag zwei die Stunde von Ed Carpenter Racing (ECR) und Alexander Rossi.
Rossi brannte eine Zeit von 20,625 Sekunden in den Asphalt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 280,898 km/h entspricht. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Christian Rasmussen sicherte er ECR damit eine souveräne Doppelführung.
Der Fokus des Feldes schwenkt nun auf den Saisonauftakt in den Straßen von St. Petersburg am 1. März, bevor der Tross schon am 7. März für das zweite Saisonrennen auf das unerbittliche Wüsten-Oval von Phoenix zurückkehrt.
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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





