Nach der Zielflagge in Phoenix: Zane Smith fährt Carson Hocevar ins Heck

Nach der Zielflagge in Phoenix: Zane Smith fährt Carson Hocevar ins Heck
Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Nach dem Fallen der Zielflagge in Phoenix fuhr Zane Smith absichtlich ins Heck der Startnummer 77 – Der Front-Row-Motorsports-Pilot wollte Hocevar seinen Unmut nach einem Zusammenstoß in ausdrücken

Zane Smith und Carson Hocevar werden in diesem Leben wahrscheinlich keine Freunde mehr. Nach dem Fallen der Zielflagge beim Chase-Lauf der NASCAR Cup Series auf dem Phoenix Raceway fuhr Smith den Chevrolet mit der Startnummer 77 in Heck. Smith schlug mit rund 225 km/h im Heck von Hocevar ein, 48 km/h Geschwindigkeitsüberschuss gegenüber dem Spire-Chevrolet. Der Front-Row-Motorsports-Fahrer wollte dem 23-jährigen Heißsporn nach Rennende unmissverständlich klarmachen, was er von dessen Fahrweise in der Schlussphase hielt. Ein Kontakt kurz vor Rennende hatte beide um ein Top-10-Ergebnis gebracht.

Der Auslöser für den Zoff spielte sich wenige Runden vor Schluss ab: Smith lag auf einem soliden achten Platz und steuerte mit Josh Berry im Windschatten auf Kurve 3 zu. Plötzlich rutschte Hocevar auf der Außenbahn nach oben, touchierte die Seite von Berrys Wood-Brothers-Ford und räumte schließlich auch das Heck von Smiths Front-Row-Ford,  wobei alle drei schlagartig Positionen verloren.

Was Smith im Cockpit zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht sehen konnte: Es gab noch einen vierten Akteur, Ross Chastain. Der Trackhouse-Pilot hatte die Kettenreaktion ausgelöst. Nachdem Hocevar an der Startnummer 1 vorbeigezogen war, verpasste Chastain dem Spire-Piloten am Eingang von Turn 3 einen Schubser. Hocevar verlor daraufhin das Heck, rutschte in die beiden Fords.

Noch während des Rennens wies Hocevars Crew-Chief den Spotter über Funk an: „Stell verdammt noch mal sicher, dass die wissen, dass uns die verdammte 1 abgeschossen hat! Der Kerl hat versucht, uns alle abzuräumen.“

„Das interessiert mich einen Scheiß“

Über den Teamfunk von Front Row Motorsports wurde Smith die Situation zwar geschildert, doch die Einsicht beim 27-Jährigen hielt sich in Grenzen. „Das interessiert mich einen Scheiß!“, funkte Smith zurück. Nur wenig später folgte die Reaktion in der Auslaufrunde.

Dass die Nerven bei Smith derart blank lagen, kommt nicht von ungefähr. Die Antipathie gegenüber Hocevar schwelt bereits seit geraumer Zeit: Schon beim Rennen auf dem Chicagoland Speedway versuchte Smith, den Spire-Piloten abzuräumen. In einem Podcast legte er nach und bezeichnete dessen Anhänger als Feiglinge.

Zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung wie vor wenigen Wochen zwischen Ryan Blaney und Hocevar in Bristol kam es in der Boxengasse von Phoenix jedoch nicht. Über den Funk der Startnummer 34 wurde der Crew gesagt, in der Box zu bleiben, und sich in der Nähe der beiden Autos zu positionieren, für den Fall, dass die Situation nach dem Aussteigen vollends eskaliert. 

Strafe für Smith

Für sein Verhalten wurde Smith von NASCAR bestraft. Da beide bereits nach dem Vorfall in Chicagoland zu einem klärenden Gespräch in den NASCAR-Auflieger bestellt und verwarnt worden waren, erhielt Smith nun eine Geldstrafe von 50.000 US-Dollar.

Die Strafe gegen den Front-Row-Motorsports-Piloten stützt sich auf Abschnitt 10.5.2.5a des NASCAR-Regelwerks. Dieser besagt, dass „alle Verstöße, die die Sicherheit der Veranstaltung oder der Teilnehmer gefährden, im Einzelfall und mit höchster Ernsthaftigkeit behandelt werden“. Zusätzlich verwiesen die NASCAR-Verantwortlichen auf Abschnitt 4.4a, der mögliche Strafen und Richtlinien sowie „allgemeine Beispiele für Verhaltensweisen, die bestimmten Strafstufen zugeordnet werden können“, enthält.

„Nachdem sie auf der Strecke aneinandergeraten waren, haben wir die beiden in Atlanta zu uns bestellt“, erklärte der Vizepräsident der Kommunikation, Mike Forde, im Podcast Hauler Talk. „Normalerweise sprechen wir nicht gern darüber, was wir den Fahrern im Auflieger sagen. Aber in diesem Fall lautete die Botschaft im Grunde: Wenn ihr das nicht selbst untereinander klären könnt, helfen wir euch dabei. Und sie haben es nicht hinbekommen. Also helfen wir jetzt gewissermaßen nach. Wenn wir Fahrer zu einem solchen Gespräch in den Auflieger bestellen – was nicht oft vorkommt, sondern nur dann, wenn wir es für nötig halten –, dann meinen wir diese Gespräche auch ernst.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.