Nach Frust in Kansas: Chase Briscoe holt wichtigen Erfolg gegen Kyle Larson in Las Vegas
Chase Briscoe verhinderte beim NASCAR‑Rennen in Las Vegas ein erneutes Debakel gegen Kyle Larson – Der späte Rennsieg rettete die Meisterschaftsträume des Joe-Gibbs-Racing-Piloten
Chase Briscoe drohte in Las Vegas die nächste bittere Niederlage gegen Kyle Larson. Doch diesmal brachte der Joe-Gibbs-Pilot den Sieg ins Ziel, und nahm damit auch eine Last von seinen Schultern. Nach dem verlorenen Duell in Kansas stand für ihn mehr auf dem Spiel als ein weiterer Rennsieg.
Briscoe schien auf dem 1,5-Meilen-Oval der Sin City bereits auf dem sicheren Weg in die Victory Lane. Dann rückte Larson näher. Aus einem vermeintlich komfortablen Vorsprung wurde für den Führenden eine unangenehm vertraute Situation.
„Vier Runden vor Schluss hatte ich ein recht komfortables Polster auf Kyle und dachte schon, die Sache wäre geritzt, doch dann flog er plötzlich wieder heran und schloss auf. Ehrlich gesagt fühlte sich das wie ein kleines Déjà-vu zur vergangenen Woche an.“
Auf dem Kansas Speedway hatte Larson ihm den Sieg erst wenige Runden vor dem Ziel entrissen. In Las Vegas wollte Briscoe unbedingt verhindern, dass sich diese Geschichte wiederholt. Diesmal gelang es ihm: Er hielt den Hendrick-Piloten hinter sich und entschied das Duell für sich.

Mehr als ein verlorener Sieg
Wie sehr ihn die Niederlage in Kansas beschäftigt hatte, machte Briscoe nach dem Rennen deutlich. Dabei ging es nicht nur um die verpasste Gelegenheit, sondern auch um seine Rolle innerhalb des Teams.
„Ich glaube einfach, dass das Vertrauen der Teammitglieder in ihren Fahrer extrem schnell schwinden kann. Das war der Gedanke, der mir mehr als alles andere im Hinterkopf herumging. So etwas darf dir einfach kein zweites Mal passieren.“
Seine Leistung in Kansas bewertete er dennoch differenziert. Das Auto tendierte extrem zum Übersteuern, erklärte Briscoe. Er hätte sich gegen Larson besser verteidigen können, sah aber nicht einen einzelnen Fehler als entscheidende Ursache der Niederlage. Trotzdem wollte er keinesfalls erneut in den letzten fünf bis zehn Runden einen Sieg aus der Hand geben.
Entsprechend groß war die Erleichterung, nachdem er dieses Mal die entscheidenden Runden überstanden hatte. „Ich bin einfach froh, dass ich mich durchsetzen konnte. Die vergangene Woche war mental wirklich kein schöner Ort, nachdem man den Sieg quasi weggeworfen hatte. Daher ist es einfach großartig, jetzt wieder in der Victory Lane zu stehen.“

Small sieht Fortschritte
Auch Crew Chief James Small hätte auf eine weitere nervenaufreibende Schlussphase offenbar gern verzichtet. Dass Briscoe seine Siege nicht ohne Spannung nach Hause bringt, kommentierte er mit einem Scherz.
„Ich blicke auf all unsere Siege zurück. Sie wurden alle erst ganz am Ende des Rennens auf diese Weise entschieden. Er macht es uns wirklich nicht gern leicht, das steht fest.“
Hinter der Erleichterung stand für Small allerdings auch eine Entwicklung, an der Fahrer und Team schon länger arbeiten. Im Saisonverlauf habe die Mannschaft Punkte liegen lassen, weil sie sich nicht immer mit dem zufriedengegeben habe, was an einem bestimmten Tag möglich gewesen sei.
Small vermutet den Ursprung dafür in Briscoes Vergangenheit: Er habe Gelegenheiten unbedingt nutzen wollen und dabei das Auto mitunter überfahren. Inzwischen sieht der Crew Chief Fortschritte.
„Er hat daran gearbeitet. Er macht das wirklich großartig. Ich denke, dieser Sieg wird ihm, besonders nach den vergangenen Wochen generell, sehr viel Selbstvertrauen für die nächsten fünf Rennen geben.“
Dabei sei Briscoes Ruhe im Cockpit eine wichtige Stärke. Wenn alles zusammenpasse, habe er die nötigen Fähigkeiten und lasse sich im Auto nicht so schnell aus der Fassung bringen, betonte Small.

Hoffnung im Titelkampf
Für Briscoe hatte der Erfolg neben der mentalen auch eine sportliche Bedeutung. Nach Kansas hatte er bereits befürchtet, seine Meisterschaftschancen verspielt zu haben. Ein weiterer verpasster Sieg hätte aus seiner Sicht kaum noch Zeit gelassen, den Rückstand aufzuholen.
„Natürlich wird es immer noch extrem schwierig, aber wir haben uns zumindest im Spiel gehalten.“
Der Gedanke an die verpassten Punkte aus Kansas blieb deshalb auch nach dem Sieg präsent. Mit einem Erfolg in der Vorwoche hätte seine Ausgangslage deutlich besser aussehen können. Diesmal überwog jedoch die Gewissheit, die nächste Gelegenheit genutzt zu haben. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber ja: Wir sind definitiv noch im Rennen.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.







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